Menschen im Café – Die Sache mit dem TIP

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Fast zwei Jahre habe ich im Prenzlauer Berg gearbeitet – in Schwabylon. Schwaben sind ein sehr sparsames Völkchen. Dort steigt man gern aus seinem Porsche Cayenne aus, geht in den Laden, bestellt seinen Capucchino mit Sojamilch und ein Stück Rohkostkuchen mit 3 Gabel.

“Ey, isch des deuer, desch deilen ma uns.”

Trinkgeld gab es natürlich keins, war ja auch alles schon teuer genug.

Heute – in einem anderen Stadtbezirk und auf einer anderen Arbeit – hatte ich wieder Schwaben zu Gast.

Ich: “Das macht 25,30 €”

Gast legt mir 26,00 € hin und sagt großzügig:”Ey maschn Se Fünfunzwanzisch Fufzisch.”

Na Halleluja, da sind noch nicht mal 1% TIP.(TIP ist übrigens das internationale Wort für Trinkgeld und soll angeblich: To Improve Promptness bedeuten. In Deutschland war das Trinkgeld dazu da, dass es später vertrunken wurde, daher heißt Trinkgeld eben Trinkgeld.)

Aber davon mal abgesehen, weiss niemand wie es ist, wenn man Trinkgeld bekommt, bzw KEIN oder WENIG Trinkgeld bekommt, wenn man noch nie in eben solchen Berufen gearbeitet hat. Man beginnt den Wert des Tips zuschätzen, wenn man selber einmal Kellner, Friseur oder Taxifahrer war. Trinkgeld kommt immer zu einem zurück, daher beginnt man dann selbst großzügig Tip zu verteilen. Mittlerweile gebe ich sogar beim Bäcker Trinkgeld.

Und dann gibt es natürlich die, die noch nie auf der anderen Seite des Tresens gestanden haben, die sagen: ja aber ich bekomme ja auch kein Trinkgeld und aber gar nicht wissen, wie es ist für 7 € – bzw. wie es nun gesetzlich ist für 8,50 € brutto pro Stunde – zu arbeiten, sich den ganzen Tag die Beine in den Bauch zu stehen, die Haxen abzurennen und dabei stets gut gelaunt zu sein und selbst mit 3000 € im Monat nach Hause gehen. Auch wenn es heute einen Mindestlohn von 8,50€ gibt, dann macht das bei einer 40 Std/Woche im Monat vielleicht um die 1000 € netto. Das hört sich dann alles nicht mehr ganz so luxuriös an. Und da freut sich jeder über extra Geld von dem er sich mal eine Schachtel Zigaretten oder Portion Pommes kaufen kann, die nicht von seinem Konto abgehen.

Viele sind sich aber auch immer über die Höhe des Tips unsicher und bedienen sich daher der Ich-runde-mal-auf-Klausel. Bei einem Kaffee für 2,80 € auf 3,00 € aufzurunden ist total okay. Wiederum bei einem opulenten Dinner für 98,20 € einen 100er freudestrahlend hinzulegen – geht gar nicht. Bei solchen hohen Summen und noch weniger Tip kann es einem auch passieren vom Kellner die 10 Cent Stücke mit den Worten zurückgereicht zu bekommen: Nein Danke, Sie haben es nötiger.

Dabei ist es ziemlich unkompliziert sich an die 10%-Regel zu halten. Hat man also eine Rechnung von 25,30 €,dann kann man ruhig 2,50 € Tip geben. Mehr geht natürlich immer. Kein Trinkgeld sollte man geben, wenn es wirklich unterirdisch war. Wenn die Bedienung absolut unreundlich war und einen beleidigt hat, etc. Habe ich auch schon gemacht, aber wirklich ganz selten. Gibt man keinen Tip und der Service war gut, dann ist es eigentlich eine Beleidigung vom Kunden bzw. Gast kein Trinkgeld zu hinterlassen.

Das ist also sehr sehr sehr einfach. In den USA ist das Trinkgeldverfahren wesentlich komplizierter. Dort gibt man 20% wenn der Service gut, bzw. normal. 15% wenn es schlecht und 10% wenn er unterirdisch war, man vom Kellner angespuckt und aus der Tür getreten wurde. So hatte ich mal ein Geburtstagsdinner im Hancock Tower in Chicago und die Rechnung belief sich auf 250 $. Meine Begleitung, der sich nicht mit der Trinkgeldgeberei in den USA auskannte gab 20 $ Tip und der Kelllner rauschte beleidigt und uns verwünschent ab..bis wir noch mal 30 $ hinlegten. Dann war alles wieder gut.

