Single in the City: Teil V

Manchmal habe ich das Gefühl, egal welche Karriere, welche Promotion meine Freundinnen gemacht haben, sie können nie glücklich und stolz drauf sein, jedes Mal kommt dann das Argument: aber was nützt das alles, ich hab noch nicht mal eine Beziehung. Das Thema wird ja in den Medien auch immer reichlich gehypt. Die arme Karrierefrau, die alles hat, außer einer Beziehung. Die Arme. Sie hat ja sonst nichts.

Da frage ich mich, was läuft hier falsch? Hat der jahrzehntelange Kampf der Feministinnen gegen das Patriarchat nichts an dem Gedanken geändert, dass eine Frau erst ihre Erfüllung gefunden hat, wenn sie in einer Beziehung ist. Egal ob glücklich oder unglücklich. Hauptsache Beziehung.
Und heutzutage im Bachelor-Singlehauptstadt-Parship-Neu.de-Traumfrau gesucht-Bauer sucht Frau-Wahn scheint die Partnerschaftssuche das einzig, wahre Mantra neben dem Ich will so bleiben wie ich bin-Shape-Endlich schlank-The biggest Loser-Mir gehts mit 45 kg sooooo gut-Wahn zu sein.

Aber um ehrlich zu sein, auch ich hab ja diese Gesellschaftlichen-Panik-Mache mit gemacht. Bis ich 31 wurde. Davor hatte ich mein Leben im Kopf so durchgeplant gehabt -ja, ich plane so gerne – also in den nächsten Jahren schnell einen Partner finden, Liebe, nach 2 Jahren Beziehung schwanger werden – man will ja auch nicht so eine alte Mutter sein – und die Partner suche bitte schnell, ganz schnell, sonst dauert das ja noch alles länger.
Aber dann kam meine Krise und allein die Tatsache PTBS zu haben ist die beste Beziehungsverhinderungsmaßnahme. Ja, natürlich kann ich davon absehen meinem Partner das zu erzählen, aber auch wenn man die wöchentliche Sitzung mit dem Therapeuten mit Depression begründet, auch das verschreckt die Männer. So bin ich mir einfach wichtiger geworden. Erst wieder gesund werden und dann…und wenn nicht, dann halt nicht. Denn was ist denn so schlimm daran, keinen Partner zu finden?

Nichts. Nichts ist schlimm daran. Gar nichts. Ich brauche niemanden der mich komplettiert. Ich bin doch schon komplett. DVD-Abende mag ich eh nicht, gemeinsames Kochen ist mir ein graus. Ich komme gern nach Hause und bin allein, ich wache auch extrem gern alleine auf, nach dem Sex muss ich nicht Arm in Arm einschlafen, das ist mir zu unbequem. Ich mag es, wenn er nach dem Sex nach Hause geht und ich mich in Leggins und Bettsocken entspannt vor den Computer klemmen kann. Und dieses Argument: aber du willst doch im Alter mal nicht alleine sein, ignoriere ich und begründe meine Indolenz mit der geringen Lebenserwartung der Männer. Und mal ganz ehrlich, 99% aller Beziehung werden doch nach 2 Jahren total alltäglich. Sie kocht, er schmeißt die Socken neben den Wäschepuff. Beziehungen funktionieren doch nur, wenn man Kompromisse macht. Leider sind es oft Frauen, die diese Kompromisse machen.

Ja, okay, verliebt sein ist schon schön. Wenn denn beide Seiten gleichzeitig verliebt sind. Dass das oft nicht so ist, höre ich von meinen Freundinnen. Da wird von mir verlangt jede SMS, jeden Satz zu analysieren und zu interpretieren – meint der das jetzt so oder ehr so? – und auch am besten ihre Antworten vorzuformulieren. Was ist wenn ich das jetzt so schreibe, versteht er das dann so, oder klingt das verzweifelt? Wann soll ich die abschicken? Jetzt oder in zwei Tagen?
Dabei haben sie meist den tollsten Job der Welt, verdienen viel Geld, können ihre Autoreifen selbst wechseln und reisen allein, nur mit Rucksack und Kompass durch Fremde Länder. Und trotzdem sind sie nie glücklich drüber. Wie schade ist das denn?

Ich will mich jedenfalls nicht mehr grämen und mir Sorgen machen, dass die Uhr angeblich tickt. Sex von den Männern ohne Alltagsfirlefanz, Liebe und Zuneigung von den Freundinnen. Denn die bleiben meist ein Leben lang, Männer eben nicht.

Schluß-mit-dem-Gejammer-Grüße

Miez

6 Gedanken zu “Single in the City: Teil V

  1. Vielen Dank!!! Du sprichst mir aus der Seele!!! Dieses: „Aber ich habe keinen Partner“-Gequatsche nervt nur noch und ich kann es auch nicht mehr hören. Ist man denn „komplett“ (wie ich es heute bei einer Bekanntin gelesen habe) wenn man zu zweit alles teilt? Eigentlich doch nicht, denn man fühlt doch nur eine Lücke aus. Erst mit sich zufrieden sein und dann kommt alles von alleine und wenn nicht „who cares“ 🙂

    Schönen Abend noch!

