Single in the City: Teil XI oder Männer und ihre Penisse

Ich war letztens wieder im KitKat Club. Die Musik ist ganz annehmbar und so viel hat sich, seitdem es nicht mehr der Sage Club ist, nicht geändert. Es laufen immer noch die gleichen Transen rum, es wird ganz guter Elektro gespielt und es gibt schöne Frauen. Was etwas stört sind die heterosexuellen männlichen Hedonisten, die gerne unten rum ohne raum laufen. Das heißt jedem, der essehen oder nicht sehen will ihr Gehänge zeigen. Sie scheinen unglaublich stolz auf ihre in der Regel nicht erigierten Penis, den sie schwingend im Takt zur Schau stellen. Vielleicht wissen solche Männer nicht, dass wir Frauen das nicht schön finden, wenn wir so ein schlaffes Ding sehen. Generell ist es ja auch so, dass Frauen auch beim Anblick eines Phallus nicht grade auspflippen, wie manche Y-Chromosom-Träger beim Anblick von nackten Brüsten.

Vielleicht sollte man es ihnen einfach mal sagen.

Treibt man sich in Singlebörsen rum wir man irgendwann als Frau zwangläufig mit dem ein oder anderen Penis-Bild-Verschicker konfrontiert. Vor einiger Zeit ergab sich daher eine sehr geistreiche Konversation mit eben dieser Spezies:

Penis-Bild-Verschicker: Stehst du auf große Schwänze?

Frage ist, welche Frau sagt da: nee, ich mag lieber Zwergenbleistifte…

Ich: Ist jetzt nicht Ausschlag gebend, aber warum nicht.

PBV: Wie groß ist denn für dich ein großer Schwanz?

Ich: Uff, ja, so vielleicht 20 cm?

PBV sendet Bild: rate wie groß meiner ist!

Ich: 20cm?

PBV: nee…

Ich: größer?

PBV schickt noch ein Bild: nee

PBV: 13,5 cm und 5 cm Umfang

(…)

PBV: willst du noch ein Bild?

Ich: Nee. Ganz ehrlich, Frauen bringt das nichts den Penis eines Mannes zu sehen.

PBV: willst du noch ein Bild?

Ich: nein

PBV: willst du vielleicht was anderes sehen?

Ich: NEIN! (da kriegt man ja ein bisschen Angst. Was will der einem denn für Bilderschicken? Brustwarzen? Arschloch? was gibt es noch für erotische Stellen an einem Mann?)

PBV: was siehst du denn gerne für Bilder?

Ich: Katzenbilder

Danach ist die Konversation glücklich abgebrochen und er hat sich wirklich nie wieder gemeldet. Für alle anderen gibt es einen Ignorebutton, aber manchmal muss man solche Experimente durch führen..wenn es grad nichts im Fernsehen gibt.

Das Ende der Unbekümmertheit

Neulich huschte ich über den Strausberger Platz – der bekanntermaßen quasi auf der Grenze zu Mitte und Friedrichshain liegt, also in Berlin, also ziemlich zentral, also so hauptstädtisch – zur U-Bahn und führte dabei meinen neuen Coco Chanel Hut aus. Der eigentlich kein Original von Coco Chanel ist, aber halt nur so aussieht und das verdammt gut. So schwarz-weiss und wie eine Cloche geformt – die typische Form der Hüte der 20er Jahre. Wer mich kennt, der weiß von meinem Faible für diese Zeit des letzten Jahrhunderts.

So lief ich also zur U-Bahn und meine Blicke kreuzten sich mit den Blicken eines Mannes, der gerade dabei war eines der Häuser in der ehemaligen Paradestraße der DDR zu betreten. Er blieb mitten in der Bewegung stehen und starrte. Ja, da war er wieder- dieser Blick, den nur Deutsche drauf haben. Dieses Anstarren. Statt ins Haus zu gehen, bleibt man demonstrativ stehen und beglotzt mich – unverfroren. Ich war kurz am überlegen, ob ich nicht ein neuköllnerisches was guckst du – bin isch kino? entgegen brülle. Aber das passt nicht zum Hut.

