Brave new world – Teil 1

Alles in allem sieht es ganz so aus, als wäre uns Utopia viel näher, als irgend jemand es sich vor nur fünfzehn Jahren hätte vorstellen können. Damals verlegte ich die Utopie sechshundert Jahre in die Zukunft. Heute scheint es durchaus möglich, daß uns dieser Schrecken binnen eines einzigen Jahrhunderts auf den Hals kommt; das heißt, wenn wir in der Zwischenzeit davon absehen, einander zu Staub zu zersprengen.

~ Aldous Huxley, 1946 ~

Es steckt eine tiefe Lethargie in meinen Gliedern, eigentlich ist es ein Gift, dass mich und mein Herzen lähmt. Ich bin gefühlsunfähig, weil es so viel ist, was dort kommt, was ins Rollen geraten ist und die Fassade bröckeln läßt.

Schalte ich jedesmal den Computer an, so überlege ich, ob nicht jemand mich beobachtet durch die Kamera im Gehäuse. Schreibe ich meinen Blog, dann weiß ich nicht, ob nicht ein staatliches Organ mitließt. Noch heute wirft man der DDR vor seine Bürger und Besucher abgehört, mit heißem Wasserdampf Briefe geöffnet und das ein oder andere Westpaket geplündert zu haben. Ein Unrechtsstaat war das, so sagt man, der seinen Insassen Konsum und Pauschalreisen nach Mallorca vorenthielt. Heutige Existanzangst,  Klassengesundheits- und Schulsystem nimmt man willentlich in Kauf, solang es unter dem Deckmantel der Demokratie geschieht.

Seit 2001 ist unter diesem Deckmantel auch die Privatsphäre verschwunden. Für die Demokratie und für die Sicherheit darf alles und jeder abgehört werden. Für die Freiheit und für die Sicherheit verschwinden Menschen ohne jeglichen Gerichtsprozeß in der Vorhölle der Folterkeller. Schnell werden Sondergesetze erlassen, dass diese verlängerten Verhörmethoden im Prozess verwendet werden darf, der niemals statt finden soll.

Krieg ist Frieden

Freiheit ist Sklaverei

Unwissenheit ist Stärke

~George Orwell, 1984 ~

Schauen wir auf die Vergangenheit zurück, dann stellen wir die vergangen Jahrhunderte immer als barbarisch und unmenschlich dar. Wir erschaudern vor der Gottgefälligkeit der Herrscher, vor deren Blutrünstig- und Kaltschnäuzigkeit.

Wir sehen uns selbst auf dem Zenith der Menschlichkeit, doch teilen wir mutmaßlich ein, wer nun Mensch und wer Unmensch ist. Was waren die Berliner 1848 doch für glückliche Menschen, als sie sich einst vor den Toren Berlins, im Tiergarten, versammelten um ungestört Besprechungen zu halten. Sie brauchten nur die Füße vor die Stadt zu setzen, heute müssen, so fern wir nicht gehört und verfolgt werden wollen, aus einer Welt austreten, die uns längst zur digitalen Heimat geworden ist, auch wenn windige Politiker mit Abhörerfahrung behaupten, dies sei immer noch Neuland.

So sind wir beraubt von etwas, was uns das Menschenrecht sichert, wir sind beraubt von unserer Privatheit. Es schert keinen, weil niemand nichts zu verbergen hat, weil jeder seine eigenen kleinen Sorgen trägt und es doch ist: für die Freiheit und Demokratie.

Trotzdem sind wir allesamt unter Generalverdacht Terrorist zu sein, oder Schmarotzer für die kapitalistischen Firmen, oder ein terroristischer Schmarotzer oder ein schmarotzender Terrorist, wenn Aldi oder Rewe seine Mitarbeiter überwacht oder gleich ein fremder Staat die ganze Welt.

Wir haben die Pille geschluckt, die uns Snowden angeboten hat. Wir sind nicht erwacht. Wir blinzeln noch.

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