ReBlog; Von Milchschaum und Brüsten – Teil 1

Ich sitze im Café Fleury und freue mich, dass mein Café au Lait ohne Milchschaum ist. Ich mag keinen Milchschaum und denke fast mit Ekel an die aufgeschäumte Kaffeekultur. Das Schönste am Latte ist doch der Milchschaum höre ich die Leute immer sagen und blicke mich im Café um.
Gut besucht wie immer liegt das Fleury auf der Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg. Es ist unaufgeregt hip und zwischen den Stoßzeiten meist mit Muttis plus Babys bestückt, mittags und abends mit geschäftigen Geschäftsleuten und jungen Kreativen. Die Touristen nicht vergessen, meist Deutsche und Amerikaner, die echtes französisches Flair auf knapp 150m² mit Unisextoilette und Selbstbedienung genießen möchten. Nun sitz ich hier und genieße meinen Café au Lait und beobachte flachbrüstige Frauen beim hastigen Löffeln und Auskratzen des restlichen Milchschaums in ihrem Latte Macchiato Glas.
Na ja, wer beim Franzosen Latte Macchiato bestellt…aber lassen wir das.
Ich wundere mich über diesen Milchschaumhype und frage mich wann er angefangen hat. Es muss dann gewesen sein, als Frauen anfingen Plastikflaschen mit stillem Wasser in ihren Handtaschen umherzutragen und Cappuccino noch zu stark aber nicht mehr chic genug war, weil man nun nur noch Latte Macchiato trank. Ich mag übrigens die Leute nicht, die immer noch Latte Machjato bestellen, noch schlimmer aber Matte Muchacho und am allerschlimmsten mit Haselnusssirup oder Vanille. Igitt.
Cafe Fleury
Milchkaffee trank man weiterhin nur noch im Mezzo in Hannover, natürlich nicht ohne den Milchschaum abzulöffeln. Dann kam irgendwann Bärenmarke auf die Idee Milchschaum in der Sprühdose zu erfinden, quasi Luft in Tüten, aber na ja. Fast jeder den ich kenne, inklusive mir, besitzt mindestens einen Milchaufschäumer, der natürlich nur Milch von 3,5% Fett schäumt, was man aber nicht trinkt, sonst könnte man ja gleich Sprühsahne auf den Kaffee machen, man will aber lockerleichten fettarmen Milchschaum – das Schönste am Kaffee.
Für mich wirken Sprüche von Baristas, die sagen: mit extra viel Milchschaum, genauso bedrohlich, wie die Douglasverkäuferin, die mir eine Hautmaske als Probe mitgibt und sagt: gegen Pickel und vergrößerte Poren. Na vielen Dank, denke ich und tausche Maske gegen Parfümprobe für Männer und löffle den Schaum vom Kaffee in den Mülleimer. Ich mag keinen Milchschleim.
Ganz hip ist es ja jetzt in Friedrichshain und Prenzlauer Berg, also Berlins kinderreichsten Bezirken, für Kinder eine Tasse Milchschaum mit Honig zum Preis von 50 Cent anzubieten. Letztens habe ich auch selbst erlebt wie ein Finn Thorben Malte seine Ray Ban bebrillte Mutter um etwas Milchschaum bat. Was soll aus solchen Gentrifikationskinder aus dem Kreativkindergarten denn noch anderes werden als ein Milchschaumlöffelnder Graphikdesigner mit Macbook und Freitagumhängetasche? Kinderschicksäle werden heute zwischen WMF Vollautomat und Fair Trade Kaffee entschieden.
Komischerweise sind die Milchschaumlöffelnden Latte Macchiato Trinkerinnen meist recht flachbrüstig, und das obwohl immer mehr Diätbücher dem Latte den Geist ausmachen wollen, wie 0,3% Milch dem erschöpften Milchaufschäumer die Batterie. Generell läuft frau in Berlin gern oben ohne rum. Brüste jenseits der Doppel A sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Da wird die Frau mit Brust und unbemilchschaumten Café au Lait zur Rarität. Zum Alien mit Brüsten, hingegen wird die Milchschaumfraktion immer mehr unisexöser. Mann und Frau nähern sich figurtechnisch immer mehr an, der einzige Unterschied so scheint es zu sein zwischen den Geschlechtern ist, dass er den Milchschaum aus dem Cappuccino und sie aus dem Latte löffelt.
Generell komme ich zu dem Entschluss, das Milchschaum in Berlin über- und Brüste definitiv unterbewertet werden. Sage ich und bestelle noch mal extra Sahne zum Kakao.
Keine-Macht-dem-Milchschaum-Grüße
Miez

Ein Gedanke zu “ReBlog; Von Milchschaum und Brüsten – Teil 1

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