Bargespräche oder Männer beim Bier belauscht

Letztens hatte ich hinter der Bar zu tun, als ich das Männergespräch zwischen Barkeeper und drei Gästen belauschte. Die Gäste waren Handwerker, die in Neukölln gentrifizierungsreife Gebäude zu Lofts umbauen. Alle vier hatten sichtlich Spass und meinten, ob ich mal etwas richtig männliches hören will.

„Ja, was denn!“ fragte ich und merkte, dass sich alle Augen auf den Azubi richteten, der wie ein Schluck Wasser zwischen den beiden Altgesellen saß und in seinem Handy nachschaute. Dann legte er los:

„Wenn Frauen sprechen wie ein Mann, dann haben sie auch Schläge verdient wie ein Mann,“ die anderen drei brachen weg vor Lachen. Für sie wohl lustig, weil der Kleine, noch minderjährige Azubi, einen auf Macker machen wollte.

„Keen Haar am Sack, aber was männliches sagen wollen – jaja – hast du da ne App für blöde Sprüche, oder was?“ fragte ich und ging wieder. Wer solche dummen Sprüche reißt, der muss auch mit dem Echo klar kommen.

Irgendwann später musste ich wieder hinter die Bar und da war das Thema dann ein Anderes. Es ging um Ausscheidungen bei Frauen. Die vier ekelten sich davor, wenn Frauen – zu deutsch – scheißen gingen. Das ginge gar nicht, da wäre der ganze Zauber der Frau weg und überhaupt, sollte sie das gar nicht in seiner Wohnung machen. Sie wollten kein Pups hören, kein Odeur riechen. Sie möchten sich der Illusion hingeben, die Frau würde sich die Haare waschen oder sich die Nase pudern – also halt webliche, elfengleiche und nicht menschliche Dinge verrichten. Denn einen richtig großen Haufen machen und sich danach auf die Brust trommeln, war schließlich den Handwerkern vorbehalten.

 

Es war nicht das erste Mal, dass ich auf ein solches „Problem“ bei Männern traf. Das Fräulein Lange berichtete einmal aus China, dass eine Freundin sich ihr anvertraut hatte, da ihr Freund ihr verboten  – in Worten VERBOTEN – hätte bei ihm das große Geschäft zu verrichten, also einen abzuseilen, mal ne Runde scheißen zu gehen. Sie kam nicht auf die Idee den Kerl in den Wind zu schießen, sondern tüfftelte zusammen mit Fräulein Lange einen Plan aus, wie man es am Besten anstellte, nach drei Tagen übernachtungsbedingter Verstopfung bei ihm aufs Klo zu gehen, ohne dass er es merkte. Meine Freundin empfahl ihr zu sagen, sie gehe duschen und das Wasser laufen zu lassen.

Von einem anderen Mann hörte ich ebenfalls, dass er mit seiner Angebeteten eine einsame Berghütte bezogen hatte und gerade dabei war den Kamin anzuzünden, während sie im Badezimmer war. Plötzlicher Eintritt von Verknüpfungen unterschiedlicher Synapsen, in Korrelation mit der Zeit der Frau auf der Toilette, führte zu ihm zu der Annahme, dass sie gerade dabei war etwas auszuscheiden und diese Erkenntnis führte dann zum spontanen Erlöschen der Begierde an der Frau und der Beziehung. Sie hatte quasi bei ihm verschissen.
Vielleicht sollte man sich die kindliche anale Phase dieser Heren einmal genauer anschauen, um eine nach Freud’schen Prinzipien getragene Anal-yse zu erstellen. Was ist da schief gelaufen? Oder ist ihr Weltbild von der Idealisierung und Einteilung der Frau als Hure oder Heilige geprägt? Dass man gerne mit der Hure fremdgeht, aber die eigene Frau eine Heilige sein soll? Ohne natürliche Körperausscheidungen, sei es nun Schweiß oder Scheisse, ohne Pickel und ohne Historie? Rein und Unbefleckt? Ohne Nebengeräusche?

 

Es soll ja nun auch nicht so sein, wie es Michael Nast in seinem Buch „Der bessere Berliner“ beschrieben hat, als ein Freund von ihm nach der Nacht mit seiner neuen Flamme am nächsten Morgen Duschen ging, sie hinterher kam, doch statt zu ihm in die Dusche zu steigen, plötzlich ein unliebsamer Geruch zu ihm vordrang und die Dame mit hochrotem Kopf auf dem Abort saß. Nein, so exhibitionistisches Verhältnis zu seinen Stoffwechselendprodukten und den dazugehörigen Ausscheidungsvorgängen muss man auch nicht haben, aber ein natürlicher Umgang, sollte man schon als mündiger Bürger pflegen können.

Bis dahin, sollte man vielleicht auf Streetart von Louva must die hinweisen:

 

 

Bis-dahin-Grüße

 

die Spreemieze

2 Gedanken zu “Bargespräche oder Männer beim Bier belauscht

  1. Pingback: Results for week beginning 2012-10-22 « Iron Blogger Berlin

  2. Hey du!!

    Vielen Dank für den Artikel, sooo lang schon fällig… Ich bin Louva. Danke, dass du mich verlinkt hast, fühle mich geehrt. 🙂 Ich hatte vor, etwas in Berlin zu starten demnächst, legal.
    Hättest du Bock, zwecks Fotodokumentation der Arbeit Kontakt aufzunehmen…?
    Liebe Grüße,

    L.

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