Komischerweise geben Amerikaner in Deutschland gar kein Trinkgeld. Wahrscheinlich lesen sie in ihren Reiseführern, dass es nicht notwendig und freiwillig sei. Als der Dollarkurs noch besser stand – also vor einigen Jahren – ließen sich viele Amerikaner auch dazu hinreissen als Tip 1,00 $ zu hinterlassen und waren fest der Annahme, dass wir Cavemen damit unsere 10-köpfige Familie mindestens einen Monat ernähren könnten.

Italiener und Spanier geben oft auch gar kein Trinkgeld. Ich schiebe das auf die furchtbaren Deutschen Touristen, die in ihr Land einfallen, Sandalen mit Socken tragen und Currywurst bestellen wollen – und selbstverständlich kein Trinkgeld geben.

Single in the City: Teil XII – Die Singlebörse

An einem langweiligen, mittel-kalten Winterabend saß ich zu Hause auf meiner Couch und wurde zum Opfer meiner eigenen Neugier. Ich meldete mich bei Finya an.

Ich weiss nicht genau warum, dabei hatte ich doch letztens erst das Buch: Lust auf Fikken? von Amaryllis26 gelesen. Es war wohl mein masochistischer Drang mich durch furchtbare Profile mit noch schrecklicheren Bildern zu klicken.

Ich meldete mich also an als Lipstickqueen und schrieb gleich von vornherein in mein Profil: Ich bin nicht das Mädchen von Nebenan – ich bin keine Jeans und T-Shirt Girl. Hatte ich doch immer noch das ständige Ermahnen auf der letzten Beziehung im Ohr: Zieh doch mal Jeans an! Zieh dich doch mal normal an. Immer diese Kleider!

Eigentlich soll das ja sonst immer andersrum sein. Aber auch ein anderes Date, dessen wesentlicher Inhalt nur über seine Beziehung zu seiner Borderline Ex bestand, wies mich daraufhin, dass mein Lippenstift zu grell sei und er eher auf Natürlichkeit stehen würde und mich daher nicht küssen könnte.

Daher schien es mir wichtig, gleich im Vorhinein mitzuteilen, dass es mich nur so gibt wie ich bin – Lippenstift statt Labello. Gesagt getan, kaum waren meine Bilder hochgeladen kam eine Nachricht nach der anderen rein. Irgendwann muss man sich dann entscheiden, aus welchen Kriterien man den Mann aussortiert. Profile ohne Bilder und ohne Inhalt fliegen sofort raus. Hallo oder Mal’n neten Grusz darlass – Anschreiben auch. Pittiplatsch, Teddybärchen oder Dickhead haben auch wenig Chancen.

Trotzdem lassen manche nicht locker:

long_term:Darf ich fragen, was ich falsch gemacht habe? Warum schreibst du nicht zurück??????

Ich: Naja, Dein Profil hat kein Bild und sonst steht auch nichts drin. Wenn man 20 Zuschriften am Tag bekommt, muss man halt sortieren.

long_term: Aber ich bin ja noch gar nicht so lange angemeldet. Ich weiss ja noch gar nicht wie das hier so geht. Und ausserdem arbeite ich mit ganz vielen Frauen zu sammen und die sind auch teilweise hier angemeldet, da will ich nicht dass mich einer erkennt. Ich kann dir per Whats App ein Bild schicken und du kannst dann selbst entscheiden.

Ich in Gedanken: Ja, wie geht das wohl so in einer Singlebörse – kein Bild hochladen und bloß nichts schreiben, dass man Interesse wecken könnte…

long_term: warum schreibst du nicht? Hier ist meine Nummer 0170 XXXX XX34.

long_term: hast du dir schon angeguckt? was sagst du? Also eigentlich bin ich nicht so dick und ne Brille trage ich auch nicht immer und eigentlich sehe ich gar nicht so aus wie auf dem Bild.

long_term: hast du dir angeguckt?????

Ich: Ja

long_term: Wollen wir uns mal treffen? Meinst du da besteht ne Chance drauf? Also so von Gesicht z Gesicht ist doch viel besser?

long_term: was sagst du??? Wollen wir uns mal treffen? Sag doch mal?

Ich: Sorry, no offense – aber du wirkst ein bisschen desperate und das macht dich nicht so wirklich attraktiv.

long_term: was wie verzweifelt???? Ich bin doch nicht verzweifelt??? Wie kommst du denn dadrauf????

Tja, da weiss ich auch nicht. Als Buchempfehlung hab ich ihm noch das Obrige ans Herz gelegt. Danach hat er es vielleicht verstanden, vielleicht aber auch nicht – weil ich mich wahrscheinlich bevor er eine Antwort geben konnte wieder abgemeldet hatte.

Nachdem ich ein weitere Nachricht von einem friedhofsblonden Weggesellen bekommen hatte, der Laiendarsteller für einen Privatsender sucht wusste ich, dass ich hier nicht richtig bin.