Der Chef als Mensch

Der Chef als Mensch – das nimmt er sich so heraus. Das schreit er einem so entgegen. Ich bin auch nur Mensch, brüllt es da aus dem Büro raus. Ein Chef ist sensibel, er brüllt sehr gern. Er mutet sich und seinen Launen gern seinen Mitarbeitern zu. Er ist ja nur ein Mensch. Hat er keinen Sex, der Mitarbeiter bekommt es ab. Läuft es schlecht im Geschäft, der Mitarbeiter ist schuld. Läuft es sonst mies im Privaten, der Mitarbeiter weiß bescheid, weil er die Launen aushalten muss. Der Chef ist durch und durch Mensch, mit Ecken, Kanten, Fehlern und Launen.

Der Chef als Mensch hat auch nicht unbedingt als Qualifikation jegliche Qualifikation zu haben, die man von ihm erwartet. Nein, er ist aus anderen Gründen in dieser Position. Oft, weil er über Leichen geht, oder weil es sich eben so ergeben hat. Das heißt jedoch nicht, dass man Ahnung davon hat, was man tut – das ist nicht erforderlich, wenn es dann nicht so klappt, wie es klappen soll, dann ist halt der Mitarbeiter schuld! Basta!

Der Chef Mensch arbeitet nicht gern mit anderen Menschen zusammen. Für ihn sind seine Mitarbeiter untergebene Maschinen, so wünscht er sich das. Er fordert: Stress im Privaten – das hat auf Arbeit nichts zu suchen! Der Mitarbeiter hat stets gute Laune zu haben. Er soll gehorsam sein, fleißig, pünktlich, arbeitssam und stets 120% Leistung erbringen, egal zu welcher Tageszeit. Fehler werden nicht geduldet und schwer geahnded. Man droht auch gern mit disziplinarischen Maßnahmen, wenn man nicht mindestens fünf Einkaufsstrassen und deren Bezirke in Timbuktu aufzählen kann. Ganz empörend ist es auch, wenn der Arbeitnehmer vier ausstehende Gehälter einfordert. Das wird mit Drohbriefen und Auspeitschen bestraft.

Der Mitarbeiter hat keine Gefühle zu haben! Der Mitarbeiter hat zu arbeiten! Arbeit macht frei! Immer bereit! Und wenn er dann doch Fehler macht, dann nimmt das der Chef als Sabotageakt an seiner eigenen Persönlichkeit persönlich. Man verdächtigt und mobbt und gräbt nach noch mehr Fehlern, weil man ja zeigen muss, wer denn der Chef hier ist. Man ist ja Mensch, man hat ja Gefühle!

Und maßt sich der Mitarbeiter sogar an krank zu werden – dann flattert gleich die Kündigung hinaus. Egal ob der Mitarbeiter Kontakte und neue Mitarbeiter gebracht hat. Extra Stunden geschoben, sein Herzblut und seinen guten Willen und Freude in Unternehmen gesteckt hat – das bringt alles nichts. Das ist vergessen, weil man ein paar kleine Fehler macht und dann krank wird! Das scheint Hochverrat zu sein und wird mit Erschießen geahndet. Wahlweise auch mit Rauswurf.

Sei es drum. Nur der Chef muss aufpassen, dass er nich bei der nächsten Grippewelle so ganz ohne Mitarbeiter da steht. Man macht halt mal Fehler, man ist halt mal emotional, man ist ja auch nur Chef!

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3 Gedanken zu “Der Chef als Mensch

  1. …oder du hast die sorte, die sich über ihre nicht-so-menschliche seite definiert: der dich ins büro ruft, um dir mitzuteilen, dass du (zeitarbeiter) nicht übernommen wirst, das hatte er dir ja schon angekündigt. und in demselben nüchternen, emotionslosen ton erzählt er weiter, dass sich die firmenleitung in england / usa zu einer budgetkürzung entschlossen hat, deine stelle unter diese budgetkürzung fällt und dein letzer arbeitstag deshalb freitag nächster woche ist. das alles sagt er dir ohne bedauern, ohne dass du das gefühl hast, da sei irgendeine form von „anteilnahme“ an deinem schicksal bei ihm vorhanden. du bist ein arbeitnehmer, der gekündigt wird, weil deine kollegin aufgrund geringerer ausbildung ein par euro billiger ist – immerhin das erfährst du auf genauerer nachfrage. gekündigt, obwohl man dich drei wochen vorher explizit aufgefordert hat, sich auf die interne stellenausschreibung zu bewerben, die genau für deinen job erstellt wurde. und dann sagt dir dein chef, dass die billigere kollegin übrigens auch nicht übernommen wird, sondern zeitarbeiterin bleibt. natürlich, fügt er zum schluss hinzu, habe das alles nichts mit deiner person zu tun, mit deiner leistung und kompetenz, mit deiner persönlichkeit, deiner „nase“ oder augenfarbe (wahrscheinlich bist du ja auch gar keine „person“ für diesen typ chef).
    und so lässt schickt er dich „in die wüste“, denn was du für diese firma geleistet hast, die aufräumarbeiten, die du durchgeführt hast, die gelder, die dein nachforschen gespart hat, die fälle, die durch dein eingreifen aufgeklärt wurden, das alles ist egal, denn es hat ja nichts mit deiner person zu tun. mir gestern so geschehen. such is life.

  2. Pingback: Results for week beginning 2013-02-25 | Iron Blogger Berlin

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