No means No! – Slutwalk am 13. August 2011



Slutwalk am Samstag, 13. August 2011
Start: 15:00 Uhr
Ort: Wittenbergplatz

Kampf der Legitimation sexueller Gewalt,
denn es ist keine Bagatelle!
Keine Lobby den Tätern,
Straftaten müssen geahndet werden,
Menschenrechte verteidigt,
denn die Würde des Menschens ist unantastbar.
Deshalb: No means No!,
und mein Minirock ist keine Provokation,
sondern ein Kleidungsstück!


Liebe FreundINNEN,

für mich ist es das erste Mal mit diesem Thema in die Öffentlichkeit zu gehen.
Aber es gehört nun mal zu meiner Geschichte und ist nicht auslöschbar. Trotzdem ist es schwer, eine Überwindung und kostet unglaublich viel Kraft.

Jahrelang habe ich es ausgeblendet, als sei es die Geschichte einer anderen Person.
Die Hetzjagd auf mich, die damals in der Schule und in meinem Ort begann,
hat mich tief geprägt, verletzt und oft dachte ich: das alles ist schlimmer als die eigentliche Tat.
Ich wurde kritisch beäugt, angespuckt, vorgeführt, erniedrigt und für die Tat verantwortlich gemacht. Ich schwieg, weil ich dachte, das sei normal und suchte die Schuld bei mir.

Auch meinen Eltern sagte ich nie etwas, weil ich sie nicht besorgt machen wollte.
Eine Therapie für Opfer war damals noch nicht selbstverständlich und so blieb alles allein in mir. Ich war irgendwann froh, nicht mehr am Tatort vorbei gehen zu müssen, den ich jeden Morgen auf dem Weg zur Schule und zurück passieren musste, jeden Tag den Weg zu gehen, auf dem es geschehen ist. So lernte ich viel auszuhalten und zu schweigen. Nach dem Abitur packte ich die Sachen und verließ diesen kleinen Kosmos, hinaus in die Welt.

Nun, nach meinem Zusammenbruch nutze ich die Chance, alles in meinem Leben aufzuarbeiten. Und ich will nicht mehr schweigen. Für Opfer ist schon einiges besser geworden, aber noch immer gibt es die Altherren-Vergewaltigungsmythen. Und so lange es die gibt, werden wir immer Opfer bleiben. Opfer einer Gesellschaft, die Vergewaltigung als Bagatelle sieht. Die vom Opfer erwartet ein lebenslang Opfer zu bleiben, sich zu ducken, ein Mauerblümchen zu werden und wenn sie dies nicht tut zu pauschalisieren: na kein Wunder, so wie die sich anzieht!
Ein Minirock ist keine Legitimation für sexuelle Belästigung und Übergriffe. Ein Shirt mit Ausschnitt ist keine Einladung mit meinen Brüsten zu sprechen und diese anzufassen. Meine blonden Haare bemächtigen nicht dazu mich zum Sexobjekt zu degradieren. Und ein nächtlicher Spaziergang erlaubt nicht mich zu fragen, wie viel ich koste.

In Afghanistan fordern wir Schulbildung für Frauen und Mädchen, in meinem eigenen Land wird mir empfohlen nachts nicht mehr allein auf die Strasse zu gehen. Ich will mich nicht einschränken, nur weil ich eine Frau bin. Ich will nicht mehr Opfer sein und das bin ich auch nicht, weil ich so viel stärker bin. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn ihr mich begleitet auf diesem Marsch, weil es doch schon eine Anstrengung ist für mich, man aber gemeinsam immer stärker ist. Sexuelle Belästigung und Gewalt geht jeden etwas an: egal welches Geschlecht und welches Alter!

Eure Miez

Ein Gedanke zu “No means No! – Slutwalk am 13. August 2011

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