Single in the City: Teil XIII – Alles wie immer

Es ist über 1,5 Jahre her, dass ich das letzte Mal etwas in dies Rubrik geschrieben habe. Warum das so ist: weil so viel passiert ist. Kurze Zeit später nach meinem letzten Eintrag habe ich meinen ersten Burlesque Kurs gemacht, hatte einen neuen Job angefangen, hab meine Kreativität beim Tanzen ausgelebt. Trotzdem tat es mir immer leid, dass es alles so brach hier liegt, auf der anderen Seite brauchte ich etwas mehr Privatsphäre und war mehr oder weniger ziemlich braindead. Mit anderen Worten: mir ist nichts mehr eingefallen.

Auf der anderen Seite muss ich jedoch sagen: es ist nicht wirklich was passiert. Liebestechnisch gesehen. Gar nichts. Alles wie immer. Das einzige, was dazu gekommen ist: ich werde nun ständig in die Psychoschublade gesteckt. Nachdem es ja schon sowieso üblich ist über mich zu spekulieren, dass etwas nicht mit mir stimmen würde, weil ich ja Single bin, weil ich bestimmt ganz Borderline, mindestens aber super kompliziert sein müsste. Oder eben extrem selektiv – was auch nicht so ist, weil ich schon jeden Mann toll finde, wenn er einfach größer ist als ich (okay, das ist nicht ganz so einfach, aber es trifft auch nicht auf 1 Mann von 1 Mio zu).

Letztens war ich  mit einem Bekannten im Kino und wir hatten uns seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. Als er fragte, wie es den beiden Katzen ginge und ich sagte, dass es jetzt 3 sind kam sein entsetzter Ausruf: Bist du bescheuert?

Das gleiche passierte mir mit einem Arbeitskollegen, er benutzte sogar die gleich Aussprache. Die Frau hat 3 Katzen: sie muss bescheuert sein, mega kompliziert, mindestens Borderline oder Taliban. Ich behaupte, hätte ich drei Hunde, wären die Reaktionen nicht ganz so drastisch.

So geht es weiter mit dem in die Schubladen gestecke: zu blond, zu groß, zu tattowiert, zu dick, zu weiblich, nicht normal, zu anders, abeitet zu viel, hat Psychologie studiert: muss verrückt sein und kompliziert.

Das schmerzt so ziemlich, weil mir kaum jemand die Chance gibt mich so zu sehen, wie ich bin. Da gibt es mir immer wieder Rätsel auf, wenn ich all die Pärchen auf der Strasse sehe oder die in meinen Laden kommen. Meist sind sie so durchschnittlich, dass sie oft sich ziemlich ähnlich sind. Vielleicht liegt darin das Geheimnis, dass der perfekte Weg zu einer Beziehung darin liegt möglichst viele gleiche Schnittmengen, soll heissen Gemeinsamkeiten zu haben. Da scheint Außergewöhnlichkeit nicht wirklich zu zählen. Oder man trifft eben genau den Freak, der genauso ist wie man selbst. Wenn es den überhaupt gibt.

So langsam bin ich der Meinung, dass ich keinerlei Talent für die Liebe habe und es daher sein lassen sollte. Man sollte Sachen machen, die man auch wirklich gut kann: Kaffee machen, Tanzen und solche Sachen.

 

Single in the City: Teil XII – Die Singlebörse

An einem langweiligen, mittel-kalten Winterabend saß ich zu Hause auf meiner Couch und wurde zum Opfer meiner eigenen Neugier. Ich meldete mich bei Finya an.

Ich weiss nicht genau warum, dabei hatte ich doch letztens erst das Buch: Lust auf Fikken? von Amaryllis26 gelesen. Es war wohl mein masochistischer Drang mich durch furchtbare Profile mit noch schrecklicheren Bildern zu klicken.

Ich meldete mich also an als Lipstickqueen und schrieb gleich von vornherein in mein Profil: Ich bin nicht das Mädchen von Nebenan – ich bin keine Jeans und T-Shirt Girl. Hatte ich doch immer noch das ständige Ermahnen auf der letzten Beziehung im Ohr: Zieh doch mal Jeans an! Zieh dich doch mal normal an. Immer diese Kleider!

Eigentlich soll das ja sonst immer andersrum sein. Aber auch ein anderes Date, dessen wesentlicher Inhalt nur über seine Beziehung zu seiner Borderline Ex bestand, wies mich daraufhin, dass mein Lippenstift zu grell sei und er eher auf Natürlichkeit stehen würde und mich daher nicht küssen könnte.

