Unhappy generation

Da wurde letztens viel über diese Generation, zu der wahrscheinlich auch ich gehöre, geschrieben. Besonders über die neue Männergeneration, die verhuscht mit Strickjacke sich ihren Depressionen hingeben. Schmerzmänner einer Schmerzgeneration. Nina Pauer sagt: Wir haben (keine) Angst; Meredith Haaf spricht sogar von Luxusproblemen.
Bei dem Wort Luxusproblem zieht der Therapeut geräuschvoll die Luft zwischen den zusammen gekniffenen Zähnen ein. Natürlich erinnern auf dem ersten Blick unsere Probleme im Vergleich der Probleme eines Straßenkindes in Manila an eine Persiflage. Die Generationen vor uns stellen sich hin und fragen: was habt ihr denn für Probleme? Wir haben den Krieg erlebt, sagen die Großeltern. Wir haben den Kalten Krieg erlebt, sagen unsere Eltern. Was können wir dagegen halten gegen die Atomkriegsängste unserer Eltern, gegen die Hungerwinter unserer Großeltern. Haben wir doch so viele unendliche Möglichkeiten uns zu verwirklichen, dass es sich anfühlt, als würden wir an einer tausendfachen Gabelung auf unserem Lebensweg stehen und nicht wissen, welchen wir nehmen sollen und welcher der richtige ist. Wir haben Angst davor nicht den richtigen zu nehmen, uns den Lebenslauf zu versauen, wenn wir eine Sache machen, die uns so gar nicht liegt, ja und dann müssen wir ja noch glücklich werden, ein Haus bauen, Kinder kriegen und den Mann, die Frau fürs Leben finden. Dazu international erfahren, immer flexibel und Jahre im Ausland gelebt haben. Und in uns immer die zweifelnde Stimme: bin ich wirklich gut genug?

All das tragen wir in uns und bekommen von Firmenchefs, die unsere 8-seitigen Lebensläufe gar nicht erst lesen und die seit ihrer Lehre in diesem Unternehmen beschäftigt sind, gesagt: Englisch sei keine Fremdsprache mehr, wenn man die 2jährige Berufserfahrung in den USA anspricht. Man wird gedeckelt und gedeckelt und muss sich immer und immer wieder behaupten. Ja, so sei das nun mal, weiterkommt der mit dem größten Maul, sprach der Löwe.
In der antiautoritären Spielgruppe haben wir das nicht gelernt. Und zu Hause mussten bald ein Farbfernseher her, statt schwarz-weiß und ein Eigenheim und ein Auto und ein Sparbuch mit Goldi dem Goldhamster. Und nun sind wir, die Nachfahren unserer Eltern, fertig mit dem Studium und alles was bleibt ist ein unbezahltes Praktikum. Wir sind in dem Alter, als unsere Eltern schon alles hatten, wir aber immer noch von ihnen abhängig sind. Ein Sparbuch haben wir auch nicht mehr, weil wir jetzt I-Phone, Mac Book und Starbucks haben. Wir sind die erste Generation, die weniger verdient als ihre Eltern, aber sich genauso viel leisten wollen. Wir stehen in der Pflicht, alles noch besser zu machen wie unsere Eltern. Genauso, wie es unsere Eltern es besser als unsere Großeltern gemacht haben.

Doch sind wir viel mehr fremdbestimmt als noch unsere Eltern. Natürlich mussten die sich auch gegen Arbeitslosigkeit behaupten, doch war das noch nicht die Zeit der Jahresverträge, die immer und immer wieder verlängert jedoch nur aus Kulanz eine Festanstellung werden können. Mit Gewissheit bleibt die Angst vor der falschen Entscheidung, die manche gänzlich lähmt und manche zum Arbeitssklaven werden lässt.

Diese Angst ist es, die es nicht zu lässt mit irgendetwas zu frieden sein lässt. Geht nicht alles noch höher, schneller, weiter. Auch wenn wir uns das Leben so erfüllen wie wir es gern wollten: in einer fremden Stadt leben, frei sein, jung und fit – so gibt es immer noch etwas, was uns unzufrieden lässt. Daran krankt eine Generation, die alle Möglichkeiten hätte, das zu tun, was sie wollte, doch ist es die materialistische Fremdbestimmung, die uns zu Sklaven dessen macht, was uns einen Status verleiht: Konsum und Darstellung.

 Vom-Glück-im-Verlieren-finden-Grüße

Miez

4 Gedanken zu “Unhappy generation

  1. Hm offenbar wird man bei deinem neuen tollen Blog nichtmal benachrichtigt, wenn man ne Antwort kriegt. *grummel* Schon wieder Grund genug, diesen Anbieter zu boykottieren 😦

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