Am Ende ist man doch nur ’ne Muschi

Es ziehen die Jahrhunderte ins Land und der Mensch hat den Anspruch sein eigenes, seine eigene Dekade als die Fortschrittlichste zu bezeichnen. Gar als die Humanste und alle anderen als Menschenverachtend und nicht so fortschrittlich. Doch ist das wirklich so?

Egal wie emanzipiert man ist, egal welchen sozialen Status, welche Position im Berufsleben – irgendwann wird man als Frau nur auf sein Geschlechtsteil reduziert. Das war früher so und das wird wahrscheinlich auch in hundert Jahren so sein. Hat man keine Argumente mehr, beginnt die sexuelle Belästigung, die Sex-, Abspritz-, Fick- und Fotzenbezeichnungen. Das ist kein Einzelphänomen. Das ist das Tragische daran.

Denke ich an mein Lieblingsleihkind, dann wird mir schlecht bei dem Gedanken, das dieses tolle Kind niemals ohne sexuelle Belästigung aufwachsen wird. Und das schlimme daran, man kann nichts dagegen tun. Und was vielleicht noch tragischer ist, dieses wird alles bagatellisiert, weil es eben nur eine Hälfte der Bevölkerung bestrifft. Die die penetriert wird und nicht die penetriert.
Die von mir sehr verehrt Julia Schramm eröffnete letztens einen Blog mit den Hassmails, die sie regelmäßig bekommt. Wer beim Lesen kein beklommenes Gefühl kriegt ist entweder gefühlskalt oder tot. Oder beides. Anke Domscheit-Berg berichtete auf Twitter neerdings ähnliches. Prompt nachdem ich auf die Diskussion antwortete erhielt ich eine Antwort von einem männlichen Twitterer er würde mit zwei heißen Miezen Stripppoker spielen. Das ist nicht nur off-topic, das ist einfach blöd.

Oft werden Frauen, sobald sie eine abweichende Meinung haben als y-chromosomtragende Idioten haben oder über ihre sexistischen Witze nicht lachen können als männermordende Alice Schwarzer betitelt oder als Lesbe, die man ordentlich durchvögeln muss. Beides für mich – also Lesbe und Alice – riesen Komplimente für mich, aber das durchvögeln hinterlasse ich lieber den Profis.

Aber was nun tun, wenn solche sexuellen Belästigungen und Drohungen gesellschaftlich und juristisch nicht geahndet werden? Ignorieren? Heisst das nicht auch, dass man sich nicht wehrt, dass man so etwas einfach hinnehmen muss? Oder zurückschreien und sich weiterhin beleidigen lassen? Alles nicht die wirkliche Lösungen gegen solche Maskulinisten, die am liebsten die Zeit zurück drehen würden.

So unterhielt ich mich letztens wieder mit unserem Bartender, der eine sehr verstaubte Ansicht der Realität hat. Der den Frauen und ihrer Emanziation die Schuld gab, warum die Gesellschaft und ihre Moral den Bach runter gehen würde.

„Damals, als sich Frauen noch in ihre Rolle gefügt hatten, war alles besser,“ O-Ton beim Gläser polieren.“ Ihr wollt immer gleiche Rechte, aber wenn’s um Pflichten geht, macht ihr nicht mehr mit! Ihr wollt trotzdem, dass euch die Männer die Tür aufhalten.“

Da macht man es sich einfach, wenn man die Sklaverei wieder ausrufen will. Natürlich ist es bequem und einfach, wenn man jemanden unterdrückt, als wenn jemand aufbegehrt und gleiche Rechte fordert – dann muss man sich mit jemanden auseinandersetzen, der vorher nur zum Vögeln und Bier holen da war. Es erschreckt mich, dass wir das Jahr 2012 schreiben und ich solche Statements höre. Und da erkenne ich leider: man kann keine Leute missionieren, man kann vielleicht doch nur hinnehmen.

Die ganze Blödheit in der Welt und ihre Folgen…

Nachdenkliche Grüße

die Spreemieze

3 Gedanken zu “Am Ende ist man doch nur ’ne Muschi

  1. Ja, solche Idioten gibt es (leider) immer noch, aber ich bin fest davon überzeugt, es werden weniger!
    Einen ‚lieben‘ Gruß an den Bartender, ich bekomme alle Türen selber auf, kaufe mir selber Blumen wenn mir danach ist und bezahle meine Rechnungen im Restaurant und Bar gerne selber und oft und gerne auch die vom ‚Kerl‘ gleich mit.

    • Danke für deinen lieben Kommentar. Ich weiß auch nicht, vielleicht liegt es daran, dass ich grad wieder soviel mit dem Thema zu tun hab, aber mich nervts so sehr…aber manche Männer scheinen immer noch nicht damit zurecht zu kommen, dass es Frauen gibt, die ihre Meinung nicht zurückhalten.

      BTW, ich habe ein paar österreichische Kollegen und Freunde, die rennen alle immer an einem vorbei um einem die Tür auf zu machen…da bin ich immer sehr irritiert, weil man das gar nicht mehr gewöhnt ist…und die jammern nicht rum: ihr Frauen blaaaa – das sind halt einfach nette Menschen.

  2. Pingback: Results for week beginning 2012-11-05 « Iron Blogger Berlin

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