Gedanken zum 1. Mai

Es ist die Nacht zum zweiten Mai und ich sitze in meinem Bett und höre Polizeisirenen Richtung Kreuzberg fahren. Ansonsten ist es still in der Stadt und ich habe zum ersten Mal seit dem ich in Berlin wohne keine Angst um mein Auto, weil ich keins mehr habe.
Das ist der erste Mai, der mich mehr und mehr die Autonomen und Steinewerfer verstehen lässt. Auch ich fühle mich als Opfer meiner Zeit, meiner ausgebrannten Generation, die verheizt wird für eine geldgeile Elite. Höher. Schneller. Weiter.

Ich fühle mich nicht mehr vertreten von meinen Volksvertretern, die eigentlich Marionetten einer Wirtschaft sind, die vogel- und wertfrei jegliche Menschlichkeit aus ihrem System streichen und Menschen verwehrten und weg werfen, wenn sie nicht mehr funktionieren.

Es besteht keine Relation mehr zwischen den Gewählten und den Wählern. Wie auch. Sie haben jeglichen Bezug zur Realität verloren. Bei einem Monatseinkommen von 25.000 € im Monat pro Minister, kann man sich schon mal einen Frühstücks-Latte-Macchiato im Pappbecher – von einer amerikanischen Firma mit Sitz in Seattle – leisten. Hingegen werden Langzeitarbeitslose als Schmarotzer tituliert und bekommen einen Tagessatz, der eben so teuer ist wie dieses koffeinhalte Heißgetränk in Größe Venti. 

Nehmen wir als Beispiel Nichtmeineministerin.deKristina Schröder, die ihre Herdprämie sogleich vom Betrag für Hartz IV-Empfängern verrechnet, Männer am Internationalen Frauentag auszeichnet und generell Probleme der nicht privilegierten Frauen und Familien als individuelles Versagen abtut.
An diesem Beispiel wird sehr deutlich bewusst, wie sehr uns die Politiker ins Gesicht spucken, wie wenig sie von ihren Wählern halten, noch sie vertreten können und wollen. Sie haben vergessen, dass die Gesellschaft nicht nur aus Elite besteht und ich nicht jeder auch dorthin streben kann. Sei es aus Mangel an Förderung, Begabung oder Geld. Aber egal ob Zeitungsausträger oder Anwalt, ein jeder hat ein Recht auf einen respektvollen Umgang und eine Daseinsberechtigung in diesem Staat.

Stattdessen aber setzt sich die Politik nur für die Interessen der Elite und der Wirtschaft ein. Und wer nicht Schritt halten kann wird einfach überrannt. Das ist keine Politik für das Volk mehr, wenn Innenstädte zu verwaisen, weil es keine bezahlbaren Mieträume mehr gibt, wenn nur noch Büros erbaut werden, wenn freischaffende Künstler vertrieben werden, um ein neues Shoppingparadies zu eröffnen. Konsum, Konsum, Konsum – das ist der Treibstoff im Motor des Kapitalismus, der aber nicht einen Käufermarkt suggeriert, sondern der seine Konkurrenten so lange aufkauft, bis ein Monopol entsteht. So auch in den – angeblich – freien Medien – am Ende gehören wir doch alle zu Google. Die große Angst der Politiker ist noch der bislang fast rechtsfreie Raum des Internets, in dem gesagt und sich verabredet werden kann, wie man will. Auch eben zur Buchbesprechung der Antimanze Schröder. Dafür werden Klarnamen gefordert und Frau Schröder wendet sich desweilen gleich ans BKA.

Noch nie wurde dem normalen Bürger gezeigt, wie wenig man von ihm hält und wie offiziell man ihn für dumm verkaufen kann. Nun ist es ja auch so, dass nicht nur mehr einzelne Firmen Pleite gehen, sondern gleich ganze Staaten. Dass dafür aber Aufsichtsräte, die eine weltweite Krise wegen Geldes auslösen, was es sowieso nicht gibt, noch eine millionenschwere Abfindung erhalten, man sich aber hingegen hier nicht sicher ist, ob man einen Mindestlohn braucht, ist für uns hier unten schwer zu verstehen. Frau Schröder sollte vielleicht mal als Zimmermädchen in einem Hotel arbeiten und pro geputztes Zimmer, so wie es Branchen üblich ist, 2-4 € bekommen. Brutto versteht sich.
Die Regierenden zeigen uns immer mehr eine lange Nase, während sie den Latte Macchiato trinken, und das immer unversteckter. Wir müssen aufstehen und eine neue Form der Demokratie gestalten. Sind wir bereit zum Entern?

Was-kommt-noch-Grüße

Miez

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