Weihnachten im Pyjama

Mein zweites Weihnachten alleine auf der Couch. Das Erste war von Heimweh zerfressen im verschneiten Chicago, mit Magen-Darm und einer Staffel Ich heirate eine Familie. Dieses ist voller Ruhe in der Unverschneiten Heimat, mit Magen-Darm und Sex and the City – Der Film.

Die Temperaturen draußen ähneln denen im Sommer und auch sonst freue ich mich über einen Winteranfang ohne Schnee und Plustemperaturen. Dieses Jahr war mir noch unweihnachtlicher als die Jahre davor. Schaue ich mir Berlin an, was im Regen noch trister hinter Plattenbauten und 60er Jahre Sichtbetonbauten hervor lugt, so machen die wenigen Lichterketten  das vorweihnachtliche Spiel nur noch erbärmlicher.
Da vermisse ich Chicago mit dem CTA Christmas Train, die geschmückten Straßenlaternen und die light Pollution. Dort ist Weihnachten zuckerbuntrosa verkitscht und nicht wie hier ein lamettertes Frustnachten das schon Anfang September mit dem Kampf um die beste Spekulatiusauslage beginnt.

Aber seien wir ehrlich. Weihnachten ist nur schön, wen man selbst noch ein Kind ist, oder schon eigene hat, die man beschenken kann. Ich erinnere mich an die bunten Fensterbilder, die meine Mama mir jedes Jahr ans Fenster klebte, an die Lichterkette um den Rahmen und ich meine Wange und abwechselnd meine Stirn an die kalte Scheibe gepresst, den Atem beobachtend, wie er sich darauf niederschlägt. Den ganzen Dezember über stand ich kurz vor dem Herzinfarkt wegen der Aufregung vor Weihnachten, terrorisierte meine Eltern am Heilig Abend, dass es schon manches Mal um die Mittagszeit Bescherung geben musste. Danach brachte Papa das Licht in der neuen Puppenstube an, der Barbie Ferrari wurde ausgefahren und Lego zusammen gebaut.

Noch während ich diesen Text hier schreibe, wird Weihnachten 2011 vorbei sein und vor uns liegen TV-lich schlecht bestückte Feiertage und ich stelle mir mit Neid alle Pärchen vor, die ich kenne. Wie sie zufrieden und glücklich in die Wiege des Neugeborenen schaut und er von hinten an sie herantritt und ganz innerlich seinem god blessed wife dankt. Im Hintergrund knistert der Kamin. Alle haben in meiner Phantasie einen Kamin und trinken guten Rotwein, auch wenn sie gerade stillen. Ich gönne jedem dieses Bilderbuchglück und bin doch, um ehrlich zu sein, ein wenig neidisch, weil ich auch so etwas haben will. Stattdessen habe ich Schuhe, Sex and the City und zwei Katzen und wiege in etwa so viel wie alle 4 Girls von Sex an the City zusammen. Für die Katzen gab es heute übrigens Lachs und Hochseefisch nach Art des Küchenchefs und für mich eben Zwieback und Tee. Frohe Weihnachten!

Miez

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