Nicht die Emanzipation ist schuld, sondern eure Väter

Wird wirklich darüber gesprochen, dass die Emanzipation der Frau die Männer zu Weicheiern gemacht hat? Wird darüber gesprochen, dass der Mann Identifikationsprobleme hat, weil sich die Frau nun unabhängig von ihm ernähren kann und nicht mehr auf den Mann als Versorger angewiesen ist? Hat man ihm das Selbstwertgefühl genommen, weil er Frauen nicht mehr dominieren kann, es nicht mehr im Gesetz verankert steht, dass er über ihr Vermögen, ihren Beruf und Leben bestimmen kann? Oder hat gar die Emanzipation, also das Recht auf Gleichberechtigung, das Recht Menschenrecht auch zu Frauenrechten zu erklären das Gefüge des Darwinismus durcheinander gebracht?

Heult doch, sage ich, ihr Masculinisten! Wer sein Selbstwertgefühl nur erlangt, in dem er jemand anderes dominiert, erniedrigt und entmündigt, der hat keins und ist ein emotionaler und geistiger Schwächling.
Vielleicht solltet ihr darüber nachdenken, warum die so genannte Männlichkeit angeblich ein Identifikationsproblem hat. Liegt es vielleicht daran, dass das Identifizieren scheitert, weil die Identifizierungsmöglichkeiten fehlen?

Haben wir nicht heute eine weiblich geprägte Männerwelt, weil die heutigen Männer vorrangig von ihren Müttern und nur ihren Müttern großgezogen wurden, weil die meisten Väter abgehauen sind?
Wenn Väter in der Prägungsphase des Kindes – in der es eigentlich erlernen soll, was Liebe, Vertrauen und Geborgenheit heißt – einfach abhauen, weil es ihnen zu viel ist und keine Identifikationsperson als Versorger und Ernährer sein können, wie soll das Kind dies erlernen? In diesem Fall von der Mutter, einer weiblichen Identifikationsperson. Wie soll ein Junge dann ein positives Männerbild finden, wenn er weiß, dass sein Vater ihm und seiner Mutter damals eine Absage erteilt hat und es im Fernsehen nur von testosterongeschwängerten Rüpeln nur so wimmelt? So zeigt sich das Männerbild, er ist entweder nicht da, weil ihm sein eigenes Ich zu wichtig war, oder er schlägt zu. Weibliche Vorbilder für Feminismus gibt es zu Hauf. Doch wo bleiben die Männer? Guttenberg? Klitschko oder Bushido?

Dass das intellektuell-sensiblen Männern zum Grübeln über sich und die Welt bringt, ist da doch ehr etwas Positives. Diese angebliche neune Weichheit der Y-Chromosomenträger ist doch in Wahrheit keine Neuerung der Gegenwart, denken wir nur einmal an Goethes Werther oder Kästners Fabian. Es hat sie schon immer gegeben, die Feingeister.

Man sollte ehr über die Verrohung der Gesellschaft nachdenken. Über neue positive Vorbilder für junge Menschen, bei denen Geld, Macht und Gewalt keine Rolle spielen, sondern Ehrlichkeit, Geist und Gerechtigkeit. Doch wenn selbst die großen Volksparteien, die für christliche Werte einstehen, dies nicht mehr schaffen….wer soll es dann?

Neue-Vorbilder-braucht-das-Land-Grüße

Miez

6 Gedanken zu “Nicht die Emanzipation ist schuld, sondern eure Väter

  1. Ich weiß gar nicht, warum man immer nach einer Geschlechterrolle suchen muss… Frau oder Mann ist doch vollkommen egal, denn ich sehe freundliche und aufgeschlossene Männer und Frauen und ich sehe verbitterte, unfreundliche Frauen und Männer. Das Rollenbild ist mir dabei vollkommen egal. Ich nehme gern eine Freundin in den Arm, wenn es ihr schlecht geht und weiß, dass ich dafür auch mal einen Kuss an die Wange bekomme, wenn ich mal nicht so gut drauf bin. Wir alle sind nun Beschützer und wir alle sind auch die Schutz-Suchenden.

