Alles für die Menschenwürde

Am Montag lief im ZDF der herausragende Spielfilm über die Entführung und Mordfall Jakob von Metzler (Link). Bei dem Polizisten zum letzen Mittel griffen und dem Täter Magnus Gäfgen Folter androhten um das Leben des Jungen zu retten, den sich noch lebend hofften zu retten.Dass der Junge von Gäfgen bereits kurz nach der Entführung getötet wurde, wußten die Polizisten zu dieser Zeit nicht. Der Frankfurter Polizeivizepräsident Daschner und der Kriminaloberkommissar Ennigkeit standen daraufhin selbst vor Gericht. Und wurden schuldig gesprochen.

Selbst ein Opfer von Gewalt geworden zu sein und einige Zeit in den Händen des Täters verbracht zu haben macht es mir nicht einfach eine objektive Meinung zu haben. Zum einen verabscheue ich jegliche Gewalt und bin gegen Folter, wenn ich an die Opfer des Nationalsozialismus denken, die als Widerstandskämpfer in den Kellern der SA, SS und Gestapo gefoltert worden sind. Und an die vielen Menschen in der Welt die aus ethischen, politischen oder religiösen Gründen immer noch gefoltert werden. Folter darf es nicht geben, wenn wir ein Rechtsstaat bleiben wollen.

Doch auch denke ich als Opfer und ich bin entsetzt über die Bewahrung der Menschenwürde des Täters. Der Täter, der dem Opfer jegliche Menschenwürde genommen hat, es geschlagen, geschändet, verletzt und traumatisiert hat – der es gefoltert und tiefe Wunden in Fleisch und Seele hinterlassen hat.

Der Täter ist es, der eine Straftat begeht und der entscheidet: nehme ich mir jetzt dieses Mädchen oder diesen Junge – oder jenen Menschen. Niemand treibt ihn zu dieser Tat, niemand erwartet es von ihm. Er entscheidet selbst ob er es tut oder nicht. Er hat es in der Hand.

Wird er gefasst und verurteilt, so bekommt er oft mehr Hilfe, als das Opfer je bekommen wird. Er kann, wenn er möchte therapiert und resozialisiert werden. Danach taucht er ab in ein freies Leben, vielleicht noch vorzeitig entlassen wegen guter Führung. Das Opfer bleibt jedoch Opfer.

Um Therapie und Hilfe muss es sich selbst kümmern. Eventueller Verlust der Arbeit durch die psychische Traumatisierung kompensiert niemand. Niemand hilft, weil nichts mehr ist, wie es einmal war. Was ist, wenn jede Nacht zum Alptraum wird, wenn man keine Berührungen mehr ertragen kann, wenn man es im Dunkeln nicht mehr aushält? Mit all dem muss das Opfer zurecht kommen, dessen Leben aus den Fugen geraten ist.

Zudem ist es dem Täter ein leichtes weiterhin das Opfer zu belästigen, es unter Druck zu setzen, denn solang nichts passiert, kann niemand etwas tun. Und das ist das Schlimmste, diese Ohnmacht, zu wissen, dass es nie mehr so wird wie vorher.

Und dass ich aus diesen Gründen nur verstehen kann, warum Daschner und Ennigkeit so gehandelt haben, und weiß, dass ich wohl so ähnlich gehandelt hätte – ganz konträr zu meiner sonstigen Einstellung.

 

Nachdenkliche-Grüße

die Spreemieze

Ein Gedanke zu “Alles für die Menschenwürde

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