Single in the City: Teil X

Letzten Samstag stand ich an einem Kiosk am Rosenthaler Platz und habe Geld abgehoben. Es war mitten am Vormittag, die Stadt war noch etwas träge und ich hatte mich zum Frühstück im Café Fleury verabredet.

Während des Eingebens der üblichen Zahlenreihe, wurde ich Zuhörer eines sehr informativen Telefonats. An einem Tisch, 5 Meter neben mir, saß Udo: Mitte 40, Glipschhaar, Karohemd, Adiletten, Alkoholiker.

Udo informierte seinen Kumpel per Telefon, was letzte Nacht so „abgegangen“ sei und zündete sich dabei eine seiner zahlreichen Morgencamels an.

„Ja, weeßte, die Uschi – je, die Uschi weeßte. Warn wa jestern im Kino. So Film mit Ben Affleck. Kennste, kennste wa. Na und danach sind wa zu mir nach Hause. Weeßte, weeßte schon, na und da hab ick ihr massiert und sie so: dit jefällt ma. Und icke so: Mir aber nich! Und dann ham wa noch ne Runde jepimpert.

Und heute morjen, da steht die uff und holt 3 Croissants und 3 Bier zum Frühstück und legt sich wieder ins Bette. Ick so: ick komm‘ jleich wieda! Na und nu hoffe ick, dat die Olle wech is, wenn ick wieda komme. […]“

Der Automat spuckt das Geld aus. Ich denke: Auweija, wenn schon solche Typen – deren augenmerklich nicht die Herzdamen entgegenfliegen, so von Frauen sprechen, was bleibt denn dann noch für Frauen wie mich übrig, die nicht dem durchschnittlichen Modeltypus entsprechen?

Hingegen sitzt die Croissant und Bier besorgende Dame wahrscheinlich immer noch erwartungsvoll im Bett vom Udo – und wartet. Sie hat vielleicht schon die Polizei alamiert, weil sie glaubt, das Udo wharscheinlich niedergeschlagen und von der polnischen Mafia nach Kirgisien verschleppt wurde, oder von der CIA, oder von PRISM.

Frauen werden ja immer etwas irrational, wenn sie verliebt sind – oder denken, dass sie verliebt sind oder denken, dass sie sich verlieben sollten. Wunderbare Feldstudien kann ich zur Zeit in meinem Bekanntenkreis anstellen. Also bei meinen Freundinnen, die alle gerade gnadenlos verliebt sind. Die einen glücklich, die anderen ehr nicht.

Alle meine Freundinnen sind hübsch, gebildet, großartig – doch sobald er nicht zurück schreibt, werden sie frustriert und unleidlich. Nichts kann sie mehr aufheitern. Sie drehen einfach alle durch – sie bekommen ganz, ganz schlechte Laune.

Schreibt er dann aber doch zurück wird jedes einzelne Wort herumgedreht und interpretiert. Gut, dass ich mein Abitur in Deutsch abgelegt habe, als Psychologiestudent muss man da eh immer ran, wenn es darum geht rationale oder irrationale Taten und Worte von fremden Personen zu betrachten. Hier hat er an dieser Stelle ein Kommata zu viel gesetzt, dort hat er am Telefon falsch geatmet, da hat er sie das erste mal Freundin genannt, aber nicht seine – es gibt viel zu interpretieren.

Letztens gab ein Angebeteter meiner Freundin einen Tipp: Erst nach dem vierten Date mit jemanden schlafen. Sonst denkt er, sie sei eine Schlampe. Und damit wären wir wieder am Anfang dieser Geschichte. Alles nicht so einfach.

Eure

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