Die Daseinsberechtigung der Frau

Heute ist ein Artikel bei Spiegel Online in der Rubrik Feminismus erschienen, bei dem ich immer noch überlege ob er ernst gemeint ist oder nicht. Claudia Voigts Überschrift für ihren Schrieb, der eine Proklamation der Frau als Gebärmaschine ist, ist fast so rotzig wie Frau Herrmanns – wir erinnern uns, die Eva mit der natürlichen Bestimmung der Frau.
Der Artikel heißt:
Heißt also: Dutzidutzidutzi, du Abiturientin, du darfst gern spielen gehen im Pool der Männer und auch studieren und solche Kinkerlitzchen, aber zuerst musst du dir einen Dammschnitt verpassen lassen und deiner einzigen Daseinsberechtigung entsprechend mindestens ein Kind dem deutschen Volke gebären. Ach nee, das mit dem deutschen Volke, kann man ja auch mit Herrenrasse ersetzen und dann wären wir wieder in dieser Dekade in der die Mütterideologie geschürt wurde.
Weiter beginnt der Artikel mit folgendem Absatz:
„Sie heißen Sabine, Andrea oder Martina, sie wurden in den sechziger Jahren geboren, und einige von ihnen tragen einen wehmütigen Zug im Gesicht. Gern hätten sie mehr Kinder gehabt. Zwei oder drei, das waren so ihre Wünsche damals mit Anfang zwanzig. Doch das Studium war wichtiger oder das erste eigene Gehalt.[…]“
weiter geht es mit:
„Heute sitzen manche dieser Frauen von Mitte vierzig auf Spielplätzen herum und gucken ihrem einzigen Sohn, ihrer einzigen Tochter beim Schaukeln zu. Für ein Geschwisterkind sind sie mittlerweile zu alt. Andere Frauen der Generation sind kinderlos geblieben, die Traurigkeit darüber gehört zu ihrem Leben. […]“
Frau Voigt kann sich so gar nicht vorstellen, dass es durchaus Frauen gibt – genauso wie Männer – die sich freiwillig für ein kinderloses Leben entscheiden. Im Gegensatz zu Frauen, kommt aber in Frau Voigts Artikel, die Y-Chromosom-Träger, die man bekanntlich zum Kinder zeugen braucht, gar nicht vor, außer als Bereitsteller des Samens. Na so was. Bei Frau Voigt sitzen also die armen Frauen, die es nur bis zum Einzelkind geschafft haben, zerknirscht auf dem Spielplatz herum – alle anderen Frauen, die nicht ihrer Daseinsberechtigung nachgekommen sind, sitzen wahrscheinlich allein und noch zerknirschter Zuhause mit einer Kanne Bourbon.
Dann zieht sie noch her über
„Anna, Kathrin oder Nina, sie wurden in den siebziger Jahren geboren, und sie sind auf der Suche nach dem richtigen Mann.“
Und über ihre Suche nach der Liebe und dem richtigen Mann Kinder zu zeugen:
„Vielleicht steht er am Sonntagmorgen in der Schlange beim Bäcker, also gehen sie Brötchen holen. Vielleicht sitzt er ihnen in der U-Bahn gegenüber, also fahren sie nicht mehr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Sie sind Mitte dreißig und wünschen sich eine eigene Familie. Natürlich suchen sie auch im Internet, wenn es sein muss, gehen sie sogar auf eine Ü-30-Party.“
Soll ja tatsächlich Frauen geben, die sich Gedanken über Zukunft machen und noch ein Ideal haben von einem Leben mit Partner und gemeinsamer Kindererziehung und den Mann nicht nur als Samenspender und Alimente Zahler sieht. Während Frauen also immer panischer werden und das andere Geschlecht bemitleidet:
„Männer berichten, dass die mühsam gezähmte Panik der Frauen in diesem Alter unerträglich sei.“
Hat Frau Voigt eine klasse Idee, wie Frauen aus diesem Evolutionsschlamassel wieder rauskommen:
„Aber leider ist es nicht aus der Welt zu schaffen, dass die Evolution in dieser Hinsicht einen Schlamassel angerichtet hat. Auch wenn die Herren nicht ganz so uneingeschränkt bis ins hohe Alter zeugungsfähig sind, wie sie gern glauben, können sie länger Kinder zeugen, als es Frauen möglich ist, schwanger zu werden. Ein Dilemma.“
Sie sollen einfach früher Kinder bekommen. So nach dem Abitur, halt wenn sie studieren und daher auch mehr Zeit haben. 
„Die Jahre an der Uni sind jene Phase im Leben, in der man sich Zeit am besten einteilen kann. Natürlich ist der Leistungsdruck im Studium hoch, trotzdem ist es möglich, während des Semesters zwei Wochen ganz individuell in eine vorlesungsfreie Zeit zu verwandeln, weil der Nachwuchs Windpocken hat.
Bei der Vergabe von Kita-Plätzen werden studierende Eltern häufig bevorzugt, oft gibt es auch Uni-Kindergärten. Und wer ein geringes Einkommen hat, zahlt die geringsten Beiträge. Überhaupt, das Geld. Selbstverständlich wird es knapp sein. Auf den Frohsinn der Kinder hat Geld aber keinen Einfluss, das könnte ein Trost sein. Und zu Beginn ihres Lebens sind Kinder auch noch nicht so teuer, die Diskussionen um Markenklamotten und elektronische Geräte kommen erst später. Zusätzlich unterstützt der Staat junge Eltern neben dem Eltern- und Kindergeld mit Extraregelungen beim Bafög.
Was stünde zum Verzicht? Schlaf und unverplante Zeit. Die sogenannte Selbstverwirklichung.“
Heißt also: entweder Kind oder Selbstverwirklichung. Frau Voigt gibt hierbei wieder die Schuld an die Frauen:
„Nur so viel: Mit einem gewissen Abstand betrachtet, scheint die Selbstverwirklichung in jungen Jahren überschätzt zu werden. Vor allem birgt sie die Gefahr, sich endlos hinzuziehen.“
Und gibt dann noch eine Tipp an die Damen in den Zwanzigern bzgl. der Männer:
„Die Annas, Kathrins und Ninas, die Frauen, die heute Mitte dreißig sind, verzweifeln nicht selten an Männern, die diese Phase ins Unermessliche dehnen. Die zögerlichen Männer. Mit Anfang zwanzig dagegen kann man noch jene Partner kennenlernen, die wirklich eine Familie gründen möchten. Und die deshalb mit Mitte dreißig längst in festen Händen sind.“
Heißt also: Liebe Damen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist holt euch bitte zur Befruchtung. Sich sexuell auszuleben, Nächte durch zu feiern, unendlich viele Jobs auszuprobieren und um die Welt zu trampen ist eh fade gegen das Gefühl, neues Leben zu schenken. Dazu sind wir Frauen ja auch da – und nur dafür.
Also krallt euch den nächst besten und potenten Mann und dann ran an das Kindergeld!
Frau Voigt gibt den ganzen schwarzen Peter wieder an die Frauen ab, statt für eine gerechte Teilung bezüglich Haushalt und Kindererziehung zu dementieren, lässt sie den männlichen Part, bis auf die Spermaspende, total außer Acht. Doof. Zumal es ja meist so ist, dass die Kinder bei der Mutter bleiben, wenn es zur Trennung vom Partner kommt. Was das bedeutet, wenn man gerade fertig mit dem Studium ist, das Bafög zurückgezahlt werden, ein oder zwei Kinder ernährt, ein unbezahltes Praktikum zum Berufseinstieg gemacht werden muss –  wird gar nicht angesprochen.
Ich bezweifle, ob Frauen wirklich mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, wenn sie mit Mitte, Ende Zwanzig sind, fertig mit Studium und Kinderkriegen und dann beim Einstellungsgespräch ein bis zwei Kinder um die 1-9 Jahre präsentieren? Auch wenn das kein Einstellungskriterium sein darf – es ist eins. Da präsentiert sich die Frau gleich wieder als Arbeitnehmer, der eben mal nicht das und das noch mal schnell zu Hause und/oder am Wochenende machen kann.
Und die Unterstellung, dass Frauen vergrämt sind, wenn sie nur ein Kind statt zwei bekommen haben – also bitte. Und wie gesagt, es gibt auch Menschen, die möchten gar keine Kinder. Egal ab Mann oder Frau.
Dieser Artikel gehört nicht in die Rubrik Feminismus, sondern: Contra Feminismus!
Miez