    (diese Meinung widerspricht deinem Eintrag m. M. nach nicht, sondern soll mehr eine Ergänzung dazu sein, die mir grad in den Sinn kam)

  2. Hallo Steffen,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, ich wünschte auch, wir wären wirklich schon Post-Gender, wie es die Piraten denken, aber nach Jahrtausend langer Rollenbestimmung, kann man dies nun wirklich nicht in wenigen Jahrzehnten auflösen.
    Natürlich werden wir immer in unseen Geschlecht verankert bleiben,rein anatomisch, sonst wäre es auch reizlos, aber wie ein Mensch fühlt und wie er sich benimmt, was er lernt und sein möchte sollte geschlechter unabhängig werden. Rechte haben kein Geschlecht.

  3. „Heult doch, sage ich, ihr Masculinisten! Wer sein Selbstwertgefühl nur erlangt, in dem er jemand anderes dominiert, erniedrigt und entmündigt, der hat keins und ist ein emotionaler und geistiger Schwächling.“

    Harte Worte. Das Problem sehe ich in einem anderen Konflikt: Gesellschaftliche Vorgaben sprechen für den „weicheren Mann“, Frauen wollen aber nach wie vor den „Klassischen Mann“. Männlichkeit wird eben immer noch als sexy wahrgenommen.

    Außerdem geht es nicht um dominieren, erniedrigen und entmündigen. Das als Hauptbestandteil der klassischen Männlichkeit zu definieren ist doch simpler Feindbildaufbau. Da könnte man genauso versorgen und beschützen anführen. Es geht auch darum, sein eigenes Sein nicht verstecken zu müssen. Viele Männer haben eben ein anderes Verhältnis zu Sex, Nacktheit, Umgang miteinander und es stört einfach, wenn es nunmehr so dargestellt wird, als sei alles was Männer gerne machen schlecht und alles was Frauen machen gut.

    Es ist hegemoniale Weiblichkeit

  4. Nee, nee, dann hast du etwas falsch verstanden. Der Artikel wendet sich wirklich an die Männer, die eben sagen, der Feminismus hat alles verdorben. Das tun nicht alle Männer, Gott sei Dank, und das ist dann auch die Mehrheit.

    Männer, die andere dominieren und erniedrigen, egal welches Geschlecht der andere hat, haben für mich nichts mit dem klassischen Männerbild zu tun, ganz im Gegenteil. Nur der der wirklich stark ist, braucht sich nicht über andere erheben.

    Also, wie gesagt, der Text soll die Männer ansprechen, die nicht pro Gleichberechtigung sind. Echte Männer, sind es.

  5. Ich bin für Gleichberechtigung. Aber mich stört dennoch vieles im modernen (Gender-)Feminismus. Ich finde ihn insgesamt zu gynozentrisch, die Privilegientheorien zu Gruppenbezogen und die These von der Gleichheit der Geschlechter zu unwissenschaftlich angesichts neuerer Forschung.

    Mitunter macht es Spass teststosterongeschwängert zu sein. Und ich möchte mich – im Rahmen der Rechte anderer – nicht deswegen verstellen müssen.

  6. Goethes Werther war ja am Ende immerhin dumm genug sich selbst die Kugel zu geben… was der ganzen Gefühlskiste auch etwas lächerliches verliehen hat. Denn es zeigt ja, dass Werther gerade sein Leben wesentlich verfehlt. Es zeigt, dass die ästhetisierte Affektiertheit der Liebe sich in eine Farce wandelt. Ob Werther daher ein Vorbild ist, darf bezweifelt werden. Wie wäre es stattdessen mit Giordano Bruno, der über den Menschen von heroischer Leidenschaft sagt: „Die erste Lektion, die ihm die Liebe erteilt, ist die, daß er die göttliche Schönheit in ihren Schatten betrachten soll, wo er es nicht im Spiegel kann. Und wie die Freier der Penelope solle er sich mit den Dienerinnen die Zeit vertreiben, wenn es ihm nicht vergönnt ist, sich mit der Herrin zu unterhalten.“

