No Return of Investment – Nicht ohne meine Eltern!

Ich bin über 30 Jahre alt. Ich habe einen dicken Lebenslauf, eine recht gute Bildung, eine Wohnung und zwei Katzen. Ich habe keine Kinder, ich habe viel gearbeitet – bis zur totalen Erschöpfung. Ich studiere wieder, arbeite wieder zu viel, bekomme keine Studentenvergütung mehr und habe kein Geld.

Bei meiner schulischen Ausbildung waren meine Eltern verpflichtet mich zu unterstützen. Als ich anfing zu arbeiten, verdiente ich zu wenig und meine Eltern unterstützten mich weiterhin, auch während meiner Zeit in Amerika. Dann kam ich zurück und und der Verdienst wurde etwas besser – trotzdem nie genug um wirklich etwas auf die hohe Kante zu legen. Meine Eltern gaben bei großen Anschaffungen immer wieder Finanzspritzen.

Der Supergau kam schließlich, als ich bei einer Firma anfing, die Ihre Insolvenz verschleppte und Kredite bei ihren Mitarbeiter nahmen – in Form von bis zu 4 Monaten das Gehalt vertrösten. Psyche und Konto waren auf dem absoluten Tiefstpunkt. Das letztere hat sich bis jetzt auch nicht geändert. Und wieder sind meine Eltern da, die mir helfen.

Im Bafög Amt sagen sie mir, ich sei zu alt, ich hätte keine Kinder und auch nicht das Abitur auf den zweiten Bidungsweg gemacht um gefördert zu werden – ganz abgesagt haben sie aber noch nicht. Die Sache mit den Kindern konnte ich mir aber aus meinem bisherigen Lebensauf auch nicht leisten. Zu viele befristete Verträge, zu flexibel, zu ideal für den Arbeitsmarkt – der viel zu schlecht vergütet hat.

Was bin ich dankbar dafür, dass ich meine Eltern habe und wie sehr schäme ich mich, dass ich immer noch kein Return of Investment für sie bin. Es liegt wohl auch in meiner Generation, dass wir die erste sind, der es schlechter geht als ihrer Elterngeneration.

Meine Mutter hatte in meinem Alter schon längst mich und eine Eigentumswohnung – ich hingegen habe meine Eltern oder meine Etern haben mich als Lebensprojekt. So scheint es mir fast. Das  macht mich traurig.

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11 Gedanken zu “No Return of Investment – Nicht ohne meine Eltern!

  1. Ich weiß noch, wie es war, als ich mit 26 für meine Zusatzausbildung in Heilpädagogik Bafög beantragte und mir gesagt wurde, da müssten zunächst die Einkommensverhältnisse meiner Eltern überprüft werden. Ich bin mit 16 von zu Hause ausgezogen, mit 18 jahren stand ich auf eigenen Beinen.. Ich war fassungslos plötzlich wieder abhängig sein zu müssen. Zum Glück ging es mit Meisterbafög so. Ich finde es spannend das in Deutschland immer gejammert wird das es zu wenig Kinder gibt…LG Xeniana

    • Tja, und die fragen sich immer noch woran das liegt. Mal ganz davon abgesehen, dass bei mir der Kinderwunsch angesichts meiner desolaten Lage sowieso sogut wie weg ist…mir fehlt es ja auch an dem passenden Partner, den ich aber auch nicht kennen lernen kann, weil ich vor lernen und arbeiten gar keine Zeit dazu habe.