  2. Dass man nur mit Beziehung „komplett“ ist, finde ich auch Quatsch. Mein persönliches „Komplettsein“ hängt nicht davon ab, ob ich eine Beziehung habe.
    Aber mein Leben fühlt sich alleine (wie momentan) doch deutlich ärmer an als mit Partnerin. Klar muss man für eine Beziehung auch Kompromisse machen, aber man bekommt doch auch so viel! Insofern kann ich eure negative Einstellung nicht teilen.
    Finde auch die beiden Sätze „Leider sind es oft Frauen, die diese Kompromisse machen.“ und „Männer [bleiben] eben nicht.“ sehr unverständlich, weil ich sehr viele Beziehungen kenne (persönlich und von Freunden), die die Frau beendet hat.
    Viele Grüße,
    Hendrik.

  3. Hallo Hendrik,

    vielen Dank für deine Kommentar. Schön auch mal die andere Seite zu lesen 🙂
    Mit dem Satz „Leider sind es oft Frauen, die diese Kompromisse machen.“ meinte ich das meist Frauen sich doch den Männern anpassen. ZB ziehen sie oft mit, wenn er ein Jobangebot in einer anderen Stadt annimmt etc. Natürlich gehen Männer auch Kompromisse ein, hängen nicht mehr so viel mit den Kumpels rum, dafür aber mit der Liebsten am Samstag auf dem Wochenmarkt. Aber geht es um Karriere und Beruf machen da doch oft Frauen de Kompromisse.

    „Männer [bleiben] eben nicht.“ Natürlich trennen sich auch Frauen. Ich glaube ich kenne auch grad nur Mädels, die sich getrennt haben…aber ich meinte diesen Satz ehr als Mahnung. Denn oft ist es so: kaum hat eine Freundin einen neuen, wart sie nicht mehr gesehen und ist nur noch mit ihrer Beziehung beschäftigt. Wenn der/die Liebste dann doch geht und keine Freunde mehr da sind..ist das doof. Deshalb sollte man sich nicht nur auf die Beziehung fokussieren, und seine Freunde nicht vernachlässigen 🙂

  4. Hi Sabrina.
    Danke für deine Antwort, das kann ich glaube ich alles unterschreiben. 😉
    Dass sich die gemeinsame Wohnung oft dann doch nach dem Job der Männer richtet glaube ich auch. Schon allein weil Männer immer noch im Durchschnitt mehr Geld verdienen (sogar für die gleiche Arbeit). Aber das ist ein anderes (großes, wichtiges) Thema…

    Schönen Sonntag noch,

    Hendrik.

  5. Als wenn es nur die Frauen wären, die ständig die Worte des anderen hin und her wenden, die sich den Kopf darüber zerbrechen was das denn nun zwischen den Zeilen mitschwingen würde. Ich kann dir aus eigener, schmerzlicher Erfahrung versichern, dass es auch für Männer nicht anders ist. Vielleicht ist das ja aber auch genau der Beweis dafür, dass es zwischen Beiden nicht funktioniert. Und es sind auch nicht nur die Frauen, die immer wieder mal das Bedürfnis verspüren, die Lücke im Leben nach der letzten Trennung direkt wieder füllen zu müssen, aber wenn man sich dann so mit sich selbst etwas beschäftigt, dann kommt man dann (vielleicht) auch irgendwann auf den Trichter, dass es völliger Unsinn ist.

    Nietzsche ließ seinen Zarathustra an einer Stelle sagen: „Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der Andre, weil er sich verlieren möchte. Eure schlechte Liebe zu euch selber macht euch aus der Einsamkeit ein Gefängnis.“

    Wahre Worte, wie ich finde. Man muss sich selbst erst mit all den eigenen unschönen Eigenschaften, mit den Fehlern und den Marotten lieben lernen, bevor man einen Anderen Menschen auch wirklich ehrlich lieben kann. Wie soll man von einem Anderen auch vervollständigt werden, wenn man das selbst nicht allein bewerkstelligen kann? Sonst müsste man auch gleich noch an Schicksal und an die eine wahre Liebe glauben, die dort draußen wartet. Erschreckend ist in diesem Zusammenhang, dass es tatsächlich Menschen geben soll, die genau an diesen einen besonderen Deckel glauben. Solche Menschen lösen in mir nur einen äußerst ausgeprägten Brechreiz aus gepaart mit einer gehörigen Portion Mitleid.

    Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass du mich mit deinen Blogeinträgen immer wieder hast herzlichst lachen lassen.

    P.S.: Miteinander kochen kann wirklich schön sein, allerdings gebe ich unverblümt auch zu, dass es genauso gut eine absolute Katastrophe sein kann.

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