Leben ohne Verzicht

Wahrscheinlich ist es ihr etwas unangenehm, dass ich es nun doch auch hier auf meinem Blog poste. Aber ich bin so unheimlich stolz auf meine Freundin und auf die Reportage über sie und Straight Edge. Dass sie zeigt, dass wennman etwas verändern will in dieser Welt, jeder seinen kleinen eigenen Beitrag dazu beisteuern kann.

Seitdem ich in einem veganen Cafe arbeite, lerne ich immer mehr Straight Edger kennen. Eine sehr faszinierende Bewegung ist das, die sehr respektvoll mit sich, ihrem Körper und ihrer Umwelt umgeht. Quasi stille Revolutionäre, die nicht nur Reden, sondern einfach agieren. Eine Lebensbewegung mit positive attitude.

Straight Edge zu sein bedeutet unter anderem keinen Alkohol, Nikotin oder Drogen zu konsumieren – die meisten der Szene sind Vegetarier oder Veganer – und “andere mit Respekt und Würde zu behandeln, individuell zu agieren und daran zu arbeiten, die Welt zu einem besseren Platz zu machen”. Das bedeutet auch nicht häufig wechselnde Geschlechtspartner zu haben, also nicht leichtfertig mit der Liebe und der Lust umzugehen. In Zeiten der Übersexualisierung, der Ich-brauche-ein-I-Phone-verdammt-Überkonsumierung und der Respektlosigkeit der Gesellschaft ein wahrer Lichtblick.

Meine Freundin Melina Struwe bringt einen wunderbaren Einblick in “die Szene”. Mit einer berührenden Ehrlichkeit, ein auf Du-und-Du sein und nicht von oben herabpredigen. Eine fasziniernde Frau mit Ecken und Kanten – und eben einer Straight Edge – die zeigt, dass ein Leben als Veganer und Straight Edger eben ein Leben OHNE Verzicht ist!

 

Eure

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Liebe Hersteller: PASST UNS NICHT!

spreemieze:

Spricht mir aus der Seele!

Ursprünglich veröffentlicht auf Hobbyweltverbesserer-Blog:

indexIch hab mal eine Umfrage unter meinen wunderschönen Freundinnen erstellt. Die sind von Größe 36 bis 50 – alles dabei. Und doch gleichen sich die Aussagen…

“Klamotten, die weiblich aber bequem sind. Ich hab immer das Gefühl, es geht nur entweder oder.”

“Pullover die weder Sack noch Presswurst sind. Blusen, deren Armausschnitt klein genug ist, Arme heben zu können, ohne das ganze Oberteil mit hoch zu ziehen. BHs in Körpchengröße >D, die NICHT gefüttert sind”

“Gut sitzende BHs in allen Größen, echte Mangelware in Dtl. (verglichen mit England oder USA)”

“Mal was für “Kurven” denn Kurven bedeutet nicht “fett”. Mit schmaler Taille aber viel Hüfte hat man aktuell verloren.”

“Nur weil ich schwerer werde, werden weder meine Arme oder Beine länger oder meine Schultern breiter”

bezahlbare, schöne, bequeme Kleider, die weder nach Bank, Cocktailparty noch Kittelschürze aussehen & nicht aus Plastik sind.

“Oberteile in die meine Oberweite passt. Oft auch…

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Im Westen nichts Neues

Neulich war ich am Ku’damm und nutzte den Besuch im Westteil der Stadt um im Café Kranzler einzukehren. Es ging mit dem Aufzug hoch ins Rondell und ich erwartete, dass sich vor mir die Türen öffnen und mit rotem Plüschsamt bezogene Stühle und angeschlagene weiße Barocktische auf mich warten würden. Stattdessen fand ich mich zurückversetzt im Jahre 1997 wieder.

Kühler Kangtinencharme schlug mir entgegen. Das gesamte Interior schien wie aus dem Gastrokatalog (ja, sowas gibt es wirklich – da kann man gesamte Einrichtungen von Disco bis Eckkneipe bestellen – wenn man es nicht so individuell mag). Über den Marmortischen schien immer noch die Maxime pflegeleicht, kratzfest und unverwüsstlich zu schweben.

Die Kuchenauswahl fand man hinten in 2 Leasing-Kühlvirtinen. Keine orpulente Kuchenvitrine, die die wirklicher sehr kunstvollen Kuchen hätten richtig in Szene setzen können. Die Auswahl war ehr traditionell: Schwarz-Wälder-Kirsch, Sachertorte, Marzipantorte, Baiser, etc – endlich etwas, das meinen Erwartungen entsprochen hat.

 

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Enttäuscht wurde ich wieder beim Kaffee. Statt einer handelsüblichen Espressomaschine gab es nur einen Gastro-Vollautomaten, der auf Knopfdruck jede beliebige Kaffeesorte samt Milchschaum ausspuckt. Und wen überrascht es: es gab auch keine Soyamilch. Dafür aber noch Kännchen Kaffee.

Da gab es letztens einen sehr schönen Artikel bei Slowtravelberlin.com Third Wave Coffee: A History.  Kurz und knapp beschreibt der Artikel nicht nur die drei Phasen/Wellen, die der Kaffee durchgemacht hat – von Filterkaffee zur Latte Art- sondern auch, dass die Phase Filterkaffee ziemlich lange angehalten hat in Deutschland und es hier besonders lang gedauert hat, bis zur dritten Welle. D.h. bis Cappuccino, Latte Macciato & co die deutschen Café eroberten. Das Café Kranzler hat sich nur widerwillig der dritten Phase angenommen, hängt eigentlich immer noch bei Nummer 1 und wird daran eventuell erst wieder etwas ändern, wenn seine Stammgäste weggestorben sind (die gehören noch zur Generation Draußen nur Kännchen).

