Der böse Mensch von Sezuan

licht

„Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube.“

– Anne Frank, Eintrag 15. Juli 1944 –

Zeilen die berühren, weil jeder das Schicksal der Anne Frank kennt und die angesichts ihres schweren Schicksals trotzdem nie davon ließ an das Gute im Menschen zu glauben.

Ich selbst habe, immer wieder Zweifel, ob der Mensch wirklich gut ist oder doch ehr, seit der Menschwerdung, sich dem Bösen zu gekehrt hat.

„Den edlen Seelen gelingt es schwer, an das Böse und an die Undankbarkeit zu glauben, und sie brauchen harte Lektionen, ehe sie das Ausmaß der menschlichen Korruption erkennen.“

– Honoré de Balzac, Verlorene Illusionen –

Das Paradoxum beginnt bei dem Wort Menschlichkeit, bzw. menschlich sein, was oft als das Gute dargestellt wird. Hingegen wird etwas böses tun als tierisch angesehen. Doch schaut man sich einmal auf modernen Viehfarmen und Schlachthöfen um, so zweifelt man daran, dass menschlich sein wirklich gut ist.

Kein Tier geht so grausam mit seinen Artgenossen oder einer anderen Art um wie wir es tun. Wir quälen und töten – dazu braucht es nicht eine verrohte Sorte Mensch, schauen wir uns einfach die Taten der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg an. Der Mensch braucht nur eine Erklärung, dass das was er tut richtig ist und schon wird fast jeder Mensch zum Mörder oder Folterer. So sieht sich Eichmann noch während seines Prozesses in Jerusalem als Versager, weil er nur 6 Millionen Juden umgebracht hat – mit unserem heutigen Wissen und unserer Erziehung schlagen wir die Hände vor den Kopf und denken, wie kann man nur!

Doch gleichzeitig schauen wir auf Youtube die Erhängung von Saddam Hussein und bejubeln den Tod von Osama Bin Laden. Wir sind der Meinung, dass es rechtens ist diese Menschen getötet zu haben, weil sie böse sind, bzw. das Böse verkörpert haben.

Doch ist es nicht grundsätzlich falsch ein Lebewesen zu töten? Und stellen wir uns vor, dass auf der anderen Seite auch Menschen sitzen, die genau der gleichen Meinung sind wie wir, nur dass wir für sie das Böse verkörpern.

Das Böse ist also relativ. Wir bestimmen selbst, was wir als böse empfinden und es ist meist eine Auslegungssache von höheren Ständen, die ohne Moral versuchen ihre Macht auszubauen. Auch wenn wir durchaus das Wissen haben, dass ein radikal böses Verhalten nicht vertretbar ist der Vernunft und Moral wegen – sehen wir uns doch immer noch an der Spitze der Schöpfung. Eben als Mensch und nicht als Tier.

Doch der Mensch ist einzigartig – trotz 10 Gebote und trotz Menschenrecht, also trotz seinem Wissen über Moral – in seiner Kraft die er entwickelt, um das zum Bösen erklärte zu tilgen: Inquisition, Kriege, Genozide.

Mehr Info: hier!

Ob sich der Mensch jemals zum Guten wendet?

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Ein Gedanke zu “Der böse Mensch von Sezuan

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