Single in the City – Teil VIII

Nun wird es doch langsam kalt und in meiner Umgebung finden sich die Paare zusammen. Es ist noch lang genug bis Weihnachten, so dass die Zeit reicht um sich einigermaßen ernsthaft kennenzulernen und nicht nur ein Verlegenheitsgeschenk zu kaufen, sondern auch lang genug um sich auch wieder ernsthaft zu trennen.

Jude Law, der im gleichnamigen Film einen Womanizer namens Alfie verkörpert, drückt es in seiner Rolle so aus:

„Heiligabend – der Abend der ganzen vertrauten, festlichen Gefühle, der Hoffnungslosigkeit, der Qual und der Verzweiflung. Das ist kein guter Zeitpunkt um allein zu sein. Darum bin ich der Ansicht, dass Paare sich niemals zwischen Thanksgiving und dem 2.Januar trennen sollten. Ziehen Sie immer die Beziehung durch, die Ihnen über die Feiertage hilft. Der einzige Nachteil sind die Geschenke.“

Vielleicht ist das der Grund, warum sich gerade jetzt so viele Paare zusammen finden. Ja, es ist ja auch gesellschaftlich akzeptiert, dass zweisame Spaziergänge im Herbstwald als romantisch gelten. Gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt, gemeinsam im Kaffee sitzen und sich gegenseitig mit der Sahne vom heißen Kakao des anderen füttern, oder einfach zusammen auf der Couch versacken. Sagen wir es so, vielleicht läuft der Herbst in diesem Fall dem Frühling den Rang ab.

Im Frühling ist ja auch so mit Gefühle und so, aber sollte man es nicht schaffen, einen passenden Partner zwischen März und Mai zu finden, drauf geschissen – den Sommer kann man auch wunderbar unbeschwert als Single verbringen. Den Winter anscheinend aber nicht.

Wahrscheinlich aus temporärer Einsamkeit oder saisonaller Depression erhielt ich wieder mal ein paar Verlegenheitsnachrichten bzw. Warmhaltestrategie-sms: nein, ich hab dich nicht vergessen…wir müssen uns unbedingt wiedersehen…bald…ich vermisse dich…blablabla.

Ich mag solche kryptischen Aufwärmnachrichten nicht. Nein, wir waren noch nie gut genug befreundet, dass wir uns nach einem Jahr Nicht-Sehen wieder so wie vorher verstehen würden, nein, und ich mag auch keine verlegenheitspseudoesotherische Gespräche, die mehr als Verhör gestaltet sind, als als Dialog, führen.

Ja, nennt mich frustriert, aber ich habe vergessen wie das geht: jemanden kennenlernen – ohne dass es nur auf eine Sexnummer rausläuft.

Ich habe Freundinnen in meinem Freundeskreis, die sind die Datingqueens, die können wirklich mit ein wenig Pling-pling und Haare zurückwutscheln jeden Typ aufreissen. Es ist wirklich unglaublich. Und dazu machen sie noch nicht mal auf dummes Naivchen, sondern sind auch noch charmant und geistreich spritzig. Ich habe keine Ahnung, ich habe vergessen, wie das geht. Das letzte Mal war ich 19, jetzt bin ich 31 – ich hab doch keinen Plan mehr vom Kennenlernen…

Nunja, und dann habe ich auch noch viele sehr charmante Männer im Freundeskreis, bei denen sich der Vitamin-B-Mangel deutlich bemerkbar macht. Auch sie hängen ihren vergangenen Lieben nach, wehmütig und schmerzvoll und ich frage mich, was mussten das für Frauen sein, die solch eine Narbe im Herzen eines Mannes hinterlassen können.

Und da ertappe ich mich bei dem Gedanken, selbst traurig zu werden, weil ich das Gefühl habe, noch nie jemanden etwas wirklich bedeutet zu haben. Dass ich, wenn ich gegengen bin, gleich aus der Erinnerung gewischt wurde. Wie nie gewesen, ausgelöscht. Und dann frage ich mich, ob ich es jemals schaffen werde, jemanden auch wenigstens eine kleine Schramme, einen kleinen Kratzer im Herzen hinterlassen zu können. Der nur manchmal weh tut, je nach Wetterlage.

Vielleicht ist das das Ziel, was alle Liebenden verbindet – Spuren zu hinterlassen.

Ich hingegen, lehne mich zurück und schlürfe meinen Kakao allein und beobachte weiterhin, das was ich sehe, als Voyeur aus einem Café ein Berlin.

Eure Spreemieze

Ein Gedanke zu “Single in the City – Teil VIII

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