Von Liebe und Cheeseburgern

Ich scheine wie Fast Food für Männer zu sein. Ich wecke eine große Begierde, mache Appetit, man will mich haben – aber zur täglichen Ernährung scheine ich nicht zu taugen. Ich bin ein zu konsumierendes Genussmittel, für den Augenblick, danach bin ich vergessen oder mache vielleicht ein schlechtes Gewissen.
Manchmal wünschte ich, ich hätte nicht so große Brüste und sie würden nicht so sehr von meinem Inneren ablenken. Dabei steckt ein Herz das schlägt und eine Seele hinter dieser Brust.
Als ich das schreibe, höre ich Thees Uhlmanns Finger über die Saiten der Gitarre rutschen und ihn singen:

„Und wie häufig schlägt dein Herz?
Wie häufig siehst du himmelwärts?
Und wie häufig stehst du auf?
Und freust du dich darauf?
und Jay-Z singt uns ein Lied“

Ich blättere durch das Facebookalbum meiner ersten Jugendliebe und sehe ihn mit seinem Sohn. Wische krude Gedanken zur Seite und ganz tief in mir ruht die Gewissheit, für immer allein zu bleiben. All das nie zu haben. Doch spreche ich mit meinen männlichen Freunden darüber, die schon Familie haben, da haben ihre Augen immer so einen Funken Melancholie inne, wenn sie vom Glück ihrer Ehe sprechen, auch wenn sie sagen, sie seien glücklich. Sie vermissen das Quäntchen Unabhängigkeit, Leichtigkeit und ein bisschen weniger Verantwortung. Dem Alltag trotzend suchen sie all das in einem Atemraubenden Abenteuer ohne Konsequenzen.
Ich habe schon so viele solcher Geschichten gehört, dass ich nicht mehr weiß, ob es besser ist Ehefrau oder Geliebte zu sein. So viele spotten über Frauen die Geliebte sind, aber will man wirklich die sein, die betrogen wird? Oder doch die, die niemals Socken waschen muss?
Und doch ist da der Blick in dunkelblaue Augen beim Biss in den Cheeseburger, dass die Zweisamkeit begrenzt ist, dass man auf all das keinen Anspruch hat und nach dem Essen die Freiheit wieder lockt und er zu ihr nach Hause fährt.
Im Leben bin ich es nicht gewohnt die Zweite zu sein, in der Liebe habe ich mich daran gewöhnt. Schon immer waren meine Ansprüche so hoch mir selbst gegenüber, dass ich immer die Beste, Erste, Perfekteste sein wollte und es auch meistens war. Höher. Schneller. Weiter. – War das Credo, mein Mantra, was mich gegen die Wand fahren ließ. Mit voller Wucht, dass es mir all meine Knochen brach und ich zu Fuß weiter gehen musste.

In der Schönheit des Moments der Zweisamkeit – der ohne Konsequenzen, der ohne Alltag, der mit Besonderheiten – kann ich mich fallen lassen. Verantwortung abgeben, die ich immer und völlig alleine für mich trage. Das war schon immer so, und das auch viel zu früh. Ich lasse Hände über meinen Körper gleiten, mich liebkosen Lippen, die vorher wunderschöne Worte flüsterten. Und im Moment der Vereinigung ist es nicht Liebe, die uns dazu treibt, sondern einfache und ehrliche Begierde. Sex ist so viel ehrlicher als Liebe.
Und vielleicht ist sie oder deren Kummer nur eine Erfindung der Schuhindustrie und nicht Hollywoods.

Des nächtens, wenn ich meinen eigenen schönen Lieblingstraum träume, dann ist es der, dass ich aus großem Kampf halbtot hervor gehe. Gefunden werde und zum Krankenbett getragen werde. Meine Augen sind geschlossen, ich bin ohnmächtig und doch fühle ich all die Liebe und Fürsorge von den meinen, die mir sonst so fehlt. Ich höre das Murmeln des Betens, wenn sie an meinem Bett knien und sich wünschen, dass ich nicht sterben, sondern wieder gesund werden solle. Und ich bin so ummantelt von ihrer Liebe, dass ich weiß, hier kann mir nicht, rein gar nichts passieren. Ich bin in Sicherheit.

Im wahren Leben ist Sicherheit nicht mein Begleiter. Dazu verlangt es viel zu sehr von mir und meinem Ich. Es ist so, dass ich mich selbst nicht leiden kann und mich zu sehr für meinen Körper und mein ich schäme. Und gern würde ich mein Gegenüber als pervers bezeichnen, wenn er meine Formen bewundert und ich es absolut nicht verstehen kann, dass er sich bei meinem Anblick nicht übergeben muss. Da ist dieser Hass in mir, die Sucht mich zu geißeln, in den Hungerturm zu sperren und einfach anders auszusehen, als ich es jetzt bin.

Dass ich anders bin, dass hab ich schon so oft gehört. Als Nerd wurde ich bezeichnet oder als Amelie Poulain. Das scheint auf viele fremdlich, uneinschätzbar zu wirken, und es hat lange gedauert, bis ich mich so akzeptiert habe, wie ich bin. Zumindest kann ich das von mir und meiner Seele sagen. Wir haben Frieden geschlossen und sind authentisch. Es ist wichtig gegen den Strom zu schwimmen und nicht im Meer der Austauschbaren unterzugehen.

Ich höre immer noch Thees Uhlmann singen und seine Finger über die Saiten der Gitarre gleiten. Und ich weiß, dass da draußen mehr ist, als eine Bund Schmetterlinge im Bauch. Liebe macht blind, Freundschaft öffnet die Augen und kann viel langlebiger und inniger sein, denn ich weiß, dass mindest einer in Thees Worte mit einstimmt:

„Meine Hände sind ständig in Bewegung
solang‘ ich denken kann, bin ich nervös
Das liegt daran, dass ich hoffe, dass dir nichts zustößt
Es gibt eine Zeit zu beten
Es gibt eine Zeit zu steh’n
aber heute ist der Tag zu knien
um dich auf Augenhöhe wieder zu seh’n“
 
 
 
Zu-viel-Fastfood-verwirrt-Grüße
Miez

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