3 Gedanken zu “Die Daseinsberechtigung der Frau

  1. Sehr schön geschrieben, und das sage ich als Mann und Vater. Ich bin nun fast 34, habe eine 4-jährige Tochter (Oh mein Gott, es ist bisher ein Einzelkind und noch viel schlimmer: Es ist kein zweites geplant… Ist meine Süße bald gefrustet???) und kann nicht verstehen, warum in besagtem Artikel der männliche Part fehlt.

    Wieso denn Kinder ohne Familie? Denn wenn der Mann nur als Bereitsteller des Samens gilt, dann kann von Familie keine Rede sein…

    Männer von heute haben doch wohl begriffen, dass die Nummer mit Frau = Herd durch ist und teilen sich die Aufgaben, da die Frau nun Mal auch arbeitet.

    Ich kenne besagte Autorin nicht und sie ist mir auch egal… Aber die hier zitierten Aussagen klingen für mich schlicht nach einer Menge Frust auf das eigene Versagen in den angesprochenen Punkten.

    Selbstverwirklichung ist auch kein Thema für die ersten Jahre nach der Schule, sondern für uns das Ziel unseres gesamten Lebens. Wir werden niemals Vorstadt-Vorgartenkrieger werden, machen uns neben dem Kind fröhlich selbstständig, arbeiten zu Hause, leben im sonnigen Süden, ziehen irgendwann wieder nach Nordeuropa (wohl Holland…, ein Hausboot wäre toll ^^) und gelten dabei bei allen Freunden auch noch als gute Eltern, deren Kind mit 4 Jahren schon anfängt zu lesen, schreiben und rechnen, anstatt Kopffüßler zu malen.

    Kurzum: Ich hasse Schubladendenken. Manche wollen Kinder, andere nicht. Die Rolle der Frau ist individuell geworden und wenn die Autorin wüsste, dass man mit Arbeitsteilung und Flexibilität sein Leben so gestalten kann, wie man es will und dass wir Männer den Frauen dabei nicht nur als Samenspender zur Verfügung stehen, dann müsste Sie nicht neidisch auf Spielplätzen andere Frauen begaffen, die noch immer mehr Glück hatten, als sie selbst es zu haben schien 🙂

  2. [Iro] Ich kenne besagte Autorin nicht und sie ist mir auch egal… Aber die hier zitierten Aussagen klingen für mich schlicht nach einer Menge Frust auf das eigene Versagen in den angesprochenen Punkten.

    Ich habe den Artikel zwar nicht gelesen, gebe aber trotzdem meinen Senf dazu; Ha Ha

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