Mal nachgedacht…

Auf dem Weg zur Party überlegte ich, warum es wohl so sei, dass sich sämtliche westlichen Großstädte den Titel „Hauptstadt der Singles“ gesichert hatten. Ich überlegte, warum meine Klassenkameradinnen aus der Realschule, die alle in der niedersächsischen Provinz auf dem Dorf geblieben sind schon verheiratet und mindestens 2 Kinder haben. Ich habe für mich selbst entschlossen, dass ich diese Wiese nicht als grüner empfinde, sondern eigentlich mit meinem Lebensstil recht zufrieden bin. Trotzdem frage ich mich, wie eine Institution wie Familie in Großstädten fast ausgestorben zu sein scheint, hingegen aber auf dem Land einfach normal und so gar nicht so schwer zu erreichen.
Thees Uhlmann singt in seinem Lied Lat: 53.7 Lon: 9.11667 über das Heranwachsen auf dem Land und kommt auch auf das Thema Liebe zu sprechen:

„Hier gibt es Restaurants, in die niemand geht,
Weil das Essen um Punkt sechs auf den Tischen steht.
Hier gibt es Kühe auf den Weiden und Atomkraftwerke
Und reden war noch niemals unsere stärkste Stärke.
Haben hohe Himmel im tiefsten Blau.
Hier nimmt man seine Jugendliebe noch zur Frau.“

Als ich das überlege fahre ich durch Kreuzberg. Für Jetsetter und Berlinliebhaber die alternative Neverland-Ranch, auf der sie nie erwachsen werden müssen und angezogen wie Peter Pan und Tinkabell – auch Hipster genannt – sich und die Nacht befeiern.  Vielleicht liegt es daran. An den bunten Lichtern, an der Musik, an der ewig neuen Möglichkeit, die eine Großstadt ermöglicht. Neuer, toller, schneller, weiter – steckt hinter jeder Ecke. Vielleicht gibt es zu viel Ablenkung und daher die Angst etwas zu verpassen, wenn man sich bindet oder gar ein Kind erziehen muss, sich also somit total an einen Menschen bindet, wie es nur geht, weil er ja aus den eigenen Lenden entsprungen ist. Es wird also nicht langweilig und es gibt noch so viel zu tun, zu entdecken – da hat man keine Zeit etwas zu verpassen und kann ein bisschen länger nicht erwachsen werden. Mit Wehmut denkt man höchstens an einem verkaterten Sonntagnachmittag, wenn man um 14:00 Uhr aufsteht, dass es doch nun schön wäre einen Partner zu haben, der einem Tee macht und Rollmops zum Entrauschen bringt.
Und vielleicht liegt es daran, dass diese Reizüberflutung auf dem Land fehlt und es eben nicht jeden Abend Spätvorstellung gibt, oder man auch am Montag noch zur After-After-After-Hour gehen kann. Vielleicht weiß man da noch zu schätzen, dass es sehr schön sein kann, abends nach Hause zu kommen, zur Familie, anstatt abends sich in Kneipen zum Eckenraten zu treffen.

Hat-dazu-einer-mal-ne-Studie-gemacht-Grüße

Miez

6 Gedanken zu “Mal nachgedacht…

  1. Ich zähle mich ja zur „Land“-Fraktion und ich denke, wenn es letztes Jahr aufgrund der besonderen Umstände nicht einfach passiert wäre, wäre ich auch noch lange nicht beim „Erwachsenwerden (müssen)“ angekommen, obwohl mich ebenfalls immer die Sehnsucht nach Familie gecatcht hatte.

    Dein Gedankengang betreffend der Reizüberflutung in Großstädten und der Möglichkeit, keinen Stillstand aufkommen zu lassen, ist natürlich verlockend, wenn es um die persönliche Entfaltung geht – ohne von anderen Parteien gehemmt zu werden.

  2. Ich weiß nicht, ob die Klischees vom Landleben *Realschule, Jugendfreundin heiraten, beschauliche Idylle, aber langweilig* heute noch wirklich passen.
    Reizüberflutung kann einem mittlerweile fast überall passieren.

    Wer ständig von der Angst getrieben wird, etwas verpassen zu können, wird deshalb nie zur Ruhe kommen – und somit vielleicht gerade an den wesentlichen Dingen des Lebens vorbeirennen.
    Vielleicht ist es bei manchen auch das Unvermögen oder die Angst davor, sich auf sich selbst konzentrieren zu müssen und eigene (An-) Reize zu schaffen, anstatt sich von außen berieseln zu lassen.
    Wenn man sich sein Leben selbst „reiz-voll“ genug gestalten kann, wird die äußerliche „Überflutung“ schnell überflüssig.

    Ich lebe inzwischen gerne etwas abseits der „großen Reizüberflutung“, ob ich deswegen erwachsen geworden bin, halte ich allerdings für ein haltloses Gerücht. ;))

  3. Ich bin ja ein Landei und mit dem, was du schreibst, liegst du schon ganz gut.

    Hier habe ich inzwischen schon so ziemlich alles gesehen. Ich war in allen Discos, auf allen Partys, in allen Bars. Ich bin 100x verkatert aufgewacht et.
    Irgendwann reicht das einfach.
    Dann denke ich mir, dass ich inzwischen schon genug „Spaß“ hatte und das mich das jetzt nicht mehr befriedigt und das es noch etwas anderes im Leben geben muss. Und dann möchte ich das gerne um irgendetwas „Sinnvolles“ anreichern (z. B. ein Kind).

    Liebe Grüße
    Sternenkratzer

  4. das verkatert aufwachen brauche ich auch nicht mehr..aber manchmal denke ich, ich komme nie aus der Feierei raus und dann stelle ich mich mir aus durchgeknallte alte vor und die jungen Leute im Club fragen mich, ob ich hierher zu sterben gekommen bin ^^

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