  2. ich fühle mit dir. ich hatte gerade so glück und habe bis zum 30. (nach abitur, 7 jahren studium und 3 jahren praktika…) meine erste feste stelle antreten können – zwar auch noch unterbezahlt für meinen bildungsgrad, aber immerhin die basis dafür, dann mit 32 ein kind bekommen zu können (in dem alter hatte meine mutter mich als zweites bekommen). trotzdem gibt es noch viele gelegenheiten, wo wir als familie dankbar sind für die zuschüsse von oma&opa. und davon, dass wir bei der kinderbetreuung immer noch ein bisschen auf meine schwiegermama angewiesen sind – denn das kind muss um 16:15 vom KiGa-gelände entfernt sein. wer hat denn da schon feierabend?! ich arbeite bis 18:00, mein mann bis 16:30…
    bildung (die über reines studium hinausgeht!) und kinder bekommen sind immer noch zwei themen in D, die weit hinter dem gedanken einer „leistungsgesellschaft“ zurück bleiben.
    übrigens denke ich jedoch immer noch, dass unsere generation (möglicher) mütter viel mehr auf einen erreichten lebensstandard schaut – ich schließe mich davon nicht aus, aber meine mutter z.b. hat direkt nach ihrem studienabschluss, mit einer teilzeitstelle an der uni und einem noch studierenden mann, ihr erstes kind bekommen. mein vater hat dann examen gemacht und ebenfalls erstmal teilzeit an der uni gearbeitet… als ich kam, war mein vater zunächst arbeitslos und meine mutter hatte eine teilzeitstelle… es waren andere zeiten, aber dennoch habe ich oft das gefühl, wir schauen sehr darauf, unseren kindern schon bei ihrer geburt einen standard bieten zu können, den unsere eltern uns auch erst nach 8-10 jahren bieten konnten. wir erinnern uns nur nicht an die ersten 7-9 und sind von der wirtschaftlichen erwartung unserer gesellschaft so darauf getrimmt, erst „unseren beitrag zu leisten“, oder so.

    • Ja, das stimmt, wir haben ein enorm hohen Standard. Ohne Smartphone, Laptop, etc ist man ja nur ein halber Mensch…auch wenn man das eigentlich gar nicht braucht.
      Denke ich dran, wie meine Oma nach demKrieg zurecht gekommen ist und ihre Familie durchgebracht hat, gespart an allen Ecken und ich imGegensatz mit meinem Wunsch nach regelmäßigem Ausgehen, Restaurant besuchen etc. Aber das sind alles sachen, die mich irgendwie zur Gesellschaft dazu gehörig machen fühlen…wahrscheinlich ein Trugschluss, oder eben unser Zeitgeist?

      • als ich damals meinen sehr langsamen start ins berufsleben hatte, habe ich mal einen artikel über die quarterlife-crisis gelesen, der sagte, dass wir, vor allem wir frauen, in einer „erstmal-schleife“ leben: erstmal studieren, erstmal praktikum, erstmal arbeiten, erstmal leben genießen, erstmal reisen etc pp. ich finde, alle diese erstmals haben ihre berechtigung. es ist eine sehr persönliche entscheidung, ob frau eines tages sagt: okay, auf die fidschis fliegen oder 50 std. die woche arbeiten kann ich in 18 jahren noch, jetzt will ich ein kind…
        für mich war in dieser schwierigen zeit klar: wenn bis zu einem bestimmten punkt kein job da ist, dann gibt’s eben erst ein kind, egal wie. andere leute kriegen es unter schlechteren umständen auch irgendwie hin. (allerdings habe ich auch phasenweise gedacht, wenn ich bis zum 30. keinen job habe, bringe ich mich um… aber das ist ein anderes düsteres kapitel). nachdem ich im studium mich einmal gegen ein kind entscheiden musste, war mir immer klar, dass ich nach spätestens 2 jahren im job ein kind will. das sind persönliche punkte, die diese entscheidung beeinflussen. schlimm wird es ja dadurch, wenn die eigenen entscheidungen mit schuldgefühlen getroffen werden, weil man sich an vermeintlichen fremden erwartungen misst. wenn ein kinderwunsch besteht, ist das das wichtigste und die beste voraussetzung, eine gute mutter zu sein – wirtschaftliche rahmenbedingungen machen weniger aus als die liebe, mit der das kind aufgenommen wird. ich musste auch lernen, dass nicht die menge der zeit eine gute mutter ausmacht, sondern die qualität.
        das mag alles nach plattitüden klingen, aber aus meiner derzeitigen erfahrung als arbeitende mutter kann ich diese getrost als wahrheiten postulieren.

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