Ich bin eine Nanny

Früher, als ich noch auf der Überholspur gelebt habe, dachte ich immer Sozialarbeit sei nix für mich. Kein Glamour, kein Jetset, keine Prestige. So jettete ich jahrelang durch die Gegend, schlecht bezahlt oder auch mal gar nicht, abgenervt von Chefinnen und ausgebrannt und träumte von einem Burberry Trenchcoat, den ich mir eh hätte nie leisten können, bis sich eben mein Leben letztes Jahr so radikal änderte.
Nun bin ich also immatrikuliert und muss mein Leben finanzieren. Das heißt, ich arbeite. Als Nanny. Oder ehr gesagt, als studentische Aushilfe für einen Verband der sich um Kinder kümmert die temporär nicht bei ihren Eltern bleiben können.

So hüte ich nun 3 Kinder im alter von 1,5 bis 6 Jahren. Sind die beiden großen in der Kita, kümmere ich mich um die Kleine. Ich wechsle Windeln, robbe auf Knien rum, spiele Mensch ärger dich nicht, gehe auf Spielplätze und koche Mittagessen und es fühlt sich zum ersten Mal an, als würde man etwas wirklich sinnvolles tun. Einen Menschen zu begleiten, ihm etwas bei zu bringen und ihn mit zu prägen und dafür ein Lächeln zu erhalten ist so wunderschön – und ich hätte nie gedacht, dass ich jemals diesen Satz sagen oder gar aufschreiben werde.

Nun bin ich also oft in Berlin mit Kinderwagen unterwegs, das Kind muss ja an die frische Luft, und man muss feststellen, dass man Kinderfreundlichkeit fast nach Bezirken aufteilen kann. Während man in Schöneberg böse angeschaut wird, sobald man mit Kleinkind ein Café betritt, sind die Blicke in Kreuzberg ganz anders. Fast jeder schäkert mit der Insassin des Buggys rum, fremde Leute werden zu Clowns um ein kleines Lächeln zu bekommen, an Bahnsteigen ohne Fahrstuhl stehen Männer Schlange um mir den Kinderwagen hochzutragen. Weitere Feldstudien folgen.

Und-alle-denken-ich-bin-die-Mutti-Grüße

Miez

6 Gedanken zu “Ich bin eine Nanny

  1. schön. das klingt nach einer schönen arbeit. bei h&m an der kasse kann ja jeder. obwohl…stimmt auch nicht. bin gespannnt was deine weiteren feldstudien ergeben.

  2. Ich finde, wenn man sich mit Kindern beschaeftigt, scheinen die eigenen Probleme soooo weit weg. Sie wollen einfach nur Ansprache und Zeit haben, um sich mit ihnen zu beschaeftigen.
    Heute aergere ich mich, dass ich nicht irgendwas mit Kindern gemacht habe….

    LG
    Kerstin

  3. Also ich finde das total toll und bin sogar ein bisschen neidisch auf dich.
    DU machst wenigstens etwas Sinnvolles und das ist schon ziemlich Befriedigend.

    Liebe Grüße
    Sternenkratzer

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