Leaving Berlin

Der Sommer in Berlin neigt sich dem Ende zu. Angenehme Temperaturen – nennen viele das – es fehlt die müde von Hitze geschwängerte Luft, die sich noch bis abends zwischen den Häuserschluchten hält. Wenn Sommer in Berlin ist, ist alles egal. Der Verstand ist gezuckert. Doch jetzt, mit sinken der Temperaturen, wird er wieder klar. My heart is leaving und ich fühle mich allein gelassen, weil so viele dieses Jahr und davor gegangen sind.

Sie kehren mir und Berlin den Rücken, weil sie eine neue Zukunft möchten. Sie gehen einen Schritt weiter, einen Schritt. Ich bleibe zurück. In mir ist ein leicht gekränktes Gefühl des Verlassen werdens, egoistisch, dabei muss man es zur Seite stoßen, es gehört sich nicht. Die andere Seite freut sich für sie, für jeden neuen Job, für jedes Zusammenziehen, für jede Wohnung die neu bewohnt wird, für jede Familie die gegründet wird.

In mir halt die Unverständnis, das eigene Nicht-in-Frage-kommen diese Stadt wegen eines Mannes oder eines neuen Jobs zu verlassen. Dazu ist die Liebe zu groß und die Zuflucht aus den Klauen der Mit-den-Fingern-auf-einen-zeigen wegen eines beschädigten Lebens. Ich könnte es nicht, zuviel Angst vor Kleingärten und Kleinkariertheit, vor Langeweile ohne KaDeWe. Ich bleibe und komme zu Besuch – Friendships move on.

Für meine geliebten Freundinnen.

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Disney Land Berlin – Die Radfahrer

Berlin wird in vielen Reiseführern als Fahrrad-freundliche Stadt bezeichnet. Das kann wohl sein, es gibt den einen oder anderen Radweg mehr als in anderen Städten, Fahrradfahrerfreundlich ist sie aber nicht. Schon gar nicht die anderen Fahrradfahrer untereinander. Wer an der roten Ampel anhält (ich Spießer mache das, weil ich bin ja Verkehsteilnehmer) wird oft von anderen Radfahrern (die, die nicht am Verkehr teilnehmen, sondern ihn nur als störende Hintergrundveranstaltung wahr nehmen) irritiert über den Haufen geradelt.

Bewegt man sich öfters in Berlin per Fahrrad, dann fallen einem verschiedene Typen von Radfahrern auf.

 

1. The-Nazi-Rider

Letztens radelte ich mit meiner Mitbewohnerin auf der breiten Karl-Marx/Frankfurter-Allee umher. Der Bürgersteig ist an den meisten Stellen mindestens 10m breit und Radfahrer und Fußgänger kommen sich nicht mal ansatzweise nahe. So dachten wir uns etwas geistreiche Konversation zu betreiben und radelten nebeneinander. Kein Problem für die Fußgänger, nur die Radfahrer mussten den gekennzeichneten Rahmen des Radweges verlassen um uns zu überholen. Für den Nazi-Rider DIE TODSÜNDE.

Was wurden wir – von ausnahmslos jungen Mitmenschen – angepöbelt. Es war quasi eine mittelalte Persiflage auf das Bild des Krawallopas, der Gehstock schwingend und mit Schaum vor dem Mund eben diesen (also nicht Schaum) in die Speichen wirft. Blut und Galle wurde gespuckt, es hat nur noch gefehlt, dass jemand gerufen hätte: sowas hat man früher ins KZ gebracht!

So tobten die Nazi-Rider vorbei, auf ihren Drahteseln, mit Atomkraft-Nein-Danke-Aufklebern und Kindersitzen, geflohen aus dem spießigen Restdeutschland, nach Berlin. Man bekommt halt den Kleinsadtmenschen in die Großstadt, aber nicht die Kleinstadt aus dem Menschen.

 

2. The Low-Rider:

Der Low-Rider zeichnet sich dadurch aus, dass man ihn schon von weiten erkennt und wenn man selbst heranradelt, er immer noch an fast der gleichen Stelle ist, wie man ihn das erste Mal ausgemacht hat. Soll heissen: er fährt extrem langsam.

Und er ist immer vor einem, wenn man es ganz eilig hat und man so gar nicht überholen kann. Er fährt so langsam, dass man Angst hat, er fällt gleich um und man muss so stark bremsen, dass man selbst fast vom Rad fällt.

Hat man ihn dann doch einmal überholt und hält an der nächsten roten Ampel an, ist er es, der im Schneckentempo ankommt, an einem vorbei rollt, auf die viel befahrene Kreuzung zu und schwupp ist er wieder vor einem, wenn es grün wird.

 

3. The Fat-Tire-Rider:

Sie haben im Lonely Planet gelesen, dass man super Radfahren kann in Berlin, dass das ganz toll und awesome und cheap ist. Sie haben aber nicht gelesen, dass Berlin eine ransante und unfreundliche Großstadt ist, Lebensgefährlich! Dass da Autos auf der Strasse fahren und wilde BVG-Busfahrer ihnen hinterher brettern, wenn sie auf der Busspur radeln, dass andere verwirrte Touristen – die völlig erschlagen vom Gewimmel und der Großstadt – ihnen vor das Fahrrad hüpfen – ja und dann ist da auch noch das Bier-Bike und die Trabbi-Safari, Kutschen, Verkehrsteilnehmer aus MOL, TF oder LDS und STRASSENBAHNSCHIENEN, in die man einmal hinein, nur noch ihne Zahn und über den Lenker wieder raus kommt.

Das alles wissen sie nicht, sie wissen nur, dass sie als Kind gern Rad gefahren sind – auf dem Hinterhof, bei Oma, irgendwo JWD und fern der Heimat und dass man das ja so einfach nicht verlernt. Und so schwingen sie sich, untrainiert und ohne Gleichgewicht allein oder in Gruppen auf Leihräder und machen die Strassen zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz zur Slalomstrecke. Ihr Tourguide hat ihnen noch die Funktion der Klingel erklärt und so hört man sie schon, bevor mal sie sieht, am Dauerbimmeln.

 

4.The Beer-Bike-Rider:

Nähert man sich dem Touristisch unterwandertem Gebiet in Berlin und biegt zulangsam ab, kann es passieren, dass man plötzlich einem der fiesesten Erfindungen der Menschheit folgen muss: dem Beer-Bike!

Einfallslose Junggesellen-Abschiede aus Restdeutschland fahren nach Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin um was ganz pfiffiges zu machen und etwas was sie am besten können: Bier trinken! Zusammen, im Pulk sich zulaufen lassen und dabei noch Alibi-Sight-Seeing und #selfies aufnehmen. Super Idee!

Besonders, wenn man hinter diesen Gesellen fährt und wartet, dass man sie überholen kann…

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