Vom Kaffee und Ambiente enttäuscht, vom Kuchen befriedigt, gefielen mir am Besten die Servietten – die mich immer noch in meiner Handtasche begleitet.

 

Ähnlich unzufrieden war ich bei meinem letzten Besuch im Café des Literaturhauses in der Fasanenstrasse. Ich hatte mich dort zum Frühstück verabredet und erwartete zum Tweedbejackten Ambiente ein ebenso qualitatives Frühstück. Leider fand sich auf meinem Teller Margarine und Marmelade aus der Metro und Edna-Aufbackbrötchen wieder. Sehr sehr schade, dass hier nicht auf mehr Qualität geachtet wird. Die Gastronomie scheint hier noch in den 90ern stecken geblieben zu sein, damals, als man noch ungeniert zur Tüte griff und Köche vom Aufreißen dauernt eine Sehnenscheidentzündung hatten.

Latte Art bei Fräulein Wild

Latte Art bei Fräulein Wild

Da ist der Osten der Hauptstadt wesentlich weiter und es reiht sich Café and Café mit wunderbarer Küche und Kaffee aneinander – viele setzen auf Bioprodukte und Clean Eating (d.h. man sieht von Convenience Produkten ab). Ganz herausstechend und geliebt ist da mein Stammcafé Fräulein Wild. Dort gibt es nicht nur Soyamilch, sondern auch vegane Kuchen und Frühstück. Gebacken wird mit Liebe – und das schmeckt man!

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Mädchenmusik

I wish I could sing no regrets and no emotional debts
‘Cause as we kiss goodbye the sun sets
So we are history, the shadow covers me
The sky above, a blaze that only lovers see

He walks away, the sun goes down
He takes the day but Im gone
And in your way my blue shade
My tears dry on their own

Unter Generalverdacht

Nach über zwei Monaten melde ich mich aus der Abstinenz wieder – nicht, weil es keine Gründe zum Schreiben gab, sondern weil mir die Zeit gefehlt hat meine Gedanken zu sortieren und sie sinnvoll auf Papier zu bringen.

 

Doch heute – am ersten Weihnachtsfeiertag ist die Ruhe da und auch die Erregung,diesmal über die Weihnachtsansprache von Bundespräsident Gauck. Zwar sind es warme, milde Worte, die der gesichtslose gealterte Mann im Fernsehen spricht – doch schwingt mit ihnen etwas mit, was mir bitter aufstößt: der Appell um Verständnis für Flüchtlinge.

 

Waren nicht wir es, das Volk, die Berlinerinnen und Berliner, die da nachts am Brandenburger Tor standen und die Hungerstreikenden Asylbewerber vor nächtlichen Attacken der Polizei beschützt haben. Sind wir es nicht gewesen, die Spenden gebracht haben? Warme Kleidung, Thermoskannen mit Tee, Decken?

Von der Politik hat sich doch nicht wirklich jemand gezeigt und auch die Kirche war nicht vorort. Es waren Bürger dieses Landes die da waren, die sich über Twitter und Facebook vernetzt haben, weil auch keine Presse davon berichtet hat, bis Piratinnen mit #titsforhumanrights endlich Aufmerksamkeit erreichen konnten.

Noch immer ist die Existenz der Flüchtlinge nicht gesichert und Innensenator Henkel – dessen Partei das Wort Christlich im Namen trägt – hält an der Räumung fest. Auch dann werden wieder Bürger da sein und Protestieren, wie in Hamburg dieser Tage. Sie werden sich über Twitter und Facebook organisieren. Über das vermeitlich freie Internet, dass zum Massenüberwachungswaffe umgekehrt worden ist. Dass dazu benutzt werden kann in Untersuchungshaft zu kommen, weil man zu oft das Wort #Gentrifizierung benutzt hat.

Jeder Bürger steht unter Generalverdacht, so erscheint es dieser Tage, nicht nur, weil er sich per Twitter zu einer Lesung der ehemaligen Familienministerin verabredet hat, oder gegen steigende Mieten am Kotti demonstriert – er steht generell unter Vedacht ein Terrorist zu sein – von Geburt an. Kein Aufsehens von der Bundesriegierung als der NSA Skandal bekannt wurde, erst als bekannt wurde, dass das Handy der Bundeskanzlerin ebenfalls abgehört wurde!

So leben wir im Staat der Totalüberwachung – in dem jeder Verdächtig ist, aber man will trotzdem nichts von der NSU gewusst haben. Verstrickungen mit dem Verfassungsschutz werden nur an der Oberfläche angekratzt. Man verschweigt, zerschreddert und bildet fiktive Bandenfantasien. Die Bundesregierung scherrt sich nicht drum: weil es ja nur Ausländer sind …bis alles irgendwie auffliegt, aber auch nicht richtig.

Und dann kommt Bundespräsident Gauck und bittet uns um mehr Toleranz und Güte. Er hätte lieber an seine Eidgenossen appellieren sollen und nicht an uns! Denn wir wollen so eine Welt nicht, wie ihr sie führt!

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