    Der Feminismus ist nicht die Emanzipation. Die Emanzipation war dort erfolgreich, wo Frauen den Feminismus abgelegt haben, weil dessen Errungenschaften zu Selbstverständlichkeiten geworden sind. Wer würde denn schon einer so blödsinnigen Aussage wie „der Feminismus hat alles verdorben“ zustimmen? Kaum jemand. Allerdings kenne ich auch kaum Männer, die vom Feminismus wirklich begeistert sind. Die Haltung ist eher so: „Ja, es gab ja schon Fortschritte… aber Feministinnen sind als Personen und in ihren ideologischen Auffassungen einfach unerträglich.“ Feministinnen sind nämlich irgendwie ein Synonym für Frauen mit sexuellen Angstzuständen, die sich ab und an in Aggressivität entladen. Wobei spezifisch hinzutritt, dass die Aggressivität dann als solche ideologisch überhöht, politisiert und darin legitimiert wird. Insofern sind sie den Maskulisten eigentlich sehr ähnlich.

    Ich frage mich auch, was mir so eine Aussage wie „nur der der wirklich stark ist, braucht sich nicht über andere erheben“ eigentlich sagen will? Entweder, dass die Starken aufgrund ihrer Stärke bereits die Möglichkeit haben diese Stärke auch durch weitestgehend gewaltfreie Führung zu zeigen. Was übrigens gerade dem klassischen Hegemoniebegriff Antonio Gramscis entspricht. Oder aber es handelt sich nur moralischen Kitsch. Ich denke, darauf kann ich verzichten. Stärke ohne die Möglichkeit seine Stärke gegen Widerstand geltend zu machen ist bestenfalls eingebildete Stärke. D.h. nicht, dass man jeden Widerstand mit Gewalt niederschlagen muss, aber es heißt eben doch, dass man sich anderen nicht unterwerfen muss. Es geht weniger darum sich dabei über andere zu erheben als darum sich nicht anderen zu unterwerfen. Ich denke der erste Akt der Stärke müsste in unseren Zusammenhang daher derjenige sein, den Frauen (wie auch Dir bspw.) klar zu sagen, dass die Definition von Männlichkeit nicht ihre Sache ist. Sie mögen sich bitte auf die Definition der Weiblichkeit beschränken.

    Kein einigermaßen kluger Mann beschwert sich darüber, dass Frauen heute über ihren Beruf und ihr Vermögen selbst befinden können. Diese Abhängigkeit der 1950er Jahre war nämlich sehr unsexy, das sieht jeder, der sich eine Waschmittelwerbung von damals ansieht. Feminismus heute ist für mich aber etwas anderes als der Ausgang aus diesen finsteren Verhältnissen der 50er Jahre. Es ist heute beispielsweise der Versuch, den Begriff „sexuelle Gewalt“ soweit aufzublasen, dass jede Form männlicher Begierde zu sexueller Gewalt wird. Oder die Ästhetik von nackten Frauen auf Werbeplakaten zu moralisieren und zu einem Teil von „rape culture“ zu deklarieren. Alle solche Praxen der Denunziation, die nach Herrschaft über die Begierden anderer Menschen streben, sind heute immer noch Teil des Feminismus. Und ich denke, es wird Zeit dagegen vorzugehen, ganz und gar nüchtern, aber doch auch bestimmt. Es braucht also Kritik des Feminismus ohne den Verlust gleicher Rechte. Ich denke das ist möglich.

    Wie Christian gesagt hat: „Es geht auch darum, sein eigenes Sein nicht verstecken zu müssen.“ Ich denke sogar man sollte das positiv wenden: es geht darum sein eigenes Sein zum Ausdruck bringen zu können.

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