Opferabo – Worte die man niemals sagt

Ich sitze betroffen und geschockt vor dem Fernseher, als ich nach dem Tatort noch ein wenig Günther Jauch schauen will. Jörg Kachelmann und seine Ehefrau sitzen dort im Studio und promoten das neu erschienene Buch „Recht und Gerechtigkeit“, welches als Titelbild ein Close-up des ehemaligen Actimeltrinkenden Wetterfrosch zeigt.

Jedesmal, wenn ich diese Buch im Handel sehe, drehe ich mich weg. Jetzt, da er im Fernsehen sitzt, kann ich nicht ausstellen. Es brennt so viel in mir, besonders dann, als der Satz mit dem Opferabo fällt. Es gibt Dinge, die sagt man einfach nicht, wenn man ein wenig Ethik im Blut hat.

Es ist ein Satz, so ist er einmal ausgesprochen, der der den Opfern auf der Seele brennt. Es brennt und es tut weh, wenn man selbst als Opfer mit ansieht, wie so jemand eine so große Bühne gegeben wird. Hätte man etwas pietät, dann hätte man die Sache ruhen lassen, dann hätte man das Buch nie geschrieben – dann hätte man nicht so einen Auftritt, der alle Frauen als Lügner straft.

Schlimmer noch dazu: die Ehefrau – eine Psychologin – die sich mit einem Vergewaltigungsverdächtigen fratanisiert – und das so kurz nach dem Prozess. Wie kann das sein? Und dann mit ihm das Buch beschreibt. Sie scheint nicht persönlich recherchiert zu haben – es ist ihr wohl selbst nie passiert, dass sie zum Sex gezwungen wird, sie mit dem Tod bedroht wurde. Wahrscheinlich ist sie eine, wie die bei meinem ersten Gespräch mit einer Psychologin, die sagte: eine Vergewaltigung ist ja nicht so schlimm, dass überwinden Kinder ziemlich schnell.

Es tut so unheimlich weh, solche Worte von Frauen zu hören.

 

Die Männer in der Runde hingegen gehen scharf gegen Kachelmanns vor. Das ist gut, das tröstet und gibt den Opfer eine Stimme. Und es tut so gut, dass dann endlich klar gestellt wird, dass Kachelmann nicht Dreyfuss ist und nur ein ehemaliger Wetterfuzzi.

Die Kachelmanns gehen aus der Sendung und werden Geld mit dieser Promotion, mit diesem Buch verdienen.

 

Vergewaltigungsopfer, die die Sendung geschaut haben, werden weinend zu Bett gehen, weil sie getriggert sind, von solchen Worten wie Opferabo und sich wohl daran erinnern, wie Spuren gesichert wurden, wie sie Aussagen zu Protokoll geben mussten, wie sie immer und immer wieder höllische Details wiederholen mussten. Wie sie vielleicht ihren Job verlieren, weil sie nicht mehr arbeiten können, weil sie auf eine Therapie warten müssen und keinen Therapeuten finden. Wie sie es vielleicht nicht mehr ertragen können, berührt zu werden und Nähe zu zu lassen – das ist das, was übrig bleibt. Vom Opferabo.

 

Die Spreemieze