Dinge, die man so nicht sagt…

Wenn man eine Stadtrundfahrt durch Berlin macht oder einmal einen konservativen Reiseführer aufschlägt, fällt einem der Satz entgegen: Der Berliner hat für alles einen Spitznamen.
So wird der Fernsehturm Telespagel und der Funkturm Langer Lulatsch genannt, der ehemalige Palast der Republik angeblich Erichs Lampenladen, das Bundeskanzleramt Bundeswaschmaschine und das Hotel Adlon Buttercremetorte.
Aber mal ganz ehrlich, so unter uns Zugezogenen und Echtberlinern, das sagt doch kein Schwein so.Von meinen Eltern und Großeltern kenne ich aber die Begriffe: Goldelse, Bonnies Ranch und Bierpinsel. Auch Castingallee und Spinnerbrücke kennt man. Na gut, es gibt doch schon viele Spitz- und Spottnamen, aber manche sind echt an den Haaren herbei gezogen und so gekünstelt, dass es fast peinlich ist.

So war ich letztens in Berlins Disneyland, also an der Friedrichstrasse, und lief nichts ahnend an der Spree entlang, als mir ein Plakat auffiel: Willkommen im East End Theaterviertel. Also sowas.
Nicht nur, dass sie den Konsumneubau an der Ecke Friedrichstrasse/ Unter den Linden Upper East Side* genannt haben, nun heißt das hier auch noch East End!?! Also, das ist ja schon ein bißchen peinlich auf diese Art internäschionäl Flair in die Stadt zu bringen. Ich verstehe in diesem Fall auch nicht, dass wir uns da unsere Berliner Identität nicht erhalten können und so pseudocosmopolitisch kopieren müssen.

Jedes Mal stelle ich mir lebhaft Heinz und Ingebord aus Saarbrücken vor, wie sie da vom Brandenburger Tor in ihrer Jack Wolfskin Himalaya Survivaluniform runtergeschlendert kommen:“ Ahhh, Guckscht Du, Heinz, des is hier ja wie in Nu Jork, gell Heinz?“
Ein Westend gab es in Berlin ja schon immer und es liegt auch tatsächlich im Westen (ganz weit sogar). Da in der Nähe haben auch mal die Drei Damen vom Grill in der gleichnamigen Serie ihre Würstchen verkauft. Nun haben wir also auch ein East End (was für ein verrückter Marketing Twist) was aber nicht etwa in Marzahn oder Biesdorf, sondern mitten in der Mitte der Stadt liegt.

Wir-bräuchten-noch-einen-Times-Square-Grüße

Miez

* mal ein bißchen angeben mit meinem Wissen: Dort, wo nun das Upper East Side steht, war früher ein leerer Platz und ein Hotel, das noch original DDR-möbliert war und das einzige Hotel, das noch vor der WM 2006 abgerissen wurde.

6 Gedanken zu “Dinge, die man so nicht sagt…

  1. Also als echter Berliner kann ich behaupten, dass „Goldelse“, „Spinnerbrücke“ und „Bierpinsel“ wirklich so genannt werden. Und es gibt noch die „schwangere Auster“ 🙂 Alles andere ist doch Mumpitz xD

  2. Einen ähnlichen Kommentar hab ich vor einer Weile schonmal gelesen, ich glaube in der Zitty, und eins war mir da aufgefallen: Der Kommentator beklagte das Wort „Prenzlberg“ und da kann ich nur sagen, meine Ur-Ossi-Prenzlberger Freunde sagen auch Prenzlberg! Jawohl!

  3. Hmm, Sony Center ist ziemlich Times Square mäßig… und das Kanzleramt sieht natürlich nur wie eine Waschmaschine aus, als Namensbezeichung habe ich es noch nicht gehört.
    Ansonsten während ich in Prenzlauer Berg aufwuchs… bedeutete es immer PrenzlBerg und mein Lieblingsort (als Kind) Falkplatz, war uffn Falker 🙂

  4. Ich glaube auch, Plenzlberg kann man sagen, Ebenso wie Kudamm. Ist ja nicht so, daß der gemeine Berliner nicht auch Kreativität zum Neologismus besäße!
    Apropos Prenzlberg; kennt ihr da die LSD-Straßen?

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