Daher schien es mir wichtig, gleich im Vorhinein mitzuteilen, dass es mich nur so gibt wie ich bin – Lippenstift statt Labello. Gesagt getan, kaum waren meine Bilder hochgeladen kam eine Nachricht nach der anderen rein. Irgendwann muss man sich dann entscheiden, aus welchen Kriterien man den Mann aussortiert. Profile ohne Bilder und ohne Inhalt fliegen sofort raus. Hallo oder Mal’n neten Grusz darlass – Anschreiben auch. Pittiplatsch, Teddybärchen oder Dickhead haben auch wenig Chancen.

Trotzdem lassen manche nicht locker:

long_term:Darf ich fragen, was ich falsch gemacht habe? Warum schreibst du nicht zurück??????

Ich: Naja, Dein Profil hat kein Bild und sonst steht auch nichts drin. Wenn man 20 Zuschriften am Tag bekommt, muss man halt sortieren.

long_term: Aber ich bin ja noch gar nicht so lange angemeldet. Ich weiss ja noch gar nicht wie das hier so geht. Und ausserdem arbeite ich mit ganz vielen Frauen zu sammen und die sind auch teilweise hier angemeldet, da will ich nicht dass mich einer erkennt. Ich kann dir per Whats App ein Bild schicken und du kannst dann selbst entscheiden.

Ich in Gedanken: Ja, wie geht das wohl so in einer Singlebörse – kein Bild hochladen und bloß nichts schreiben, dass man Interesse wecken könnte…

long_term: warum schreibst du nicht? Hier ist meine Nummer 0170 XXXX XX34.

long_term: hast du dir schon angeguckt? was sagst du? Also eigentlich bin ich nicht so dick und ne Brille trage ich auch nicht immer und eigentlich sehe ich gar nicht so aus wie auf dem Bild.

long_term: hast du dir angeguckt?????

Ich: Ja

long_term: Wollen wir uns mal treffen? Meinst du da besteht ne Chance drauf? Also so von Gesicht z Gesicht ist doch viel besser?

long_term: was sagst du??? Wollen wir uns mal treffen? Sag doch mal?

Ich: Sorry, no offense – aber du wirkst ein bisschen desperate und das macht dich nicht so wirklich attraktiv.

long_term: was wie verzweifelt???? Ich bin doch nicht verzweifelt??? Wie kommst du denn dadrauf????

Tja, da weiss ich auch nicht. Als Buchempfehlung hab ich ihm noch das Obrige ans Herz gelegt. Danach hat er es vielleicht verstanden, vielleicht aber auch nicht – weil ich mich wahrscheinlich bevor er eine Antwort geben konnte wieder abgemeldet hatte.

Nachdem ich ein weitere Nachricht von einem friedhofsblonden Weggesellen bekommen hatte, der Laiendarsteller für einen Privatsender sucht wusste ich, dass ich hier nicht richtig bin.

Single in the City: Teil XI oder Männer und ihre Penisse

Ich war letztens wieder im KitKat Club. Die Musik ist ganz annehmbar und so viel hat sich, seitdem es nicht mehr der Sage Club ist, nicht geändert. Es laufen immer noch die gleichen Transen rum, es wird ganz guter Elektro gespielt und es gibt schöne Frauen. Was etwas stört sind die heterosexuellen männlichen Hedonisten, die gerne unten rum ohne raum laufen. Das heißt jedem, der essehen oder nicht sehen will ihr Gehänge zeigen. Sie scheinen unglaublich stolz auf ihre in der Regel nicht erigierten Penis, den sie schwingend im Takt zur Schau stellen. Vielleicht wissen solche Männer nicht, dass wir Frauen das nicht schön finden, wenn wir so ein schlaffes Ding sehen. Generell ist es ja auch so, dass Frauen auch beim Anblick eines Phallus nicht grade auspflippen, wie manche Y-Chromosom-Träger beim Anblick von nackten Brüsten.

Vielleicht sollte man es ihnen einfach mal sagen.

Treibt man sich in Singlebörsen rum wir man irgendwann als Frau zwangläufig mit dem ein oder anderen Penis-Bild-Verschicker konfrontiert. Vor einiger Zeit ergab sich daher eine sehr geistreiche Konversation mit eben dieser Spezies:

Penis-Bild-Verschicker: Stehst du auf große Schwänze?

Frage ist, welche Frau sagt da: nee, ich mag lieber Zwergenbleistifte…

Ich: Ist jetzt nicht Ausschlag gebend, aber warum nicht.

PBV: Wie groß ist denn für dich ein großer Schwanz?

Ich: Uff, ja, so vielleicht 20 cm?

PBV sendet Bild: rate wie groß meiner ist!

Ich: 20cm?

PBV: nee…

Ich: größer?

PBV schickt noch ein Bild: nee

PBV: 13,5 cm und 5 cm Umfang

(…)

PBV: willst du noch ein Bild?

