Banken in die Schranken – Erwachen aus dem Alptraum

Zu meinen Kindheitshelden gehörte neben Captain Future auch immer Robin Hood. Der Mann, der im Sherwood Forest lebte und die Reichen bestahl um das Geld gerecht unter den Armen und Kranken verteilten.
Damit hielt er seinem Widersacher, dem Sheriff von Nottingham, dem personifizierten Schlechtmensch, immer wieder den Spiegel vor und lebte mit seinen Kumpanen, die durch das (falsche und ungerechte) Urteil des Sheriffs in Ungnade gefallen waren, zusammen.
Dort in diesen Geschichten sind Unrecht und Recht noch ziemlich klar zu erkennen. Der eine nimmt um seinen Reichtum zu vermehren und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf Gebrechliche, Alte und Arme. Die anderen werden gezwungen zu geben, weil es eben so ist, auch wenn es völlig unlogisch ist, wenn man fast alle seine Einnahmen hergeben muss und dann kein Geld mehr bleibt, um zum Beispiel Saatgut zum Bestellen der Felder zu kaufen. So basierte schon in Sagen und Legenden der Reichtum der Einzelnen auf der Armut von vielen.

Robin Hood jedoch versucht dort Einhalt zu gebieten und kämpft mit Pfeil, Charme und Bogen gegen den kapitalistischen Mehrwert des Sheriffs von Nottingham – und gewinnt am Ende. Ist doch klar, er ist schließlich der Held! Dann kehrt noch schnell Richard Löwenherz zurück und das Land wird wieder mit gutem Gewissen und reinem Herzen und Verstand regiert.

Von Helden will unsere Politik heutzutage nichts mehr wissen. Sie sitzt immer noch im Verließ, wie damals Richard Löwenherz, doch hat sie sich freiwillig in die Hand des Kapitalismus begeben. Der „Survival of the Fittest“ wird so selbstverständlich akzeptiert, wie schlechtes Wetter im Herbst. Darwins Theorie wird hier zur Maxime des Kapitalismus und das in einer Gesellschaft in der jeder die arme Gazelle bemitleidet, die von einem Krokodil beim Trinken an einer Wasserstelle gerissen wird, jedoch nicht die Familie in Detroit, die ihr Haus verliert, weil windige Finanzhai ihnen einen Kredit gegeben haben, die sie nie im Leben decken konnten.

Tja, das ist halt so, da wird an den eigenen Menschenverstand appelliert, jeder ist seines Glückes Schmied und so weiter. Das ist der hochnäsige arrogante Blick auf die Welt, von den realitätsfernen Politikern und derer die deren Meinung vertreten. Spricht man Löhne von Geringverdienern an, in die nun auch Branchen gerutscht sind, bzw. gerutscht worden sind, die früher noch gutes Mittelmaß waren, dann wird erst die ver-rückte Sehweise klar. Da sind Krankenschwestern, Altenpfleger, Kellner und Friseure, die in Schichtarbeit und allzeit bereit so gering bezahlt werden, dass der angesetzte Mindestlohn meist um einiges höher liegt, und deren niedriger Lohn zur Ausnahme erklärt wird. Aber auch das Outsourcing von vielen Arbeitsstellen und dann das Wiedereinstellen der gleichen Person, nur über eine Fremdfirma und für die Hälfte des Geldes wird für die Fälschung der Arbeitslosenstatistik gefeiert und als Weg zur Vollbeschäftigung ausgezeichnet. Ebenso aufgestoßen ist mir, bei meiner Suche nach einem Studentenjob, die vor Frechheit strotzenden Tätigkeitsbeschreibungen für studentische Aushilfen, die eigentlich ausgelernten Kräften mit mehrjähriger Berufspraxis vorbehalten werden sollen. 

In dieser von der Realität entrückten Lage auf dem Arbeitsmarkt, in dem schon die Ellenbogenmentalität antrainiert wird, sitzen Politiker, Konzernmanager und Bankenchefs breitbeinig da und kraulen sich gegenseitig die Eier. Denn eigentlich haben sie uns soweit, wie sie wollen. Sie haben uns als Spielball, als reproduzierbare Ware, als Menschliches Material, was nachfüllbar ist, wenn es ausgelutscht ist. Die Steigerung des Profits ist oberste Tugend. So wird also das Scheitern des Individuum, bzw. dem Hamster im Rädchen jedem selbst zu geschoben, aber steht eine Bank oder ein Land vor der Pleite, geht das natürlich nicht und es werden eifrig Spenden transferiert. Die aber wieder einmal nicht da ankommen, wo sie eigentlich benötigt werden.

