ReBlog; Single in the City – Teil 1

Nach einem ebenlichen Blick bei Stayfriends und der Feststellung, dass meine ehemaligen dämlichen Klassenkameraden aus Realschulzeiten wieder neue Bilder ihrer häßlichen Kinder hochgeladen haben, bestärkt meine Freude darüber Single zu sein. Mein derzeitiger Sarkasmus liegt wahrscheinlich an der zweiten Tasse Kaffee Marke Herztod, meine Freude darüber Single zu sein, ist jedoch konstant.
Hierbei ist anzumerken, dass ich nicht froh drüber bin, dass meine letze Beziehung zu Ende ist, sondern ich mich der Freiheit erfreue, alles zu tun, was ich will.
Zugegeben: Single zu sein in Deutschlands Singlehauptstadt ist nicht schwer, doch sind Stuttgart, Hamburg, München und Chemnitz der gleichen Meinung, dass es bei ihnen ebenfalls elendig schwer sei jemanden fürs Leben zu finden. Eine fragliche Auszeichnung.
Ich bilde mir ein, dass seit Sex & the City Single sein über 30 nicht mehr ganz so schlimm sei und gebe lieber Geld für Schuhe aus als für ein vernünftiges Abendessen. Ich habe ja niemanden, der zu Hause seine Socken neben den Wäschepuff schmeißt und auf ein Essen wartet. Die Katzen freuen sich auch über Fertigprodukte aus der Tüte.
Aus unerfindlichen Gründen bin ich trotzdem auf einer Partnerbörse angemeldet und schaue jedesmal dann rauf, wenn ich mich der Illusion hingebe, dass alles mit Partner schöner wäre.
Spreche ich mit meinen gemeinsamen Singlefreunden sind die, ob männlich oder weiblich, der Meinung, dass sie gemeinsame Entscheidungen wollen, ein gemeinsames in die Zukunft gehen – also eine Sehnsuch t nach Gemeinsamkeit, nach Wir-Gefühl, nach einer Identität, die sie als Single nicht hätten. Als ob das Ich eines Menschen davon abhängen würde, ob er einen Partner hätte oder nicht. Man ist ja nicht weniger Wert, nur weil man neurotischer Single ist, oder???
Hinzukommt, dass dem männlichen ewigen Junggesellen etwas erotisch geheimnisvolles anhaftet, wie z.B. George Clooney, wenn man denn so aussieht wie er, wenn man aussieht wie Helge Schneider erübrigt sich auch das. Frauen hingegen sind dann als Dauersingle weder geheimnisvoll noch sonstwas, sondern einfach nur vertrocknete Jungfern, de zu kompliziert scheinen um einen abzukriegen.
Da muss ich sagen, das stimmt ja gar nicht. Denn oft sind es die hübschen, intelligenten und unkomplizierten Frauen, die auf dem Markt übrig bleiben. Schaue ich mich in meinem Freundeskreis um, habe ich um mich einen Freundeskreis aus promovierten, hübschen Frauen mit echten Doktortiteln, die sich pflegen und hegen, lustig, schlank und schlau sind und trotzdem niemanden finden.
Denn seien wir mal ehrlich: die meisten Männer wollen sowas gar nicht. Das sieht man immer wieder auf Deutschlandsstrassen. Sitz man im Cafe und kaum biegt ein äußerst attraktiver Mann um die Ecke hängt ein kleiner bissiger Terrier, in Form einer häßlichen, keifenden, dicklichen Brünette an seiner Seite. Und man denkt: ähhmmm, wie jetzt??? Männer mögen insgeheim Zicken. Solche Frauen die ihnen ständig nachtelefonieren: wo bist du? und annörgeln: das fand ich jetzt aber blöd von dir! Auch wenn jetzt 99,9% aller Männer dies leugnen: ihr verwechselt eine Herausforderung mit einer nervigen Tussi. Das liegt eben daran, dass diese kleinen dummen Terrier genau wissen, was ihr Freund für eine Wirkung auf Frauen hat und deshalb rumzicken und ihn deshalb bewundern. Und wer mag es nicht, jemanden zu haben, der ihn bewundert?
Wir Traumfrauen hingegen müssen uns schon einiges anhören beim Zusammentreffen mit Männern. Meine Freundin (promovierte Hautärztin) wurde bei einem Date gefragt, was sie beruflich mache. Darauf antwortete sie kurz und knapp. Er hingegen meinte schnippisch: Deine Haut ist jetzt aber auch nicht die tollste.
Mir hingegen wurde schon mal in einem ganz besorgten Tonfall von einem Regisseur aus Mitte gesagt: was denn passiert sei, warum ich denn so viel dicker als auf meinen Profilfotos sei und ich doch schon ganz schön griffig wäre. Daraufhin stand ich auf, kippte ihm imaginär den Mai Thai über den Kopf, und sagte, ich müsse jetzt meine Katzen füttern gehen. Nach diesem Ereignis manifestierte sich in mir der Grundsatz: dass Dating Zeitverschwendung sei.
Vielleicht liegt das an der Qualität bzw. Quantität der Dates die man heute haben kann. Man erinnere sich noch an die Frauenromane von Hera Lind und Ildiko von Kürthy in der Frauen sehnlichst aufgeregt vor einem Date waren, wie eine 4-jährige am Weihnachtstag. Weil man eben Dates nicht ständig hatte. Dank Internet und Datingportalen kann man als Frau ständig Dates haben, jeden Tag mindestens eins, wenn man es drauf ansetzt, aber hierbei ist zu beachten, dass die Qualität enorm abnimmt.