Da verläßt man unter anderem aus diesem Grund die Einöde Hannover, damit man nicht ständig angestarrt wird, wenn man sich etwas anders kleidet und dann wird Berlin so hip, dass jetzt alle hier sind.Das sieht man ja besonders am Prenzlauer Berg, dessen Bewohner in den letzten Jahren komplett ausgetauscht wurde und nun von Jack-Wolfskin-Outdoor-Jacken-Träger aus Sindelfingen, Erlangen und Tübingen bevölkert wird. Ins weltoffene Berlin ziehen, aber den Knaack-Club weg klagen.

Es hat sich zwar in den angesagten Stadtteilen der Stadt eine Art Individualismus bezüglich des Kleidungsstils etabliert, der aber so uniform ist, dass alle doch wieder gleich aussehen. Entweder sind die Kleider vom überteuerten Second Hand Markt oder von der Marke American Vintage. Es sieht alles wie aus dem Arsch gezogen aus, ist aber sau teuer. Man will Understatement vermitteln, aber auch zeigen, dass man Geld, aber eben kein Geschmack hat. Dazu muss man dünn sein. Männer lassen sich einen Vollbart wachsen, damit sie nicht für schwul gehalten werden, weil ihre magersüchtige Freundin genauso wie sie aussehen. Es geht sogar soweit, dass man in Läden wie Pull & Bear nicht mehr unterscheiden kann, ob es sich jetzt um HAKA oder DOB handelt. Ich vermute eher dass es sich oft um unisex in Kindergrößen handelt.

Trägt man dagegen nun in Berlin seine Brüste und Hintern stilvoll und weiblich mit sich rum, dazu noch einen Hut auf und sieht nicht aus wie ein schlechtgelaunter, magerer Hipster wird man angestart wie ein Affe im Zoo.

Früher hingegen konnte man ein Rosa-Tütü und Krönchen tragen und wurde in Berlin keines Blickes gewürdigt. Wenn man jetzt hingegen an Cafes vorbei stöckelt mit Hut, Lippenstift und Busen, hört man leise Stimmen im Wind rauschen: Ei, desch mag I so an Berlin, diese Verrückten!

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Leben mit Katzen: Ein Geschenk, ein Geschenke – Teil 2

Pünktlich zur Weihnachtszeit habe ich  – wie jedes Jahr – den Katzen einen Adventskalender aufgehangen. Als Gegengeschenk haben sie mir heute eine kleine Blaumeise (?) ins Wohnzimmer gelegt. Ja, das wäre doch jetzt nicht nötig gewesen – auch nicht, wenn dieses Geschenk nicht ganz so gruselig ist wie damals die Fledermaus.

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Menschen im Café

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Arbeitet man in der Hotellerie und Gastronomie lernt man die Niederungen der Menschheit kennen. In der Prostitution soll das ja auch so sein und viele Gäste gehen auch bei einem All-Inclusiv-Angebot davon aus, dass auch ein “Happy End” darin enthalten ist.

Glücklicherweise tritt man bei der Arbeit in einem Café nicht ganz in die Intimsphäre anderer Menschen ein. Die Gäste übernachten dort in der Regel nicht und niemand steht nur in Speedo Badehose vor einem und fragt nach dem Weg zum Pool oder öffnet einem nackt die Tür, wenn man die Bestellung nach oben bringt. Die mit Exkrementen beschmierter Bettwäsche und andere Sachen lasse ich hier einfach mal weg.

Menschen in Café sind da anders. Aber nicht weniger kurios. Es ist nicht verwunderlich, dass das Personal etwas unglücklich schaut, wenn man in das Lokal marschiert und beginnt erstmal das halbe Mobliar umzustellen. Aus einem Tisch für zwei einen für vier zu machen – auch wenn man dafür einen Tisch aus einem vierer Platz ziehen muss – um sich dann am besten allein dort hin zu setzen. Aber auch zu viert ist das keine Entschuldigung, wenn man die anderen vierer Plätze einfach ignoriert.

