Speechless Terror

In letzter Zeit häufen sich wieder die Diskussionen über Vergewaltigungen. Zum Einen war der Slutwalk wieder in Berlin – an dem ich letztes Jahr teilgenommen habe -, zum Anderen wühlt mich das Urteil von Marl extrem auf. Eigentlich möchte ich es vermeiden mich mit solchen Themen zu befassen, doch es ist schwer, weil ich zum Einen von mir selbst verlange mich dazu zu positionieren und mich zweitens auch dazu verpflichtet fühle. Leute wollen wissen, was ich dazu als Betroffene sage. Aber ich kann nichts sagen – weil keine Worte aus meinem Mund kommen.

Denke ich an das Opfer, dass bei Gericht saß und die Tat immer und immer wieder schildern musste, bin ich meinen Eltern dankbar, dass ich es nie tun musste. Ich hätte es nicht gekonnt und kann es immer noch nicht. Zwar habe ich einmal mit meinem Therapeuten in Form einer dritten Person den Tatvorgang geschildert – doch konnte ich das nur, weil ich mich dadurch emotional distanzieren konnte. In der Ich-Form kann ich das nicht. Bilder tauchen vor meinem Auge auf und irgendetwas wird gekappt in meinem Kopf – ich kann nicht mehr sprechen. Ich finde keine Worte mehr.
Das Phänomen nennt man Speechless Terror:

„Es ist der “speechless terror” – das sprachlose Entsetzen bei dem der Betroffene die Bilder des Traumas vor Augen hat, das Sprachzentrum jedoch blockiert ist – so dass sich keine Worte finden lassen. Das erschwert das Verarbeiten von  Traumata.
Beim speechless terror bezieht sich die Sprachlosigkeit aber nur auf die Traumata und allem was da dazu gehört.“Alles-nur-psychisch.com

Und da ist wieder die Erkenntnis, was für ein großer Grat zwischen Menschen mit PTBS und „normalen“ Menschen liegt, die nicht verstehen können, dass wir uns nicht anstellen oder wir gemein sind, weil wir nicht drüber sprechen wollen, sondern dass Schaltungen bei uns im Gehirn nicht mehr funktionieren bzw. anders ablaufen, als bei nichttraumatisierten Menschen.

Diskussionen darüber, dass PTBS nicht heilbar sein soll, macht es nicht einfacher. Es ist schon so belastend genug zu verstehen, dass man niemanden erklären kann, warum das nicht so geht, wie sich andere es denken und wünschen und dass das ein Leben lang so bleibt – ist noch schwerer.

Mach-mir-Gedanken-Grüße

Miez

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