Ich: Nee. Ganz ehrlich, Frauen bringt das nichts den Penis eines Mannes zu sehen.

PBV: willst du noch ein Bild?

Ich: nein

PBV: willst du vielleicht was anderes sehen?

Ich: NEIN! (da kriegt man ja ein bisschen Angst. Was will der einem denn für Bilderschicken? Brustwarzen? Arschloch? was gibt es noch für erotische Stellen an einem Mann?)

PBV: was siehst du denn gerne für Bilder?

Ich: Katzenbilder

Danach ist die Konversation glücklich abgebrochen und er hat sich wirklich nie wieder gemeldet. Für alle anderen gibt es einen Ignorebutton, aber manchmal muss man solche Experimente durch führen..wenn es grad nichts im Fernsehen gibt.

Single in the City – Teil VII

Letztens, an einem der ersten schönen Herbsttage, ergatterten Danielle und ich den letzten freien Tisch auf der Terrasse des Café Fleury. Gleich in der ersten Reihe wie bei ARD und ZDF. Zwei Tische neben uns saß Heike Makatsch mit einer Freundin und trank, wie fast alle anderen um uns, nur einen Kaffee. Wir bestellten zwei Frühstücke und ich fragte die Frau neben mir, ob ich den Zucker von ihrem Tisch haben könnte – bei ihr standen zwei Zuckerspender.

„Natürlich. Sie können auch gleich beide nehmen,“ sagte sie harsch und ihrer Stimme klang der leise Vorwurf: ich nehme keinen Zucker, deshalb bin ich auch so schlank. Als ich mich umblicke, gibt es kaum Frauen die mehr konsumieren, als einen Kaffee, verwegene greifen zum Café au lait mit Milchschaum. Keine hat Brüste.

Hinten links sitzt ein Mann, der später, als er die Terrasse stolpernd verlässt, sich noch weiterhin an seinem Sektglas festhält und es mit nach Hause nimmt.

Um uns rum werden (pseudo) Meetings geführt von Menschen, die IMM machen – irgendwas mit Medien. Verplante skandinavische Touristinnen stolpern in gesamter H&M Vintage Kollektion über die Stufen der Terrasse. Heike Makatsch stimmt ein Lied an. Verstohlen schauen die vorbeigehenden Passanten zu ihr und versuchen möglichst cool wieder weg zu schauen. Man ist ja schließlich Hipster – und zu keiner emotionalen Regung fähig – und Großstadtbewohner – das setzt eine gewisse Überheblichkeit voraus – und ist an Begegnungen mit Promis mit Haartönungswerbeverträgen gewöhnt. Frau Makatsch ist, glaube ich, etwas traurig, dass sie niemand nach einem Autogramm fragt.

Ich schaue mich nochmal um und stelle fest, dass ich in einem Pulk von sehr attraktiven, langhaarigen und grazilen Frauen sitze. Es kommt einem vor, als würde man zwischen den Models der gesamten September Ausgabe der Vogue sitzen.  Da fällt mir die Folge von Sex & the City ein, in der es um Männer geht, die nur Models daten und da stelle ich mir die Frage, ob ein Mann, der die Wahl hat zwischen einer Frau, die offensichtlich dem gängigen Idealbild entspricht und mir hat, dann doch wahrscheinlich ehr die normisierte Frau nehmen würde anstatt mich. Geist und Charakter haben ja alle, das ist ja eh Auslegungssache.

Sind wir also in unserem Datingverhalten da angekommen, wo es nur darum geht möglichst wenig Fett angelagert zu haben und eben in eine Größe 36 zu passen, weil eine Größe 42 ein absolute No-go ist? Das liegt vielleicht daran, wo wir jemanden suchen: im Internet, in der Disco, also überall da, wo es zuerst auf das Aussehen ankommt und nicht darauf, dass man sich wirklich gut versteht. Da findet gleich eine Selektion statt, die bei einem langsamen annähern gar nicht passieren würde.

Was tun also? Crash-Diät? Hungerturm? Oder sich einen neuen Freundeskreis suchen, wenn man selbst nur alleinstehende erfolgreiche Damen kennt? Sich in einem Verein anmelden? VHS Kurs? Tanzkurs?

Als ich während der Sex & the City Folge frage ich meine Mitbewohnerin, die zwei Jahre in New York gelebt hat, ob es wirklich so schwer ist ein Date dort zu finden. Sie verneint das und ich frage, ob Berlin schwieriger sei.

„Ein Date zu finden nicht, aber jemanden für eine Beziehung schon. Ich weiß auch nicht, was hier los ist.“ – Das macht ja Hoffnung.

Philosophische-Grüße

Miez