Dann wird fleissig bestellt. Die mitgebrachten Großeltern aus Restdeutschland versuchen ein Kännchen Kaffee zu bestellen, was aber in Anbetracht der dastehenden Espressomaschine im hippen Berlin genauso unmöglich ist, wie einen Flughafen zu bauen. Aus Verzweiflung wird dann ein Filterkaffee oder wahlweise Bohnenkaffee bestellt und als Barista versucht man zu erklären, was ein Americano ist. Bis einem einfällt, dass der ein Österreich ein Kleiner Schwarzer genannt wird und wenn man Glück hat, dann war der Besteller vor kurzem erst im Urlaub am Wörthersee oder hält viel von der Wiener Kaffeehauskultur. Und wenn man Pech hat, dann wird: halt einfach einen schwarzen Kaffee, verdammt! bestellt.

Zugegeben, das mit dem Bestellen ist in Berlin nicht wirklich einfach geworden, denn es ergiesst sich über den Besteller ein ganzer Fragenkatalog: groß, klein, mit Milch, ohne Milch, zum Hier oder to go,  Fettarm, Vollmilch, Lactosefreie Milch, Soja Milch, Vanille Soja, Dinkelmilch, Hafermilch, Mandelmilch, etc pp.

Auch eingebürgerte Zugezogene sind oft bei der Erklärung vom Unterschied zwischen einem Cafe Latte und Latte Macchiato und einem Cappuccino und einem Flat White überfordert – davon mal abgesehen. Dass es einfach ist hat ja auch keiner gesagt.

Aber zurück zu den Gästen. Man erkennt an Hand der Bestellung den Sozialen Hintergrund des Gastes. Sind es Schwaben, reicht ein kleiner Cappuccino und das Stück Kuchen wird sich geteilt, danach steigt man wieder in den Porsche Cayenne. Wird Soja-Milch bestellt sind es meist Veganer oder Hipster. Lactosefreie Milch wird meist von Menschen mit Lactoseintoleranz bestellt, die keine – in ihren Augen – ungesunde Soja-Milch – wegen des Regenwaldes und der Gene – wollen, dafür aber Milch aus dem Chemielabor bevorzugen. Für die kleinen Gäste gibt es Babyccino im To-go-Becher mit Schokoherz und danach geht es auf den Spielplatz. Das finde ich immer ganz süß.

Nicht süß finde ich, wenn Ü-40-Eliteeltern ihre Kinder AUF dem Tisch IM Cafe wickeln. Ist ja ganz natürlich alles, finden sie und wenn man was sagt, dann ist man intolerant und es wird mit Klage gedroht. Eben diese Eltern finden es auch total okay, wenn ihr Kind den Tisch und die Stühle mit einem Brei aus Keks und Banane beschmiert. Denn sie – die Eltern – hinterlassen die Tische meist genauso. Alles klebt und ist gut verteilt. Das Feuchttuch mit Babyrotz ist dafür schön tief ins Wasserglas oder die Tasse gequetscht. Das freut jeden, der diese dann vor dem Abwasch aus dem Glas prokeln darf.

Grundsätzlich ist dieses Alles-ins-Glas-steck-Verhalten kein Elternding, sondern es geht durch alles Alterklassen. Als ich letztens alle möglichen Servietten von Tellern sammelte, stand plötzlich ein Stammgast – graumeliert und Ende 60 –  vor mir und hielt mir  – mit den Worten: sie sind ja grad dabei – sein leeres Glas Orangensaft hin. Am Boden tief eingetunkt seine Rotzfahne. Danke für das Geschenk!