Früher war es so, dass man sich ewiglich in Chats hin und her schrieb und feststellte dass man auf einer Wellenlänge lag, abends vor dem PC mit 56k-Modem saß und auf dem Chatpartner wartete und sich dann irgendwann traf. Heutzutage kommt nach der dritten Mail oft: ich mag es nicht zu schreiben, lass uns lieber Treffen. Und dann trifft man sich, und falls der Mensch auch dann tatsächlich kommt, wird es in 99% der Fälle katastrophal und langweilig. Oft werden aus Dialogen ein Wort und Antwortspiel, welches so monoton ist wie sms schreiben. Sind Menschen durch den Computer so autistisch geworden, dass sie nicht mehr einen einfachen Smalltalk beherrschen? Und dann sagen die Jungs nicht, wollen einen dann aber gleich abknutschen. Auch befinde ich mich grad wieder in einer Phase in der man als Frau die Rechnung dann selbst bezahlen muss. Vielleicht sind die Jungs durch viele Daten so abgebrannt, dass es noch nicht mal mehr für ne Cola reicht.
Aus diesem Grund bereicherte ich mein Profil mit dem Satz: I don’t play with boys, I prefer gentlemen. Und treffe mich nur noch zum ersten Dates in Coffeeshops und niemals zum Essen, damit man möglichst schnell wieder abhauen kann, falls es arg zu öde ist, denn auch ich habe keine Zeit und Lust meine Freizeit mit einem faden Menschen zu teilen.
Deshalb hatte ich seit meinem Single-Dasein bisjetzt nur ein sehr schönes Date. Er sprach mich klassisch in der Disco an, wir schrieben uns 3 Wochen Emails hin und her. Dann trafen wir uns zum Museum und gingen danach ins Kaffee. Quatschten bis sein letzter Zug weg war, ohne es zu bemerken und gingen dann zu mir. Leider entschloss sich der charmante Bootsbauer nach dem dritten Date sich nicht entschließen zu können, ob er gerade einen Entschluß zu einer festen Beziehung finden könne.
Naja, so ist das halt und wer nicht sieht, wie toll ich bin, dann kann ich auch nichts dafür. Ich lebe ja schließlich mit mir zusammen. Gesegnet sei hierbei der Schizophrene, auch wenn Polygamie verboten ist.
Aber nicht nur wir Frauen haben es schwer im Gewirr des Internetdatings. Viele meiner männlichen Freunde beschweren sich darüber, dass sie nie angeschrieben geschweige denn Antwort von einer Auserwählten erhalten. Hingegen wir Mädchen mit E-maildialogen wie:
Er: Tolles Statement in deinem Profil!
Ich: Welches meinst du jetzt?
Er: War nur ironisch gemeint.
Ich: Du hast ja richtig Sinn für Humor, Donnerwetter.
Er: Meinst du das jetzt ironisch?
kämpfen müssen. Der Schwall der sich über einen ergießt, wenn man online ist ist schon groß. Anmachen wie: geile Beine, wünsche dir nen schönen Abend, kann ich mich auf deiner Warteliste einreihen, etc werden sofort gelöscht. Aber auch Kuriositäten wie: Hartmut (61): darf ich dich erziehen oder mach doch mal die Beine breit tummeln sich im Postfach. Und nein, ich sage nicht jedem ab.
Zurück zu meinen männlichen Freunden, bei denen ich auch nicht verstehe, warum ihnen niemand schreibt. Vielleicht gehen sie im Schwall der Copy-Paste-Emails der anderen Knalltüten unter. Nunja, aber von jedem meiner Freunde habe ich schon einmal die Geschichte gehört, dass sie sich mit einer Dame gedatet hätten, auf deren Profilbild nur ein sehr niedliches Gesicht zu sehen war, die sich aber später als Double von Maite Kelly geoutet hat, bevor sie bei Let’s Dance war und den Spitznamen Walfischchen verdient hätte. (Wahrscheinlich war ich für den oben genannten Mitte-Fuzzi Regisseur eine Art Free Willi). Wahrscheinlich ist das der männliche Date Albtraum.
Oft passiert es auch auf Single-Portalen, dass, wenn man mit einer Freundin chattet à la: schau mal den an und den, von ein und dem selben Typen mit dem gleichen Spruch angeschrieben wird. Ich frage mich ob die Jungs mit ihren Kumpels bei einer Tasse Bier zusammen sitzen, am Bleistift kauen und gemeinsam ausbaldowern, welcher Anmachspruch denn nun am Besten ankommen würde. Das erinnert mich sehr ans Autoknacken ohne Brechstange. Man klick so oft an den Türen der Autos bis eine aufgeht.
Nun fragt sich der geneigte Leser, warum ist die Frau F. denn nun dort angemeldet? Ich studiere das Leben und die Menschen würde ich sagen, oder in sarkastischen Zeiten: das Balzverhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit. Aber wissen wir nicht alle, dass ganz tief in uns die Sehnsucht nach der durch Märchen geprägten ewigen Liebe ist, auch wenn wir es oft nicht zu geben wollen?
Carrie aus Sex & the City sagte einmal: die Suche nach der großen Liebe sei in New York so schwer wie die nach dem richtigen Therapeuten. Vielleicht ist Berlin da doch anders. So erhielt ich vor einigen Wochen eine SMS von Bonshi: mein Singleleben ist vorbei! Ich habe einen neuen Freund!
Woraufhin ich schrieb: und ich habe einen Therapeuten.
And-they-all-lived-happily-ever-after-Grüße
Miez

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