Single in the City: Teil XII – Die Singlebörse

An einem langweiligen, mittel-kalten Winterabend saß ich zu Hause auf meiner Couch und wurde zum Opfer meiner eigenen Neugier. Ich meldete mich bei Finya an.

Ich weiss nicht genau warum, dabei hatte ich doch letztens erst das Buch: Lust auf Fikken? von Amaryllis26 gelesen. Es war wohl mein masochistischer Drang mich durch furchtbare Profile mit noch schrecklicheren Bildern zu klicken.

Ich meldete mich also an als Lipstickqueen und schrieb gleich von vornherein in mein Profil: Ich bin nicht das Mädchen von Nebenan – ich bin keine Jeans und T-Shirt Girl. Hatte ich doch immer noch das ständige Ermahnen auf der letzten Beziehung im Ohr: Zieh doch mal Jeans an! Zieh dich doch mal normal an. Immer diese Kleider!

Eigentlich soll das ja sonst immer andersrum sein. Aber auch ein anderes Date, dessen wesentlicher Inhalt nur über seine Beziehung zu seiner Borderline Ex bestand, wies mich daraufhin, dass mein Lippenstift zu grell sei und er eher auf Natürlichkeit stehen würde und mich daher nicht küssen könnte.

Daher schien es mir wichtig, gleich im Vorhinein mitzuteilen, dass es mich nur so gibt wie ich bin – Lippenstift statt Labello. Gesagt getan, kaum waren meine Bilder hochgeladen kam eine Nachricht nach der anderen rein. Irgendwann muss man sich dann entscheiden, aus welchen Kriterien man den Mann aussortiert. Profile ohne Bilder und ohne Inhalt fliegen sofort raus. Hallo oder Mal’n neten Grusz darlass – Anschreiben auch. Pittiplatsch, Teddybärchen oder Dickhead haben auch wenig Chancen.

Trotzdem lassen manche nicht locker:

long_term:Darf ich fragen, was ich falsch gemacht habe? Warum schreibst du nicht zurück??????

Ich: Naja, Dein Profil hat kein Bild und sonst steht auch nichts drin. Wenn man 20 Zuschriften am Tag bekommt, muss man halt sortieren.

long_term: Aber ich bin ja noch gar nicht so lange angemeldet. Ich weiss ja noch gar nicht wie das hier so geht. Und ausserdem arbeite ich mit ganz vielen Frauen zu sammen und die sind auch teilweise hier angemeldet, da will ich nicht dass mich einer erkennt. Ich kann dir per Whats App ein Bild schicken und du kannst dann selbst entscheiden.

Ich in Gedanken: Ja, wie geht das wohl so in einer Singlebörse – kein Bild hochladen und bloß nichts schreiben, dass man Interesse wecken könnte…

long_term: warum schreibst du nicht? Hier ist meine Nummer 0170 XXXX XX34.

long_term: hast du dir schon angeguckt? was sagst du? Also eigentlich bin ich nicht so dick und ne Brille trage ich auch nicht immer und eigentlich sehe ich gar nicht so aus wie auf dem Bild.

long_term: hast du dir angeguckt?????

Ich: Ja

long_term: Wollen wir uns mal treffen? Meinst du da besteht ne Chance drauf? Also so von Gesicht z Gesicht ist doch viel besser?

long_term: was sagst du??? Wollen wir uns mal treffen? Sag doch mal?

Ich: Sorry, no offense – aber du wirkst ein bisschen desperate und das macht dich nicht so wirklich attraktiv.

long_term: was wie verzweifelt???? Ich bin doch nicht verzweifelt??? Wie kommst du denn dadrauf????

Tja, da weiss ich auch nicht. Als Buchempfehlung hab ich ihm noch das Obrige ans Herz gelegt. Danach hat er es vielleicht verstanden, vielleicht aber auch nicht – weil ich mich wahrscheinlich bevor er eine Antwort geben konnte wieder abgemeldet hatte.

Nachdem ich ein weitere Nachricht von einem friedhofsblonden Weggesellen bekommen hatte, der Laiendarsteller für einen Privatsender sucht wusste ich, dass ich hier nicht richtig bin.

Berliner Luft – It’s in the Air!

Ursprünglich veröffentlicht auf A hepcat in Berlin:

Das erste große Ereignis diesen Jahres, das schon lange in meinem Kalender eingetragen war, hat gestern statt gefunden. Die Premiere von Berliner Luft – It’s in the Air! A Cabaret Play. Wer sich ein wenig in der Berliner Burlesque Szene umtut, der kennt die Namen der Performer: Champagne Sparkles, Ferkel Johnson, Little Miss Piss, Syren Joey und – Cupcake Queen und Inhaberin vom Lissabonbon Vintage CafeLucky Lu.

Sie präsentierten eine Zeitreise durch die Geschichte des (frivolen) Entertainments. Von Vaudeville über Moulin Rouge bis Claire Waldoff, Berliner Strassenstrich und Metropolis. Die wunderbare und liebevoll inszenierte Show macht wieder bewußt welcher Kulturverlust Deutschland und besonders Berlin durch das Hitler Regime erfahren hat. Es ist schön zu sehen, dass so viele kreative Menschen aus aller Welt nach Berlin kommen und die verlorenen Koffer der kulturellen Szene wieder zurück bringen.

Berliner Luft 1Berliner Luft 2

The first huge event this year – I…

Original ansehen noch 145 Wörter