In diesem Momenten denke ich aber immer an mit Kotbeschmierte Hotelzimmerwände und Bettwäsche. Mir haben Gäste auch schon mal vor das Hotel und auf den Frisierstuhl in der Damentoilette gekackt. Dann seufze ich und hole das nächste Rotz-Feuchttuch aus dem Kakaoglas. Alles nicht so schlimm, alles ganz natürlich!

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Vegan bashing

Letztens war schon wieder so ein unsäglicher Artikel in der Welt. Ein Beitrag eines sehr verbitterten Omnivoren. Ja, es ist Axel Springer Presse – was erwartet man da, und ich will auch nicht näher drauf eingehen. Vegan bashing ist das neue Hobby der interlektuellen Omnivore.

Omnivore stellen sich oft vor, dass maskierte Veggies in die Fleischerei,in der sie grade ihr Rumpsteak kaufen wollen, eindringen und alle potenziellen Käufer anspucken und mit Karotten bewerfen. Dazu noch ein vermummter Typ mit Ghetto-Blaster, der Meat is Murder von The Smith in Dauerschleife spielt.

Schweiß gebadet wachen sie aus diesem Albtraum auf und können zwischen Realität und Traum nicht mehr unterscheiden.

Viel mehr erlebe ich alle paar Wochen so richtig lustige Menschen, die durch die Tür in meinen veganen Laden rufen: ey, haste Schnitzel? – haha, sehr lustig. Letztens hat jemand an die Tür geschmiert: Ich liebe Fleisch!

Ja, mmh, es sind aber die bösen Veggies, die einem ihren Lebensstil aufdrängen wollen – ist ja klar. Da gibt es auch diverse Diskussionen im näheren Bekanntenkreis.

“Stört dich dass, wenn ich jetzt hier meine Curry-Wurst esse?”

“Nein, stört mich nicht.”

“Oh, das finde ich voll toll von dir, dass du so liberal bist. Also die meisten sind ja nicht so.”

“Wieviele Veggies kennst du denn?”

“Ja … mmmh…nur dich.”

Äh – ja.

Lustig sind auch dann teilweise die Reaktionen von Omnivoren beim gemeinsamen Einkaufen, wenn man ihnen sagt, dass die geliebten Oreos, Nimm2 oder Manner Schnitten von Haus aus vegan sind. Was echt? öh, nee, dann will ich die grad nicht.Hab da jetzt so gar keinen Appetit mehr drauf. Und den Artikel wieder verschämt in das Regal zurück stellen, als sei ihnen ein Döner mit Gammelfleisch untergekommen.

Ich verstehe dieses vegan bashing nicht – meine Theorie ist ja, dass Omnivore eigentlich wissen, dass für ihr “oh es schmeckt aber sooooo lecker und ich will nicht verzichten” ein Tier gequält und gemordet wurde und daher sofort ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man nur sagt: ich bin veggie. – Bei manchen geht es so weit, dass sofort ein Aufschrei der Entrüstung kommt: Jaaaahaaa, du willst mir da was aufdrängen! – zu dieser Kategorie gehört wahrscheinlich der Autor des oben genannten Artikels.

Dann werden einem diverse (absurde) Argumente für den Konsum von Fleisch aufgezählt:

- wenn wir die nicht essen, würden die uns essen!

- das war schon immer so!

- Ich esse nur Fleisch von glücklichen Tieren.

Dazu hat Karen Duve passen gesagt: Es gibt kein Fleisch von glücklichen Tieren – nur von Toten! Dafür gab es diesen Jahres einen ganz, ganz, ganz dummen Artikel von Elisabeth Raether mit noch mehr dummen Argumentationen. Ich bin dafür, dass die gute Frau mal selbst ein Tier fängt und schlachtet und ihm dabei direkt ins Auge schaut – um zu begreifen, dass Tiere Schmerz empfinden haben.

Was ich eigentlich sagen will ist: Liebe Omnivore, lasst mich doch einfach nicht essen, was ich nicht will – das lasse ich euch doch auch!