Single in the City: Teil IV

Es war einmal in Berlin, als sich 5 fantastische Single Freundinnen in einer Neuköllner Kneipe trafen um den thirty-something Geburtstag der einen zu feiern. Alle Fünf sind auf ihre Art einzigartig. Sie sind groß, schlank, haben eine ordentliche Körbchengröße, sind charmant, witzig und intelligent – und doch alle ohne Mann. Woran liegt das, fragen sie sich bei Wodka Lemon und Cuba Libre und versuchen, wie schon damals bei HBO verfilmt, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Wir reden über Frau Pauers Schmerzmänner und über die Spiegel-Antwort von Herrn Scheuermann. Die von Frau Pauer beschriebenen bestrickjackten Männer mit Zwergenmützen hatte ich bis dato nur für spanische Touristen gehalten, aber es scheint sie tatsächlich auch in unseren Breitengraden zu geben. Nun ja, wer sich mit einem verhuschten Jüngling, der nur halb so viel wiegt wie man selbst datet, der ist auch selbst schuld und darf doch keinen Macho in Cowboyposen erwarten. Ich erwarte ja auch von keinem Bodybuilder, den ich mir bei McFit aufreiße, dass er während einer soziologischen Debatte sein Klöppelset-to-go raus holt. Wenn er es tut, freue ich mich über die Nicht-Klischee-Erfüllung seiner Muskeln.

Ich denke ehr, dass dieses Schmerzentum und dieses Nachdenken, ja dieser Grübelzwang und die verwerthisierung unserer Generation Geschlechterunspezifisch ist und sich nur insgesamt anders ausdrückt. Wir sind die Kinder der Revolution, wir sind die Kinder unserer Eltern, die für die mannigfache Freiheit, die wir heute haben, gekämpft haben, nur leider wird diese zu unserem Stresstest. Wir leben in der post-68er Welt, die uns per se alles ermöglicht und uns gleichzeitig dazu drängt uns selbst bis zum ultimo zu finden und uns zu verwirklichen. Gleichzeitig realisieren wir, dass die die damals Maohemden getragen haben und Reden für Liebe, Gleichheit und Umwelt mit ihrer Wandergitarre sangen, heutzutage unsere Chefs sind und von Praktikanten eine unentgeltliche 40-Std-Woche erwarten und Flexibilität und ein Höchstmaß an Einsatz und Disziplin verlangen.
Es sind die, die für Butterbrotpapier warben und Alufolie verteufelten und sich trotzdem nicht für den Atomausstieg erwärmen können, es sind die, die uns Politikverdrossenheit und Oberflächlichkeit vorwerfen, nur weil wir in der totalitären Verwirrung von Identität und Wahrheit verstrickt sind. Die Leiden des neuen jungen Werthers haben kein Geschlecht. Also liebe Frau Pauer, fangen sie das Stricken an, oder orientieren sie sich an die Anzugträger, das empfiehlt ja auch Herr Scheuermann.

Ich selbst stehe ja sehr auf Anzugmänner. I prefer Gentleman. Der Anzug an sich ist ja auch eins der männlichsten Kleidungsstücke die es noch gibt. Meist sind es doch die, die elegant und reserviert aussehen, die mit einem dann für einen Quicky auf der Restauranttoilette verschwinden. Skater-Typen tun das nicht – wohin auch mit dem 300 Euro teurem Board und Hipster würden sich im Vollbart verwickeln auf einer engen verranzten Toilette. Deshalb auch Restaurant und nicht das billigste, da hygienisch rein…
Erzähle ich von Anzugträger und schwärme von Österreich werde ich fast ausgebuht. Zu spießig, nein, so etwas wollen die anderen nicht. Sie wollen aber auch keinen Mann der sagt: ich habe schon ein Haus gebaut, die passende Frau würde sich schon finden und auch keinen, der seine Freundin eifersüchtig beschuldigt einen Mann mehr als eine 10tel Sekunde angeguckt zu haben und selbst mit Blondinen chattet.
Sage ich dann, dass ich dieses ganze Pärchending mit: Schatz, heute kochen wir zusammen, hach, wir kochen so gern zusammen, ja gar nicht leiden kann, werde ich wieder mal verdutzt angeschaut. Okay, zusammen kochen steht anscheinend überall hoch im Kurs. Ich koche lieber für Leute statt mit Leuten, weil ich gern mein Ding mache und mich nicht so gern unterordne.

Als ich mich beschwere, dass man in Berlin so gut wie nie angesprochen wird und ich mich wundere, dass meine anderen Freunde immer, wenn sie nur wollen, jemanden abschleppen, ich aber nicht, werde ich aufgeklärt. Die wunderschöne Gazelle neben mir erzählt, dass bei ihr der Groschen gefallen sei, als ein Mann ihr seine Nummer zu steckte und sagte: du bist die erste Frau, die ich anspreche und der ich meine Nummer gebe. In Berlin ist Mann es sonst gewohnt, dass Mann von Frauen angesprochen wird. Seitdem geht die Gazelle zu den Typen und wartet nicht wie ich, dass der Prophet zum Berg kommt.

Alles muss Frau selber machen, aber ich bin einfach zu schüchtern, altmodisch und kurzsichtig um Männer anzusprechen und warte lieber, bis wieder mal ein Bootsbauer vorbei kommt.

Sometimes-life-is-like-Sex-and-the-City-Grüße

Miez

3 Gedanken zu “Single in the City: Teil IV

  1. Ich oute mich mal. Ich bin auch kurzsichtig, altmodisch und schüchtern. (Höraufzulachen!! ;))
    Aber mich verbiegen, nur um abgeschleppt zu werden – oder abzuschleppen, je nach Betrachtungsweise? Och nö. Bleib mal so, wie Du bist. ♥
    Zugegeben, als mich der Blitz getroffen hat, habe ich meinen Traumprinzen auch – ganz dezent – angebaggert. Aber das war dann auch dem klaren Gefühl „DER oder keiner!“ geschuldet.

    Aber zusammen kochen? Wir zu zweit in der Küche?? Geht gar nicht, dann fliegen die Fetzen. Ich koche auch lieber alleine für andere, ohne dass jemand um mich herumwuselt und hilfreich im Wege steht… 😉

    Ich glaube, indem Du „Dein Ding machst“, Dich nicht unterordnest und vor allen Dingen keinem Kerl hinterherrennst, bleibst Du authentisch, und es gibt wirklich Männer, die das honorieren. Frag mich nicht wo, aber sie gibt es.

    *liebdrück*

  2. Kochen ist für mich auch eine einsame Kunst, da bin ich viel zu penibel. Gerade mal Gemüse schnippeln darf meine liebst da, wenn sie sich aber auch streng an die Anforderungen hält! Nein, Die Möhre nicht in Scheiben, in Streifen, verdammt nochmal! 🙂

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