Kleine Fahnenkunde

Jetzt grad, wo es so schlecht mit dem deutschen Fußball läuft, ist diese Fahnen-Nationalsozialismus-Debatte vielleicht bald vorbei. Es geht mir schon ein wenig kolossal auf die Nerven, diese ewige und phobische Debatte um Deutschlandfahnen bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft. Deshalb hier eine kleine Fahnenkunde, warum die aktuelle Deutschlandfahne nichts mit Nationalsozialismus zu tun hat:

Die Entstehung der Farben Schwarz-Rot-Gold sind zurückzuführen auf die Befreiungskriege gegen Napoleon um das Jahr 1813. Die Lützowschen Freikorps kamen aus allen Teilen des Deutschen Reichs zusammen. Die Freiwilligen, die gegen die Besatzung Napoleons kämpften, rekrutierten sich meist aus Studenten. Genauso bunt wie die Herkunft der Krieger, waren auch ihre Kleidung und so blieb nichts anderes übrig, als alle Kleidungsstücke schwarz zu färben, sie mit goldenen Knöpfe und roten Aufschlägen und Paspeln zu besetzen um Dienstgrade und Abzeichen hervor zu heben.
Nach der Revolution 1830 in Frankreich und dem Aufstand Polens gegen die russische Herrschaft, sowie die Neuordnung des Deutschen Reichs, nach der Niederlage Napoleons, durch den Wiener Kongress 1814/15 entstand auch im Reich ein Streben nach einer nationalen Einheit. Der neugegründete Deutsche Bund aus 39 Einzelstaaten, berücksichtigte jedoch nicht die von den Liberalen geforderten Grund- und Freiheitsrechte. Besonders die Urburschenschaften setzten sich für diese Rechte ein. 1819 ermordete der Student und Burschenschafter Karl Sand den Dichter von Kotzebue, ein scharfer Kritiker der Burschenschaften. Daraufhin kam es zu massiven Einschränkungen: Burschenschaften wurden verboten, Lehrveranstaltungen an Universitäten überwacht und die Pressezensur wieder eingeführt.
Die oben angesprochenen Freiheitskämpfe gaben den Liberalen wieder Hoffnung und so erschien in der „Neuen Speyer Zeitung“ durch eine umgedichtete Anzeige eine Einladung den „Deutschen Mai“ am Hambacher Schloss zu feiern. Zum ersten Mal waren auch Frauen aufgerufen nicht nur „Schmuck“ zu sein, sondern gegen die politische Unmündigkeit zu protestieren. Die Menschen zogen mit Schwarz-Rot-Goldenen Fahnen zum Schloss. Die Forderungen des Festes waren die Einheit und Freiheit Deutschland. Darunter versteht man die Errichtung eines Nationalstaats mit einheitlicher Verfassung und die bürgerlichen Freiheiten wie Meinungs-, Rede-, Presse-, Versammlungs-, Vereinigungs-, Gewerbe-, Auswanderungs- und Niederlassungsfreiheit. Dazu gehörte auch die Gleichberechtigung aller Staatsbürger vor dem Gesetz unabhängig vom Geburtsstand. Frauen waren dabei explizit eingeschlossen. 
Man sieht, die Geburtsstunde der Farben der deutschen Fahne hat nichts mit dem stinkenden und menschenverachtenden Regime zu tun, welches sich ein tausendjähriges Bestehen wünschte. Sondern sie sind die Grundlagen unserer Demokratie. Nazis verabscheuen diese demokratischen Gedanken und halten nichts von Menschenrechten und Freiheiten.
Nazis bedienen sich den Farben Schwarz-Weiß-Rot, die sogenannte Reichsflagge über deren Bedeutung ich mich hier nun nicht auslassen möchte.
Wenn Uschi Maier und Rene Schmitt sich in der Fußballeuphorie dazu hinreißen lassen zu sagen: Ich bin stolz Deutscher zu sein. Dann hat das denke ich nicht viel mit Nationalismus zu tun, sondern ehr mit einem beschränkten Horizont. Schließlich kann man nicht stolz darauf sein, auf das was man ist, sondern nur auf das, was man geleistet und getan hat.
Und mal so unter uns…unsere Nationalspieler heißen: Gomez, Özil, Khedira, Gündogan und Podolski …
Heute-fliegen-wir-raus-Grüße
Miez
PS: statt sich über ein paar Stofffetzen aufzuregen sind Ermittlungsfehler und nicht herantreten an eine NSU und Blindheit auf dem rechten Auge des BND die wesentlich größere Gefahr!

3 Gedanken zu “Kleine Fahnenkunde

  1. Was ist so falsch daran, auf sein Land stolz zu sein? Mir gehen eigentlich eher die meckernden Deutschen auf den Geist, die denken, dass es ihnen ja sooo schlecht geht und es in anderen Laendern auf alle bessere sei…..

    Natuerlich kann jeder auf sein Land stolz sein, auf das, was die Vorfahren und natuerlich auch man selber daraus gemacht hat. Ich finde nicht, dass dies etwas mit beschraenktem Horizont zu tun hat.

    Im Gegenteil, endlich seit 2006 kann man offen durch unsere Land gehen und ZEIGEN, dass man Deutscher ist. Dies macht jedes Land, nur Deutschland wurde dieses Recht immer wieder abgeschrieben. Wegen eines Krieges, der nun schon mehr als ein halbes Jahrhundert vorbei ist und mit dem die heutigen Generationen so gar nichts mehr am Hut haben. Es wird Zeit, sich davon endlich zu verabschieden, so wie sich andere Laender schon laengst von ihren Untaten aus der Vergangenheit verabschiedet haben.

    Ich wuerde mir wuenschen, dass diejenigen, die immer nur ueber Deutschland meckern, einige Jahre im Ausland verbringen, um endlich mal die Vorteile des eigenen Landes kennen- und vor allem schaetzen zu lernen. Denn das deutsche Gemeckere ist auf einem verdammt hohen Niveau und die meisten wissen gar nicht, wovon sie eigentlich reden.

    LG
    Kerstin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s