Ein Leben voller Steine

Dass es manchmal gut läuft im Leben und manchmal eben nicht, ist für Menschen ohne Trauma völlig normal. Hingegen haben Menschen mit Trauma oft jedes Vertrauen ins Leben verloren. So ist in meinem Kopf eine ganz eigene Weltansicht, die ich versuche bei der Therapie los zu werden. Meine Weltansicht ist: dass mir nie und nimmer etwas im Leben gelingt, ich alles falsch mache und nie im Leben Glück haben werde.

Grad zur Zeit sind wieder so viele Sachen geschehen, dass sie das, was in meinem Kopf ist eigentlich immer nur wieder bestätigt. Denn endlich, nachdem das Jahr 2011 zu Ende war und alles in geregelten Bahnen wieder lief – Job, Studium, Gesundheit – ist mir meine liebste kleine Katzenfreundin genommen worden. Meine geliebte kleine Paula, die immer, wenn es mir schlecht ging neben mir gesessen hat und nie von meiner Seite wich, bis es mir besser ging.
Ihren Tod allein hätte ich noch gut verkraftet, wenn nicht noch zwei andere Dinge dazu gekommen wäre.
Der Verlust meiner Arbeitsstätte, die mir so sehr Spaß gemacht hat. Mit den Kindern zu arbeiten war wie etwas finden, was ich lange gesucht habe. Und un kann ich die Kinder nie, nie, nie wiedersehen und auch die kleine Claire nicht, die mir so am Herzen lang. Das schlimmste jedoch, sie wird sich nie an mich erinnern können, dafür ist sie noch zu klein.

Und dann kam der letzte Tropfen aufs Fass. Die Absage meiner Krankenkasse. Meine Therapie soll nicht verlängert werden. Stattdessen empfiehlt der Gutachter eine Psychoanalyse, d.h. 3-4 mal die Woche auf der Couch liegen und reden. Eine Therapie beruht aber auf ein Vertrauensverhältnis zum Therapeuten und ich bin wirklich froh einen so Guten gefunden zu haben, was mich aber auch 3 Monate gekostet hat. Psychoanalytiker gibt es nur sehr wenige, bis ich einen finde dem ich vertrauen kann und der auch frei ist kann es ewig dauern.
Für meine Gesundheit bedeutet das einen Eingriff in die laufende Therapie, in der ichgerade begonnen habe mich zu stabilisieren. Für mich vorallem unverständlich, weil ich ja vorher nie eine Therapie um das Trauma zu verarbeiten erhalten habe.

Die ganzen Umstände führen bei mir gerade wieder zu einer Retraumatisierung und ich fühle mich ganz oft wieder ganz unten auf dem Boden. Mein Weltbild in dem ich immer nur bestraft werde, weil ich so ein schlechter Mensch bin, ist wieder einmal bestätigt. Wieder liegen Steine in meinem Weg und ich muss wieder über sie rüber steigen. Mein Therapeut hilft mir Widerspruch bei der Krankenkasse einzulegen und wir hoffen, dass wir dann die Therapie fortführen können. Zur Zeit behandelt er mich auch wöchentlich weiter.

Aber von mal zu mal wird es schwieriger aufzustehen. Und oft will ich einfach nur Ruhe.

Stand-der-Dinge-Grüße

Miez

2 Gedanken zu “Ein Leben voller Steine

  1. „Hindernisse sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.“

    Ich kenne zwar die Umstände nicht, rate dir aber dennoch, den Kopf nicht hängen zu lassen! Nach so vielen Rückschlägen kann jetzt nur die Sonnenseite des Lebens kommen!

  2. … das mit den Kassen ist, milde formuliert, weit verbreitet, und ganz unabhängig von der therapeutischen Richtung usw., die wollen einfach nicht wahrhaben (obwohl auch schon -zig Ärzte deswegen Rabatz gemacht haben), dass sie sie sich letztendlich ins eigene Fleisch schneiden (nämlich gerade voll Kohle mäßig), wenn sie laufende (und stabile) Therapien weg hacken…

    (… damit Du es vielleicht nicht so persönlich nimmst…)

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