Weil sie „too big to fail“ sind werden wie selbstverständlich Gewinne privatisiert und Schulden sozialisiert. Wieder wird der Hamster im Laufrad – also wir – zur Kasse gebeten um eine Bank zu retten, die einen Staat in ein Schuldenloch gerissen hat, verantwortlich ist für finanzielle Desaster einzelner, weil nicht nachhaltig gewirtschaftet wurde, sondern nur nach dem Prinzip: höher, schneller, weiter.
Jeder normale Mensch weiß, dass es nicht immer nur Aufwärts geht im Leben, doch dem Kapitalismus und seinen profitgierigen Machern ist das egal. Immer nur weiter, weiter, weiter, bis der totale Absturz kommt. Bis nichts mehr auf natürlichem Weg zu retten ist, alle Angestellten ihre Koffer packen müssen und die Manager noch eine Abfindung in Millionenhöhe bekommen. Man darf ja nicht vergessen, was der so geleistet hat, wird dann gesagt, wenn der Zorn in einem aufsteigt.
Warum bekommt die allein erziehende Akademikerin nichts, die wegen ihres Babys nicht Arbeiten gehen kann, weil es eben keine Betreuungsmöglichkeiten gibt und nun von Hartz IV lebt, davor aber viel geleistet hat. Achso, das ist wieder was anderes.

An dieser Perversität erkrankt unsere Gesellschaft und wird dabei sterben, elendig verrecken, wenn Korruption und Bestechung so öffentlich akzeptiert werden. Jeder sieht diese unglaublichen Lügen, diese Ungerechtigkeit, die im Namen des Kapitalismus für selbstverständlich erklärt werden. Das, was dort oben geschieht ist gegen all unsere Werte. Die, die über uns bestimmen, uns regieren und unsere Zukunft bestimmen sind Räuber, Statistikfälscher, Falschspieler. Setzen wir etwas in den Sand, werden wir bestraft. Rechnen wir einen Pfandbon falsch ab, werden wir entlassen. Tun das Manager, passiert nichts! Gar nichts!

Dies ist keine gerechte Gesellschaft mehr. Wie sollen unsere Kinder mit einem gesunden Selbstverständnis für Ehrlichkeit und Gerechtigkeit aufwachsen, wenn ihnen all das von den obersten vorgelebt wird, was ihnen die Kinderstube verbietet? Das ist ein unglaubliche Verlust und Verfall der Werte, für alles, was eine zivilisierte Gesellschaft ausmacht. Es ist unfassbar im Jahre 2011, sonst kennt man so etwas aus den Jahren 1789 und 1848.

Doch nicht nur uns – in der ersten Welt – betrifft dieser Profitwahn. Die 3. Weltländer leiden besonders unter der Finanzmiesere, weil oft Staatsanleihen mit Lebensmitteln getätigt werden, deren Preise dadurch rasant in die Höhe Steigen und wiederum zu Hungersnöten führt. Auch hier wird wieder klar: Wohlstand einzelner lebt von der Armut vieler.

Es darf nicht so weiter gehen, weil es einfach nicht mehr lange so weiter geht. Wir richten uns selbst zu Grunde, wenn wir nicht jetzt agieren und etwas ändern. Es ist Zeit etwas zu ändern. Deshalb kam es heute in Berlin und Frankfurt zur Umzingelung des Banken- und Regierungsviertels. Es ist in Zeiten wie diese wichtig zu zeigen, dass wir diesmal nicht still halten. Das wird einen friedlichen Systemsturz wollen und brauchen. Auch der, der nicht mit auf die Strasse geht, kann vom Computer aus mit unterstützen: Campact

Es wird Zeit etwas zu ändern!

Mieze

PS: mehr Bilder zur Demo gibt es demnächst hier.
PS: mehr Videos gibt es hier, und hier

2 Gedanken zu “Banken in die Schranken – Erwachen aus dem Alptraum

  1. Ich finde, man macht es sich zu leicht wenn man sagt „wir müssen etwas verändern“, ohne gleichzeitig zu sagen, -was- genau man verändern muss, und wie das möglich sein soll.

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