Eure Hart-wie-Kruppstahl-Attitüde kotzt mich an

Da saß ich letztens lernend in einem Coffee Shop – Katerfreie Zone, da legt sich keiner auf meine Bücher – und beobachtete ein Gespräch. Ein Businesslunch zwischen zwei Deutschen und einem Österreicher. Alle drei nehmen neben mir Platz. Der Österreicher: grauer Anzug, Trenchcoat über dem Arm und einfach nur elegant. Der Deutsche snobistisch casual im Kashmirpullover, sie im Tweetblazer. Nach preußischer Art schlägt sie fast die Hacken zusammen, als sie ganz Hausmutter-like den Kaffee holen geht. Beide Männer plaudern übers Golfen. Smalltalk auf Persönlichkeitsebene. Kundenbindung.
Dann kommt sie wieder, mit Kaffee und ich versinke wieder in meinen Aufzeichnungen. Zwischen Transsituativer Konsistenz und Reaktionskohärenz horche ich wieder auf. Was am Nachbartisch erzählt wird weckt meine Aufmerksamkeit.
Ja, also gutes Personal zu finden ist so so schwer geworden,“ stöhnt der Deutsche, sie nickt dazu.
Naja, so kann man das auch nicht sagen,“ sagt der Österreicher im charmanten Dialekt.
Tjahaa, wer bei uns denkt, dass er um 17 Uhr nach Hause gehen kann, der wird gleich entlassen! Profit, Profit, Profit!“
Ich starre hinüber und in mir staut sich die Wut. Dann fallen noch Sätze wie: ja, wenn Business reinkommt musst das gemacht werden. Ist ja fürs Geschäft!
Mich kotzt dieser menschenverachtende Ton der Deutschen so an, der Österreich versucht immer dagegen zu halten. Und es bestärkt wieder meine Theorie von der Hart-wie-Kruppstahl-Attitüde der Deutschen. Es ist ja schon bekannt, dass wie einen Hang zur Selbstgeißelung haben und uns immer und überall nur schlecht reden. Man erinnere sich nur an unsere englisch Lehrer, die uns schreiend ins Gehirn hämmerten, dass unser englisch das schlechteste der Welt sei. Reist man aber hingegen mal einfach nur ins europäische Ausland, weiß man gleich, dass sich I speak a little englishteilweise wirklich nur auf Good Morning und How do you dobeschränkt.
Eine Selektion von Gut und Böse erfolgt ja in Deutschland schon in der Grundschule. Kommst du aus „guten“ Verhältnissen hast du Glück, kommst die aus „schlechten“ wird eh nichts aus dir. So wird tausenden von Real- und Hauptschülern täglich erklärt, dass sie sowieso nichts reißen werden in ihrem Leben und man wundert sich über die riesen Resignation der Jugend. Hingegen arbeiten hunderte von Studienabgängern als unbezahlte Praktikanten. Gleichzeitig das Gestöhne der Wirtschaft über Fachkräftemangel und die geplante Immigration von arbeitslosen jungen Spanischen Erwachsenen, weil wir es nicht mehr bringen, die aber schon. Es scheint, dass sich in der Politik und in der Deutschen Wirtschaft das Bild der eigenen Landsmänner stark verändert hat. Man scheint nicht mehr der zu gewinnende Wähler zu sein, sondern nur noch Schmarotzer und faules Gesocks. Am besten solle man noch Geld mitbringen um in einer Firma arbeiten zu dürfen. Man ist nicht mehr Gewinn, sondern nur noch Aufwand. Man garantiert sich selbst mit endlosen 1-Jahresverträgen, dass wenn der Arbeiter einmal schwächelt man ihn schnellstmöglich entsorgen kann. Dieser Arbeitsfaschismus kotzt mich an. Fast können wir noch froh sein, dass wir nicht allmorgendlich unter einem Schriftzug Arbeit macht frei hindurch ziehen müssen. Der Arbeiter soll hart wie Kruppstahl sein, flexibel und immer erreichbar (was durch Firmen-Black-Berry und Laptop auch möglich ist). Schafft er es nicht, wird er gnadenlos ersetzt, egal wie lang er in der Firma war, egal ob er jedes Staubkorn, jede Ecke darin kennt. Profit, Profit, Profit, Wachstum, Wachstum, Wachstum  – schreit es aus den Chefetagen und der Arbeiter sitzt da 12 Stunden am Tag, bekommt aber nur 8 bezahlt. Das ist jetzt halt so, wir müssen alle den Gürtel und so weiter…leicht gesagt, aber wenn das Gehalt grad alle Fixkosten deckt, tut es umso mehr weh. Und diese Zustände sind nicht nur einfach ausnahmen, sie werden immer mehr zur Regelmäßigkeit: Gastronomie, Hotellerie, Gesundheitswesen, etc. um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Denke ich an meine Zeit in der Hotellerie zurück, als ich noch für amerikanische Ketten gearbeitet habe und uns immer vorgebetet wurde, wie es in Amerika ist und wie schlecht wir im Vergleich dazu sind. Und dann der Schock, als ich drüben und es dort viel lockerer und relaxter war. Zudem die vielen Association Appreciation Aktionen zur Pflege der Mitarbeiter, hingegen hier man alles streicht. Ich weiß nicht, ob es an unserer Nazi-Vergangenheit liegt, dass wir uns so gern untereinander so fertig machen und nicht zu wertschätzen wissen. Es ist ein menschenverachtendes Verhalten, was ich selbst schon in meiner Karriere kennengelernt habe, obwohl ich ja immer einen Hang zu Extremem habe.
Grad an diesem Tag, als ich den beiden Deutschen am liebsten mein Glas Wasser ins Gesicht geschüttet hätte, konnte ich abends noch mit Mr. Big reden. Ebenfalls aus Österreich. Ich fragte ihn, ob es wohl eine Deutsche Macke sei, so zu agieren. er schwärmte von Kultur leben und lieben, von Charme, Eleganz und Freundlichkeit, auch Respekt und dass Österreich wirtschaftlich gut da steht und das auch weiß…
ja, vielleicht ist es wirklich ein Deutsches Ding sich so zu geißeln…ich weiß es nicht.
Was-denkt-ihr-Grüße
Miez

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